Für das 5:0 des VfB Stuttgart zum Start gegen den VfL Bochum gibt es viele Gründe. Die Verantwortlichen richten den Blick aber lieber nach vorn und mahnen. Auch dafür gibt es Gründe.
Weil die Fans des VfB Stuttgart zu jenen gehören, die besonders treu, leidenschaftlich und leidensfähig sind, hatten sie sich die Momente der Euphorie durchaus verdient. „Spitzenreiter, Spitzenreiter“, hallte es durch die MHP-Arena. Alte Gassenhauer wurden ausgepackt („. . . und so zogen wir in die Bundesliga ein, und wir werden wieder deutscher Meister sein“), und auch an siegestrunkene Zweitligazeiten wurde erinnert: „Wenn du mich fragst, wer Meister wird . . .“ Nach dem überraschend deutlichen 5:0-Erfolg zum Saisonauftakt gegen den VfL Bochum (Liveticker zum Nachlesen) war die Freude also groß an der Stuttgarter Mercedesstraße, tatsächlich steht der VfB zumindest vorübergehend an der Tabellenspitze – doch mühten sich die direkt Beteiligten schnell um eine realistische Bewertung des Geschehens.
„Zu einem Gewinner-Mindset gehört auch, dass wir das richtig einordnen“, sagte Fabian Wohlgemuth, der Stuttgarter Sportdirektor. Der Trainer Sebastian Hoeneß wählte fast deckungsgleiche Worte: „Wichtig wird sein, es gut einzuordnen.“ Und auch der Kapitän Waldemar Anton nahm zwar gerne Glückwünsche entgegen, aber auch er drückte eher das Brems-, denn das Gaspedal. Aber: Alle drei fanden auch lobende Worte für den ersten Ligaauftritt der neuen Saison – und das völlig zurecht.
Zwar hatte die erste große Chance des Spiels der Bochumer Stürmer Philipp Hofmann gehabt. Nachdem der frühere Karlsruher diese Möglichkeit aber nicht genutzt hatte, „haben wir das Spiel in die Hand genommen“, erklärte zufrieden Sebastian Hoeneß – und ergänzte: „Es war das Ziel, das Spiel zu kontrollieren, das haben wir gut hinbekommen. Unterm Strich war es eine richtig gute Leistung.“ Des gesamten Teams – aus dem jedoch einige Spieler besonderen Anteil am Auftaktsieg hatten.
Waldemar Anton und Atakan Karazor führen das Team
Serhou Guirassy etwa zeigte seine Klasse als Stürmer nicht nur bei seinen beiden Treffern zum 1:0 und 5:0. Pascal Stenzel bewies, dass auf ihn nicht nur als Alternative auf der Bank Verlass ist. Enzo Millot, der überraschend auf einer der beiden Sechserposition agierte, spielte dort erstaunlich positionstreu, sachlich und laufstark. Und das Duo Waldemar Anton und Atakan Karazor sorgte gemeinsam dafür, dass es nach dem Ad-hoc-Abgang von Wataru Endo am Freitag zum FC Liverpool keinen Mangel an Führungsqualitäten gab.
„Die Aufgabe, die frei gewordene Verantwortung zu übernehmen, hat die Mannschaft heute gemeinsam erfolgreich übernommen“, lobte Wohlgemuth dennoch das Kollektiv. Nicht ohne Grund. Nach der Partie etwa war es Serhou Guirassy, der die Mannschaft noch einmal zu einem Kreis zusammentrommelte und einige Worte an die Mitspieler richtete.
Viele im Team scheinen zum Start verstanden zu haben, dass es nicht erst im letzten Drittel der Saison viel Konsequenz und ein stetes Streben nach dem Leistungslimit braucht, um Abstiegssorgen fernzuhalten. „Man hat von Anfang an unsren Anspruch gesehen, es anders zu machen als in der vergangenen Saison“, sagte denn auch Fabian Wohlgemuth.
Der Saisonstart also ist geglückt. Doch dienst ein Blick zwei Jahre zurück als mahnender Finger. Damals stand der VfB nach dem 5:1 gegen die SpVgg Greuther Fürth auch oben, der Klassenverbleib wurde dann aber zur Zitterpartie. Nun ist zudem unklar, ob sich das Team noch verändert bis zum 1. September. Dann endet die Transferperiode, und zumindest beim am Samstag noch angeschlagen fehlenden Konstantinos Mavropanos deutet viel auf einen Wechsel zu West Ham United hin. Als Ersatz wird bereits Leonidas Stergiou vom FC St. Gallen gehandelt. Auch Borna Sosa, gegen den VfL lediglich eingewechselt, ist weiter ein Wechselkandidat. Und dann ist da ja noch die Lücke, die Wataru Endo hinterlassen hat.
Nächstes Spiel bei RB Leipzig
Zwar wurde dessen Fehlen am Samstag kompensiert, der Trainer Sebastian Hoeneß ließ aber nach der Partie keinen Zweifel daran, dass er noch einen Ersatz erwartet: „Daran arbeiten wir.“ Das aktuelle Tabellenbild könnte dabei helfen, einen geeigneten Kandidaten zu überzeugen. Ehe es am kommenden Freitag deutlich schwieriger werden wird als am Samstag gegen einen harmlosen VfL Bochum. Dann tritt der VfB bei RB Leipzig an.