Nach dem Abpfiff genießen die VfB-Profis Ramon Hendriks, Ermedin Demirovic, Jamie Leweling, Angelo Stiller und Leonidas Stergiou (v.li.) den Sieg in Dortmund. Foto: IMAGO//Malte Ossowski

Die Stuttgarter lassen sich beim BVB nicht auf einen Schlagabtausch ein. Beim 2:1-Sieg erzielt die Hoeneß-Elf die Tore zum richtigen Zeitpunkt – und vermiest den Einstand von Dortmunds Coach Niko Kovac.

Nach dem Gang in die Kurve, wo sich die 8000 mitgereisten VfB-Fans im Dortmunder Stadion in den Armen lagen, bekam Jeff Chabot sein Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Der VfB hat mit dem verdienten 2:1 (0:0)-Erfolg beim BVB seine kleine Delle in der Bundesliga nach den Niederlagen in Mainz sowie gegen Gladbach überwunden. Und Chabot, der wackere Abwehrchef der Stuttgarter, er hatte mit dem wichtigen Treffer zum 2:0 (61.) sein erstes Bundesligator überhaupt erzielt.

 

„Mein erstes Treffer in der Bundesliga, das freut mich sehr. Der Knoten ist geplatzt, vielleicht kommen noch ein paar Tore mehr“, sagte Chabot – und ergänzte: „Dieser Sieg tut uns als Mannschaft unheimlich gut.“

Die Elf von Trainer Sebastian Hoeneß hatte sich im mit 81 356 Fans ausverkauften BVB-Stadion nicht von der Kulisse beeindrucken lassen, ging von Beginn an wach, engagiert und in der Defensive etwas tiefer stehend zu Werke. „Wir hatten heute weniger Ballbesitz als sonst und haben den Gegner kommen lassen. Wir haben den Plan extrem schlau und clever umgesetzt“, resümierte der zufriedene VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth nach dem fünften VfB-Sieg gegen die Borussia in Serie.

Es war auch ein Erfolg des Willens gegen verunsicherte Dortmunder, die ihrem neuen Trainer Niko Kovac zu dessen Einstand als Chefcoach keinen Sieg schenken konnten. „Jeder hat um jeden Zentimeter gekämpft. Es war ein verdienter Dreier am Ende“, ergänzte Wohlgemuth: „Das Selbstbewusstsein durch den Pokal-Sieg gegen Augsburg unter der Woche hat uns geholfen, hier zu bestehen.“

0:0 hatte es zur Pause gestanden, nachdem der VfB-Torwart Alexander Nübel einen Distanzschuss des agilen Jamie Bynoe-Gittens entschärft hatte (22.). Die dickste Chance des ersten Durchgangs hatte aber VfB-Mittelstürmer Deniz Undav, der nach einem verunglückten Rückpass von Waldemar Anton allein vor dem Borussen-Keeper Gregor Kobel auftauchte, aber den Ball letztlich zu weit nach außen legte. So war die Chance dahin (37.).

Treffer zum richtigen Zeitpunkt

In Halbzeit zwei erzielten die Stuttgarter die Tore dann zum richtigen Zeitpunkt. Unglücksrabe beim 1:0 für die Gäste war abermals der ehemalige VfB-Abwehrspieler Anton, der von der Stuttgarter Kurve konstant ausgepfiffen wurde. Nach einem Schuss des agilen Chris Führich lenkte Anton den Ball ins eigene Tor (50.). Das 1:0 für die Hoeneß-Elf.

Wenig später dann der große Auftritt von Chabot als Torschütze. Schon davor hatte der Abwehrchef im Duell mit dem glücklosen Serhou Guirassy brilliert – und hatte zudem die Lufthoheit im eigenen Strafraum. Im Anschluss an eine VfB-Ecke flankte Jamie Leweling von rechts butterweich in den Dortmunder Strafraum, wo Chabot am langen Pfosten volley zum 2:0 einnetzte (61.).

„Für uns war es allein wichtig, dass wir das Spiel gewonnen haben. Denn Tabellenstände interessieren mich nicht“, sagte der VfB-Cheftrainer Sebastian Hoeneß, der mit seiner Mannschaft nun weiter im Rennen um die internationalen Plätze mitmischt. Denn die Dortmunder kamen ihrerseits nach einem Eckball durch Julian Brandt zwar noch auf 1:2 heran (81.) – doch mehr Zählbares brachten die Westfalen nicht mehr zustande.

Das lag zum einen daran, dass sich der BVB in der Schlussphase durch einen Ellenbogen-Check des bereits verwarnten Julian Ryerson gegen den VfB-Antreiber Angelo Stiller, den der starke Schiedsrichter Daniel Sieber zu Recht mit Gelb-Rot ahndete, selbst schwächte (89.). Zu zehnt gelang es den Dortmunder nicht mehr, immerhin ein Unentschieden zu erspielen.

„Die Einstellung meiner Spieler war okay. Nur das Ergebnis nicht“, resümierte BVB-Coach Niko Kovac. Dessen Gegenüber Sebastian Hoeneß konnte mit seinem Team derweil zufrieden die Heimreise aus Dortmund antreten: „Wir wollten nach dem Sieg im Pokal gegen Augsburg den zweiten Push haben. Den haben wir nun bekommen. Wir wollten schlau spielen - und das ist heute super aufgegangen.“

Nun hat der VfB mehr Zeit, um sich auf das nächste Heimspiel am kommenden Samstag (15.30 Uhr) gegen den VfL Wolfsburg vorzubereiten. Die letzte englische Woche ist für den VfB vorerst absolviert. So bleibt dem Team mehr Zeit, ausgiebiger zu regenerieren und auf dem Trainingsplatz an den Feinheiten zu arbeiten.