Für Enzo Millot, hier beim Kopfball zum 1:0 gegen Prag, und den VfB geht es weiter Schlag auf Schlag: Am Sonntag kommt die TSG Hoffenheim. Foto: Pressefoto Baumann/Volker Müller

Gegen Sparta Prag hat sich der VfB in der Königsklasse mehr erhofft als ein 1:1. Jetzt geht es am Sonntag in der Liga gegen die sportlich angeschlagenen Hoffenheimer. Kommt die TSG zum richtigen Zeitpunkt?

Auf Feiertage nimmt der eng getaktete Spielplan im europäischen Fußball zwar grundsätzlich so gut wie keine Rücksicht. Doch der Terminkalender wollte es so, dass die Profis des VfB Stuttgart am Tag der Deutschen Einheit trainingsfrei hatten – und damit trotz englischer Woche einmal kurz die Beine hochlegen konnten.

 

Dabei beging der VfB sozusagen als „Best of the Rest“ seine eintägige Pause, ehe es am Sonntag (19.30 Uhr) im eigenen Stadion gegen die TSG Hoffenheim wieder um Bundesliga-Punkte geht. Denn in der Champions League rangieren die Stuttgarter in der mit 36 Vereinen besetzten Ligaphase aktuell auf dem 25. Rang, was eine schwierige Platzierung ist. Bedeutet diese Position doch die Spitze – leider im Kreise all der zwölf Clubs, die nach Ablauf der Vorrunde der Königsklasse raus sind.

Allerdings ist für den VfB international ja längst nicht alles verloren. Mit dem 1:1 gegen Sparta Prag, als Kaan Kairinen (32.) mit einem Kunstschuss in den rechten Torwinkel die frühe Führung des VfB per Kopfball durch Enzo Millot (7.) ausglich, haben die Stuttgarter immerhin ihren ersten Punkt in der Königsklasse geholt. Auch wenn sie sich mehr erhofft hatten. „Wir sind schon enttäuscht“, bilanzierte der Trainer Sebastian Hoeneß nach dem Duell mit dem tschechischen Serienmeister.

Doch es sind gerade mal zwei von acht Spieltagen in der Ligaphase der Champions League vorüber, wo es am 22. Oktober mit dem Gastspiel beim italienischen Spitzenteam Juventus Turin weitergeht. Wie viele Punkte braucht es aber zum Einzug in die K.-o.-Phase? Dazu ist mindestens Rang 24 notwendig.

Jüngste Computersimulationen haben ergeben, dass zehn Punkte garantiert reichen. Bei neun Punkten lag die Wahrscheinlichkeit noch bei stolzen 69 Prozent. Acht Punkte genügten hingegen nur in 16 Prozent der Fälle. Das bedeutet, dass der VfB aus seinen restlichen Spielen auswärts in Turin, bei Roter Stern Belgrad und Slovan Bratislava, sowie zu Hause gegen Atalanta Bergamo, die Young Boys Bern und Paris Saint-Germain am besten noch drei Siege oder zumindest zwei Siege und zwei Unentschieden einfahren muss. Interessant hierbei: Mit den Teams aus Bern, Belgrad und Bratislava hat ein Trio der VfB-Gegner bisher noch gar keine Punkte geholt.

Nicht gerade mit dem größten Selbstbewusstsein ausgestattet ist auch der kommende Bundesliga-Gegner TSG Hoffenheim. Mit drei Punkten liegt das Team von Ex-VfB-Coach Pellegrino Matarazzo nach fünf Spieltagen auf dem drittletzten Platz. Zudem gilt es neben der Unruhe innerhalb des Clubs den herben Rückschlag vom Wochenende zu verdauen, als es trotz einer 3:0-Führung gegen Werder Bremen noch eine 3:4-Niederlage setzte.

„Hoffenheim ist aktuell schwer einzuschätzen“, meinte der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. Sportdirektor Alexander Rosen ist weg, Trainer Matarazzo steht auf der Kippe. Beim VfB ist man allerdings gut beraten, sich auf die eigenen Fähigkeiten zu besinnen. Schließlich lief am Dienstagabend in der mit 60 000 Fans voll besetzten MHP-Arena gegen Sparta Prag längst nicht alles rund. So fehlte es dem VfB neben Mut und Kreativität vorne im letzten Drittel an der nötigen Durchschlagskraft.

„Wir befinden uns gerade in einem Reifeprozess“, sagte Kapitän Atakan Karazor, von dem es persönliche Neuigkeiten gibt: So hat sich der Mittelfeldmann entschieden, künftig im Nationalteam der Türkei zu spielen – und nicht für die DFB-Elf. In der Stuttgarter Kabine müssten er und die VfB-Kollegen derweil schon mal aufpassen, „dass unser kleiner Franzose nicht zu sehr fliegt“.

Gemeint ist Enzo Millot, der wie zuvor in der Liga gegen Dortmund (5:1) und in Wolfsburg (2:2) auch gegen Prag ein Tor erzielte. Von der Uefa wurde er gegen Sparta zum „Man of the Match“ erwählt, der Trainer Hoeneß lobte ihn („Enzo besitzt außergewöhnliche Fähigkeiten und bekommt die Aufmerksamkeit, die er auch verdient“) – und dennoch soll er vor dem Hoffenheim-Spiel nicht die Bodenhaftung verlieren.