Angelo Stiller und Deniz Undav zeigten gegen den BVB starke Leistungen, die auch Bundestrainer Julian Nagelsmann registriert haben dürfte. Foto: Baumann/Volker Mueller / IMAGO/pepphoto

Mehrere zuletzt nicht von Bundestrainer Nagelsmann nominierte Stuttgarter betreiben in Dortmund auf unterschiedliche Weise Eigenwerbung. Der Weg für sie ist aber noch lang.

Wochenlang stand das Thema Nationalmannschaft bei Angelo Stiller auf dem Index. „Kein Kommentar“ blieb der einzige Kommentar, der dem Mittelfeld-Regisseur des VfB Stuttgart zu seiner Nicht-Nominierung für die DFB-Elf zu entlocken war.

 

Am Wochenende aber endete das Schweigen des 24-Jährigen, der nach dem Offensivspektakel bei Borussia Dortmund (3:3) auch verbal den Vorwärtsgang einlegte. Ein bisschen zumindest. „Ich versuche“, so Stiller in Richtung von Bundestrainer Nagelsmann, „Julian Woche für Woche zu zeigen, dass er vielleicht einen Fehler gemacht hat“. Und: Er wolle spielen, so Stiller, „so wie ich den Fußball sehe, und mich so beweisen“.

Letztere Anmerkung kann man dabei durchaus als Reaktion auf die Begründung des Bundestrainers verstehen, der anderen zentralen Mittelfeldspielern wie Leon Goretzka oder Nadiem Amiri einen Tick mehr Offensivgeist attestiert hatte.

Nun kommt auf der anderen Seite auch Stiller in dieser Saison wettbewerbsübergreifend bereits auf fünf Torvorlagen, darüber hinaus demonstrierte er beim BVB wieder seine Ballsicherheit und bestimmende Rolle im Stuttgarter Spiel: Mit 109 Ballkontakten hatte er bei Weitem die meisten aller Akteure auf dem Feld, auf Rang zwei folgte der Dortmunder Nico Schlotterbeck mit gehörigem Abstand (75).

Auch Undav und Mittelstädt betreiben Eigenwerbung

Und: Stiller war nicht der einzige Stuttgarter, der zuletzt nicht für den DFB nominiert gewesen war und nun im Topspiel Eigenwerbung betrieb. Im Fall von Deniz Undav bedarf es mit Blick auf dessen Dreierpack keiner weiteren Erklärung, zudem hatte Maximilian Mittelstädt seine linke Seite defensiv über weite Strecken im Griff und kam auf eine nicht alltägliche Zweikampfquote von 71 Prozent gewonnenen Duellen.

Julian Nagelsmann nominierte zuletzt zwei VfB-Profis: Alexander Nübel und Jamie Leweling. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Diese guten Leistungen wiederum zeigten die Stuttgarter in einem Spiel, auf dem aus DFB-Sicht schon ein besonderes Augenmerk lag. Denn auch die Dortmunder haben mehrere deutsche Nationalspieler in ihren Reihen, sodass sich im direkten Aufeinandertreffen anschauliche Quervergleiche ziehen ließen. Im Mittelfeld zwischen Stiller und Nmecha, im Strafraum zwischen Undav und den beiden Verteidigern Nico Schlotterbeck und Waldemar Anton. Zwar war es nur ein Spiel – in diesem aber haben sich die Stuttgarter auf diesem Niveau konkurrenzfähig präsentiert.

Lothar Matthäus sieht großen Konkurrenzkampf im zentralen Mittelfeld

Zugleich ist klar, dass das Rennen um die WM-Plätze ein umkämpftes bleiben wird. Das gilt insbesondere im zentralen Mittelfeld, wo die derzeitige Über-Mannschaft vom FC Bayern mit Aleksandar Pavlovic und Leon Goretzka gleich zwei Spieler stellt – und zudem in Amiri und Nmecha zwei weitere Spieler zuletzt in der Gunst des Bundestrainers die Nase leicht vorne hatten gegenüber Stiller.

Auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sieht auf dieser Position eine spezielle Konstellation. „Die Konkurrenz ist sehr groß“, betonte der frühere Weltklasse-Mittelfeldspieler bei Sky. „Es sind fünf, sechs Spieler da, die performen alle. Natürlich gehört Angelo Stiller da auch dazu.“

Bei Undav wiederum kam die jüngste Nicht-Nominierung gar nicht so überraschend. Der Stuttgarter Stürmer hatte zu Saisonbeginn wochenlang verletzt gefehlt und dann eine Weile benötigt, um wieder zu seiner derzeitigen Form zu finden. Das sieht man auch beim VfB nicht anders. „Er hat einige Zeit gebraucht, um sich zu stabilisieren und wieder ins Spiel zu finden“, sagt Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, „jetzt ist er wieder da seit drei, vier Spielen.“

Länderspiel im März in Stuttgart

In diesen zeigte der 29-Jährige seine Qualitäten. Ganz besonders in Dortmund, wo er mit seinem Torriecher durch überraschende Aktionen aus nicht allzu großen Chancen drei Tore erzielte. „Wenn er fit ist“, findet deshalb auch der frühere Nationalspieler und heutige Sport-1-Experte Stefan Effenberg, „ist er ein herausragender Stürmer, der den Unterschied ausmachen kann und auch wieder in den Kreis der Nationalmannschaft kommen wird.“

Undav selbst will gar nicht so weit vorausblicken. Wenn er jetzt wieder zwei Spiele nicht treffe, falle die Bewertung gleich wieder anders aus: „Ich muss konstant Leistung bringen, konstant Tore schießen, mich beweisen.“ Dafür haben er und die weiteren Stuttgarter DFB-Kandidaten nun jede Menge Zeit.

16 Bundesliga-Spiele stehen auf dem Programm bis zur nächsten Länderspielpause im März 2026, die einen wegweisenden Fingerzeig in Richtung WM bringen wird. Und ein Länderspiel in Stuttgart gegen die Elfenbeinküste, was für die VfB-Profis ja kein schlechtes Omen sein muss.