Der VfB Stuttgart bastelt nicht nur am Kader der neuen Saison – sondern auch am künftigen Trainerteam. Nun steht fest: Malik Fathi kommt. Was zeichnet ihn aus?
Dass der VfB Stuttgart einen weiteren Co-Trainer verpflichtet hat, ist durchaus eine Nachricht wert in der Fußballbranche. Dass dies auch bei den Stuttgarter Kickers aufmerksam verfolgt wird, überrascht dann aber doch ein wenig – schließlich wurde ja kein Blauer von den Weiß-Roten abgeworben. Eine Meinung hat man auf der Waldau dennoch zu Malik Fathi, den neuen Mann beim VfB.
„Das ist ein richtig Guter, der einiges auf dem Kasten hat“, sagt Enzo Marchese. Der frühere Spielführer der Kickers ist beim Aufsteiger in die Regionalliga heute für Sponsoring und Vertrieb zuständig – und kennt Malik Fathi bestens. Von der gemeinsamen Zeit auf Mallorca.
In der Saison 2017/2018 haben Fathi und Marchese gemeinsam bei Atlético Baleares in der dritten spanischen Liga gespielt. Während Marchese zuvor beim SSV Ulm und den Stuttgarter Kickers aktiv gewesen war, blickte Fathi da bereits auf eine höherklassigere Karriere zurück.
Zum Profi wurde der Rechtsverteidiger bei Hertha BSC, von 2003 bis 2008 gehörte er zum Bundesligakader der Berliner. Dann wechselte der heute 39-Jährige zu Spartak Moskau in die erste russische Liga. Von dort kehrte er in die Bundesliga zum 1. FSV Mainz 05 zurück, mit dem Club qualifizierte er sich unter anderem für den Europapokal – übrigens gemeinsam mit dem heutigen Mainzer Bundesligatrainer Bo Svensson.
Sebastian Hoeneß und Malik Fathi kennen sich aus Berlin
2015 verschlug es Malik Fathi dann nach Mallorca, wo er 2018 seine Spielerkarriere beendete, aber nicht nur als Fußballprofi tätig gewesen war. Er brachte auch seine Erfahrungen als Mentaltrainer bei Atlético Baleares ein. „Ich habe ihn als sehr akribischen und sehr angenehmen Menschen kennengelernt“, erinnert sich Enzo Marchese – der seit der gemeinsamen Zeit auf Mallorca mit Fathi befreundet ist. Auch zuletzt hatten sie Kontakt, als sich der Wechsel nach Stuttgart abgezeichnet hatte.
Zum VfB kommt Malik Fatih aus der Nachwuchsabteilung von Hertha BSC. Dort, wo er selbst fußballerisch ausgebildet wurde, betreute er in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich die U 15 und die U 16 der Berliner. Zuvor war er Co-Trainer von Andreas Neuendorf bei der U 23 der Hertha gewesen. Als der Chefcoach zu den Profis aufrückte, stand Fatih in der Verantwortung, aufgrund der Coronapandemie kam es aber nicht zu einem Pflichtspieleinsatz als Chef an der Seitenlinie.
In Stuttgart wagt er nun den Sprung vom Jugend- zum Erwachsenentrainer in der Bundesliga. „Ich traue ihm das auf jeden Fall zu, aufgrund seiner Fähigkeiten und der langen Zeit als Profi kennt er sich in diesem Bereich sehr gut aus“, sagt Enzo Marchese. Vertrauen hat auch der VfB, der Malik Fathi einen Vertrag bis 2025 hat unterschreiben lassen. Der Ex-Nationalspieler (zwei Einsätze) und der VfB-Cheftrainer Sebastian Hoeneß kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei Hertha BSC.
„Malik Fathi war ein erfolgreicher Spieler und kennt die Bundesliga sehr gut“, sagt der VfB-Sportdirektor Fabian Wohlgemuth, „wir sind davon überzeugt, dass er als zusätzlicher Co-Trainer einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung unserer Mannschaft leisten wird.“ Hoeneß brachte im April David Krecidlo (39) als Assistenten mit nach Stuttgart. Zuletzt gehörten zudem Nate Weiss, Torwarttrainer Steffen Krebs, die Athletikcoaches Martin Franz und Matthias Schiffers sowie die Analysten Marcus Fregin, Max Lesser und Jan Schimpchen zum Trainerteam. Lesser verlässt den Club und wechselt zu Ajax Amsterdam.
Malik Fatih gleicht zumindest numerisch den Abgang wieder aus, wird aber wohl in eine etwas andere Rolle schlüpfen als Lesser. „Ich freue mich sehr darauf, nun als Co-Trainer beim VfB Stuttgart den Schritt aus dem Nachwuchsbereich in den Profibereich zu gehen“, sagt er, „ich habe mit Sebastian Hoeneß gemeinsam bei den Hertha-Amateuren gespielt, auch David Krecidlo kenne ich schon lange. Gemeinsam mit ihnen und allen anderen Trainern werde ich mein Bestes für den VfB geben.“ Und sicher das eine oder andere Mal bei Enzo Marchese vorbeischauen.