Die Stuttgarter agieren in dieser Saison defensiv deutlich stabiler als 2024/25, was sich an mehreren Statistiken festmachen lässt. Warum dennoch Vorsicht geboten ist.
Natürlich ist die Saison noch jung – aber nach 13 Pflichtspielen für den VfB Stuttgart eben auch nicht mehr so jung, dass sich kein Zwischenfazit ziehen ließe. In einem Bereich fällt es ohne Wenn und Aber erfreulich aus: Die Defensivleistung stimmt. Das ließe sich an mehreren Statistiken festmachen, die entscheidende spricht dabei bereits eine klare Sprache: Gerade einmal 0,9 Gegentore im Durchschnitt musste die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß in der Bundesliga bislang hinnehmen. Dieser Wert ist für sich genommen ein starker, der aber erst im Vergleich zur Vorsaison seine eigentliche Bedeutung erhält: in der Saison 2024/25 waren es noch 1,6 Gegentore pro Partie gewesen, der VfB hat die Quote also fast halbiert.
Nun könnte das Ganze ja auch auf zahlreichen ausgelassenen Chancen des Gegners fußen und nicht auf der eigenen Verteidigungsleistung – tut es aber nicht, wie der Blick auf die Expected Goals zeigt: Aufgrund der Chancenqualität der gegnerischen Mannschaften wären bislang auch nur 1,1 Gegentore zu erwarten gewesen. Zieht man die beiden vermeidbaren Elfmeter beim SC Freiburg und zuletzt gegen den FSV Mainz 05 ab, liegt der Wert auch hier bei 0,9 und ist damit deckungsgleich mit den tatsächlich kassierten Gegentoren.
Sebastian Hoeneß zur Defensive: „Das fängt vorne an“
Es überrascht deshalb nicht, dass auch der Trainer einen Entwicklungsprozess in puncto Defensivarbeit sieht. „Wir haben da einen Schritt nach vorne gemacht“, sagt Sebastian Hoeneß – womit sich die Frage anschließt: In welchen Bereichen genau? Viele der 53 Gegentore der Vorsaison resultierten aus Schwächen bei defensiven Standards (man denke an das 4:4 bei Union Berlin) oder Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung. Beides war Thema in der Sommer-Saisonanalyse des VfB, der in besagten Situationen nun merklich entschlossener auftritt. „Wir sind konsequenter in einigen Situationen und mutiger im Anlaufen“, betont der Trainer.
Das wiederum verdeutlicht: Die Abwehrarbeit ist eine des Kollektivs und beschränkt sich mitnichten auf die hinteren Positionen. Zwar befinden sich genau dort derzeit viele Spieler in guter Form, weder personelle Rotationen noch veränderte Systeme zwischen Dreier- und Viererkette beeinflussen die Stabilität, der Trainer hat im Drei-Tages-Rhythmus die Qual der Wahl mit sechs fitten Innenverteidigern. „Aber“, sagt Sebastian Hoeneß zur Defensive, „das fängt auch vorne an. Die Mannschaft ist bereit, sich dort gegenseitig zu unterstützen.“ Und das führe dazu, dass man aus dem Spiel heraus nicht viel zulasse. Die jüngsten beiden Gegentreffer in der Europa League bei Fenerbahce Istanbul (0:1) und in der Bundesliga gegen den FSV Mainz 05 (2:1) fielen jeweils durch Elfmeter, davor blieb man zweimal ganz ohne Gegentor.
Das wiederum hat Folgen für das Angriffsspiel: Dem VfB reicht gerade immer wieder eine überschaubare Anzahl eigener Tore, um Spiele auf seine Seite zu ziehen. Mehr als zwei Treffer haben die Stuttgarter in dieser Bundesliga-Saison bislang nur einmal beim 3:0 in Wolfsburg erzielt, gerade in der jetzigen Phase der personellen Knappheit auf der Mittelstürmer-Position erweist sich die defensive Stabilität damit als wichtiger Faktor.
Aber: An zwei Einschränkungen kommt man an dieser Stelle zugleich nicht vorbei. Zum einen gab es zu Saisonbeginn eben auch die Ausnahme von der Regel durch das 4:4 nach 120 Minuten in der ersten Pokalrunde bei Zweitligist Eintracht Braunschweig, zum anderen warten die dicken Brocken in der Bundesliga allesamt noch auf den VfB: Bislang haben die Stuttgarter noch gegen keine der Mannschaften gespielt, die momentan in der Tabelle einen der vorderen sieben Plätze belegen. Das weiß auch der Trainer, der vor einem endgültigen Fazit warnt. „Es hat noch nicht die gänzliche Aussagekraft, wir sind aus meiner Sicht immer noch in der Anfangsphase der Saison“, betont Sebastian Hoeneß. Eine Tendenz sei die geringe Anzahl an Gegentoren aber gleichwohl: „Und zwar eine positive und erfreuliche.“
Die will der VfB an diesem Mittwoch (18 Uhr) in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim FSV Mainz 05 fortsetzen – wobei es nicht überraschen würden, sollten die Rheinhessen mit dem eigenen Publikum im Rücken deutlich offensiver auftreten als am vergangenen Sonntag in der Bundesliga in Bad Cannstatt. Auf die Stuttgarter wartet also einiges an Defensivarbeit. Eine Disziplin, die sie zuletzt liebgewonnen haben.