In guter Form: Maximilian Mittelstädt Foto: Baumann

Der Stuttgarter geht mit Rückenwind ins direkte Linksverteidiger-Duell mit dem Frankfurter Nathaniel Brown. Was der Zahlen-Vergleich sagt und wie Sebastian Hoeneß die Lage einschätzt.

Bislang gibt es ja für Maximilian Mittelstädt nicht viel auszusetzen an der laufenden Saison. Der Linksverteidiger ist mit dem VfB Stuttgart in allen Wettbewerben aussichtsreich unterwegs, steht als Stammspieler regelmäßig auf dem Feld – und hat obendrein eine neue verantwortungsvolle Rolle erfolgreich übernommen: Als Elfmeter-Schütze Nummer eins zeigte er sich zuletzt gegen Bayer Leverkusen (4:1) zum dritten Mal in Folge seit Anfang November treffsicher, womit eine relevante Stuttgarter Baustelle der jüngeren Vergangenheit fürs Erste geschlossen ist. Alles gut also für den gebürtigen Berliner in dieser Spielzeit? Nicht ganz.

 

Ein unliebsames Thema gibt es, Stichwort deutsche Nationalmannschaft. Hier verlor Mittelstädt im ersten Saison-Halbjahr seinen Kaderplatz an Nathaniel Brown (22) von Eintracht Frankfurt, der in den beiden Länderspiel-Pausen im Oktober und November jeweils den Vorzug erhalten hatte. Da David Raum von RB Leipzig beim DFB zuletzt gesetzt war und Bundestrainer Julian Nagelsmann dessen Emotionalität schätzt, läuft vieles auf ein Duell zwischen Brown und Mittelstädt um den zweiten Platz im Aufgebot für die Weltmeisterschaft im Sommer hinaus. An diesem Dienstagabend kann sich Nagelsmann von beiden im direkten Vergleich ein Bild machen, wenn der VfB um 18.30 Uhr die Eintracht empfängt.

Nagelsmann lässt die Türe offen für Mittelstädt

Beim Blick auf die Statistiken muss sich der Stuttgarter dabei nicht verstecken. Mittelstädt liegt in dieser Saison mit 37 Flanken aus dem Spiel heraus in den Top Ten der Bundesliga und deutlich vor Brown (17) – wobei hier auch die Spielanlage der Mannschaften berücksichtigt werden muss, da die Frankfurter generell rund ein Drittel weniger Flanken schlagen als der VfB. Aber: Auch in puncto Zweikampfquote liegt Mittelstädt mit 61 Prozent gewonnenen Duellen vor Brown mit 52 Prozent – und schon bei der jüngsten Nicht-Nominierung im November hatte der Bundestrainer mit Blick auf den VfB-Verteidiger betont: „Es wäre nicht unverdient gewesen, wenn er dabei ist. Er hat sich beim VfB super stabilisiert.“

Diese Entwicklung im Saisonverlauf sieht auch sein Vereinstrainer. „Er hat eine Saison, die ein bisschen in Wellen verlaufen ist. Jetzt ist wieder ein ganz klarer Anstieg zu sehen“; sagt Sebastian Hoeneß, der vor allem die offensiven Impulse des 28-Jährigen schätzt. Wettbewerbsübergreifend steht der 28-Jährige bei vier Toren (drei vom Elfmeterpunkt) und fünf Vorlagen. Hier steht Brown zwar erst bei einem Treffer, allerdings schießt Brown (ein Saisontor) bei der Eintracht auch keine Strafstöße. Zudem attestierte Nagelsmann dem Frankfurter mit dem kolportierten Marktwert von rund 35 Millionen Euro zuletzt große Fortschritte im individuellen Abwehrverhalten: „Er hat defensiv nochmals einen Riesenschritt gemacht.“

Steht vor einigen kniffligen Personalentscheidungen: Bundestrainer Julian Nagelsmann Foto: Baumann

Dass für die Bewertung die Auftritte bei exponierten Topspielen wie in Leverkusen oder nun zwischen der Eintracht und dem VfB eine besondere Bedeutung haben, liegt auf der Hand. „Jetzt kommt es drauf an“, sagt auch Hoeneß. „Das sind die Spiele, in denen es darum geht zu zeigen, dass man da ist und derjenige sein möchte, der nachher mit dem Adler auf der Brust für Deutschland in Amerika spielt.“

Der Linksverteidiger ist dabei nicht der einzige Stuttgarter, der in Leverkusen Eigenwerbung in Sachen DFB-Team betrieben hat. Angelo Stiller, Deniz Undav, Jamie Leweling, Alexander Nübel – die Liste der formstarken deutschen VfB-Profis an diesem Tag war durchaus umfangreich. Vor allem Undav rührte dabei im Anschluss im ZDF-Sportstudio in seiner gewohnt ungenierten Art für sich die Werbetrommel: „Wenn man so lange mit den Leuten zusammen ist wie bei der WM, ist es wichtig, dass man auch eine so geile Sau wie mich dabeihat. Ich versuche aber erstmal, mit meiner Leistung zu brillieren.“

Klar ist aber in jedem Fall: Es vergeht noch viel Zeit bis zu den nächsten Länderspielen und erst recht bis zur WM. Alleine zehnmal wird in der Bundesliga noch gespielt, ehe Nagelsmann seinen Kader für die Testspiele im März nominiert – eine lange Stecke, in der die DFB-Kandidaten unter genauer und dauerhafter Beobachtung stehen.

„Es ist natürlich viel zu früh, über die Weltmeisterschaft zu reden“, sagt deshalb auch der Stuttgarter Sportvorstand Fabian Wohlgemuth – betont jedoch zugleich mit Blick auf die Leistungen am zurückliegenden Wochenende: „Da hat der eine oder andere einen richtigen Schritt gemacht.“ Nicht zuletzt auch Maximilian Mittelstädt, der mit Rückenwind ins direkte DFB-Duell an diesem Dienstagabend geht.