Die Kinder in Kenia kennen jetzt den VfB Stuttgart – und hatten viel Spaß bei den Trainingseinheiten mit den VfB-Coaches. Foto: VfB

Fernab der sportlichen Realitäten in der Heimat hat sich eine Delegation des VfB Stuttgart auf eine ganz besondere Mission begeben – und in Kenia Kinder glücklich gemacht und wichtige Eindrücke gewonnen. Was hinter der Reise nach Afrika steckt.

Es ist ja nicht so, dass Manuel Bierig die Arbeit mit Kindern auf einem Fußballplatz fremd wäre. Der Trainer ist seit vielen Jahren für die Fußballschule des VfB Stuttgart tätig, hat bei sozialen Projekten mitgewirkt und auch inklusive Camps betreut. Doch das, was Manuel Bierig von Mitte bis Ende April eine Woche lang erlebt hat, war auch für ihn Neuland.

 

Es ging wieder um Fußball, es waren wieder unzähliger Kinder dabei – aber eben nicht in der Region Stuttgart, in Baden-Württemberg, Deutschland oder Europa. Sondern in Afrika. „Eine absolut prägende Woche“ sei es gewesen, sagt der Coach – und präzisiert: „Man kennt ja aus den Medien Bilder aus afrikanischen Ländern. Aber wirklich vorstellen, wie sich die Lage dort darstellt, konnte ich mir nicht.“ Als umso wichtiger empfand er den Besuch des VfB Stuttgart in Kenia. Für sich selbst, vor allem aber natürlich für jene, die von der Stippvisite des Fußball-Bundesligisten profitieren sollten.

In Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu), einem langjährigen Partner des VfB, und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) war eine kleine Abordnung des Clubs nach Afrika gereist, um verschiedene Aktivitäten durchzuführen. Neben Manuel Bierig waren unter anderen Micha Gühring dabei, der Leiter der VfB-Fußballschule, und Björn Peter als weiterer Trainer. „Der VfB ist einer der ersten Vereine, die mit einem ganzheitlichen Ansatz Fußball in Afrika fördern, aufbauen und entwickeln“, erklärt Rouven Kasper, der Marketingvorstand der VfB AG, die Maßnahmen, „wir sind dankbar, mit dem Nabu und der GIZ zwei starke Partner zu haben, die solche Projekte ermöglichen.“

Ganz anders als im Herbst in Austin

Mit der Reise im vergangenen Herbst, als der VfB im Auftrag der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in Austin versuchte, die Bundesliga in den USA sichtbarer zu machen, hatte der Trip nach Kenia wenig bis nichts zu tun. Zwar war die DFL erneut mit im Boot, um Erschließung neuer Märkte ging es auf den Lehmplätzen in Ostafrika aber erst einmal nicht. Als „Entwicklungsarbeit pur“ empfand etwa Manuel Bierig die Aktivitäten. Die, wie schon erwähnt, so gar nicht vergleichbar waren mit dem, was die Coaches der VfB-Fußballschule gewohnt sind.

Eigentlich sollte etwa beim „Family Fun Day“ des Projekts „Kick off for Hope“ alle eineinhalb Stunden eine Gruppe zum Trainingsplatz kommen. Zum Start waren dann aber schon fast alle 200 Jungen und Mädchen da. „Manche hatten nur einen Schuh an den Füßen“, erinnert sich Manuel Bierig, „manche kamen barfuß, einige sockig.“ Was alle einte: die Begeisterung, die sie an den Tag legten. „Für die Menschen dort war unser Besuch ein echtes Highlight“, sagt Bierig, der viel Dankbarkeit spürte.

Drei Maßnahmen absolvierte die VfB-Delegation gemeinsam mit der GIZ. Neben den beiden Trainingstagen mit insgesamt fast 300 Jungen und Mädchen wurden auch kenianische Trainerinnen und Trainer geschult. Das geschah auch im Rahmen der vier Aktivitäten gemeinsam mit dem Nabu, bei denen zusätzlich noch Bäume gepflanzt und in einem Waisenhaus Sachspenden übergeben wurden. Ein Fußballturnier wurde auch noch durchgeführt. Alle drei Partner gemeinsam waren zu Beginn des Aufenthalts beim Gouverneur und bei Vertretern des Sportministeriums zu Gast gewesen, um vor allem die Themen Naturschutz und Sportentwicklung zu besprechen.

Den VfB Stuttgart kannte kaum jemand

Im Zentrum stand aber immer wieder die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Die, und das ist der kleine, aber feine Nebeneffekt, nun durchaus etwas anfangen können mit dem VfB Stuttgart. Zu Beginn war das eher nicht der Fall gewesen. „Die Clubs der Premier League kennen die Kids in- und auswendig“, erzählt Manuel Bierig, „aus der Bundesliga kannten sie dagegen lediglich den FC Bayern und Borussia Dortmund.“ Auch die afrikanischen Spieler des VfB – etwa Serhou Guirassy (Guinea) oder Silas Katompa (Kongo) – waren ihnen kein Begriff.

Nun aber tragen ein paar Hundert Mädchen und Jungen stolz die Trikots mit dem Brustring, die die VfB-Delegation mitgebracht hat. Die Kinder und Jugendlichen wissen nun also ein bisschen mehr über Stuttgart, die Bundesliga, aber auch generell über die Art und Weise, wie die Gleichaltrigen in Mitteleuropa Fußball spielen. In technischer und taktischer Hinsicht, aber auch, welche Werte mit dem Sport verbunden werden. Die deutschen Gäste haben derweil eine neue Welt kennengelernt. Und auch eine neue Einstellung zum Leben.

„Über ihre Smartphones und das Internet wissen die Menschen dort, wie anderswo die Zustände sind. Sie selbst aber haben oft wenig bis nichts“, hat Manuel Bierig festgestellt, „und trotzdem sind sie glücklich.“ Das hat Eindruck hinterlassen. Auch lange nach dieser besonderen Reise – die für den VfB nicht die letzte in dieser Hinsicht gewesen sein soll.