Die VfB-Profis jubeln nach dem souveränen Sieg in Mönchengladbach. Foto: IMAGO/Eibner

Der VfB beeindruckt beim 3:0 in Mönchengladbach – die Leistung macht in einigen Punkten große Hoffnung für die nächsten Spiele, kommentiert Sport-Autor Marco Seliger.

Eines vorneweg und in aller angebrachten Klarheit: Borussia Mönchengladbach, der Gegner des VfB Stuttgart am Sonntagmittag, hinterließ einen bemitleidenswerten Eindruck. Zum Ende spielten die Gladbacher ihren ohnehin nicht ausverkauften Borussia-Park fast leer, die Fans flüchteten in Scharen aus dem Stadion, aus nachvollziehbaren Gründen: Die Fohlen waren insbesondere in der zweiten Hälfte irrlichternd unterwegs und vergaloppierten sich fast bei jeder Gelegenheit.

 

Aber, alte Floskel: Zu einem Fußballspiel und seinem Ergebnis gehören immer zwei Mannschaften. In diesem Falle waren die Extreme beim 3:0 der Gäste so ausgeprägt wie eindeutig: Gladbach agierte schwach und extrem verunsichert, der VfB dagegen spielte irgendwann wie eine abgezockte und zupackende Spitzenmannschaft. Dass er dazu nach schwacher Anfangsphase samt Elfmeter für Gladbach, den Keeper Alexander Nübel toll parierte, und einer eher zähen ersten Hälfte eine gewisse Anlaufzeit brauchte, gehört auch zu den Geschichten des Spiels.

Eigenschaften eines Champions-League-Kandidaten

Allerdings: Mit Beginn der zweiten Hälfte war dann ein Klassenunterschied zu sehen, weil der VfB keinen Zweifel mehr daran ließ, wer die bessere Mannschaft ist. Drei Tage nach dem bitteren 0:2 bei der AS Rom so konsequent zu agieren und während einer Partie noch zuzulegen – das sind Eigenschaften eines ernsthaften Champions-League-Kandidaten. Ebenso wie der Fakt, dass Trainer Sebastian Hoeneß in Hälfte zwei mit den Nationalspielern Deniz Undav, Chris Führich und Maximilian Mittelstädt von der Bank nachlegen konnte.

Viele kleine Reifeprozesse hat der VfB in dieser Saison schon durchgemacht, am Sonntag kam ein weiterer hinzu: Einen schwachen Gegner nicht mehr ins Spiel kommen zu lassen und die Dinge kurz nach einem kräftezehrenden Europapokal-Trip konsequent zu Ende zu bringen.

Das macht Mut für die nächsten eng getakteten Wochen, in denen die Weiß-Roten in der Europa League mit den Young Boys aus Bern, dem SC Freiburg, Holstein Kiel (DFB-Pokal-Viertelfinale) und dem FC St. Pauli Gegner vor der Brust haben, die auf dem berühmten Papier schlagbar sind – und gegen die es wie am Sonntag in Mönchengladbach vermutlich einen hohen Anteil an Ballbesitz und damit an Dominanz geben wird.

Wenn der VfB so zupackend auftritt wie bei der Borussia, könnte diese Dominanz wieder in Zählbares auf dem Platz und dem (Drei-)Punktekonto umgemünzt werden. Fakt ist: Der nächste Block an Spielen kann nach den jüngsten Eindrücken ein erfolgreicher werden – mit wichtigen Weichenstellungen in drei Wettbewerben.