Wenn der VfB an diesem Mittwoch Paris Saint-Germain empfängt, hat die Partie gegen seine Landesleute für Enzo Millot „eine riesige Bedeutung“. Doch bei aller Liebe zum PSG will der Franzose mit dem VfB die Zwischenrunde der Champions League unbedingt erreichen.
Wie Enzo Millot genau aussieht, das hat sich offenbar noch nicht bis zu jedem Fußballkenner aus der Grande Nation herumgesprochen. Der Vertreter des französischen Fernsehens jedenfalls, der fragt an der Bande des Schlienzstadions sicherheitshalber mal nach: Ja, der Spieler mit den weißen Schuhen und den orangefarbenen Schnürsenkeln, das ist Enzo Millot, der Kapitän der U21-Nationalelf Frankreichs.
Prompt weist der Reporter seinen Kameramann an, beim Abschlusstraining am Tag vor dem mit Hochspannung erwarteten Heimspiel des VfB gegen den französischen Meister Paris Saint-Germain diverse Nahaufnahmen vom Mittelfeldspieler der Stuttgarter zu machen.
„Die Stadt wird brummen, das Stadion wird explodieren“, sagt der VfB-Cheftrainer Sebastian Hoeneß vor dem großen Showdown gegen den PSG, in dem Millot eine zentrale Rolle zukommen soll. Einer Partie mit Endspielcharakter, in der es an diesem Mittwoch (21 Uhr) in der MHP-Arena zum Abschluss der Ligaphase der Champions League um das Erreichen der K.o.-Spiele der Zwischenrunde geht.
„Für mich hat das Spiel eine riesige Bedeutung. Es geht nicht darum, dass der PSG seit der Kindheit mein Lieblingsclub ist und ich viele Spieler persönlich kenne“, sagt Millot, als er nach dem Training auf dem Pressepodium sitzt: „Unser gemeinsames, ultimatives Ziel ist es, dem Verein, den Fans, unseren Familien und auch uns selbst mit dem Weiterkommen eine enorme Freude zu bereiten.“
Klar ist, dass Millot, der in Lucé 100 Kilometer westlich von Paris geboren wurde, gegen seine Landsleute in der VfB-Startelf stehen wird. „Er ist ein sehr wichtiger Faktor in unserem Spiel. Weil er immer in der Lage ist, besondere Momente zu kreieren“, lobt der Trainer Hoeneß den 22-Jährigen, der am Samstag beim Bundesligaspiel in Mainz (0:2) gelbgesperrt war – und der daher gut erholt ist.
Gegen das Starteam des PSG von Trainer Luis Enrique um den Torhüter Gianluigi Donnarumma, den Ex-Dortmunder Ousmane Dembélé und den Kapitän Marquinhos ist die Konstellation in der Tabelle klar: Ein Unentschieden würde beiden Teams zum Weiterkommen reichen. Verliert der VfB, könnten Manchester City (gegen den FC Brügge) oder Dinamo Zagreb (gegen den AC Mailand) mit einem Dreier sowie mit einem Kantersieg auch Schachtjor Donezk (in Dortmund) an der Hoeneß-Elf vorbeiziehen. Dann wäre der Traum von weiteren Spielen auf internationalem Parkett für den deutschen Vizemeister ausgeträumt.
Millot zieht in der Offensive die Fäden
„Ich werde dem VfB Zeit meines Lebens dankbar sein, dass er mir den Traum von der Champions League erfüllt hat“, sagt Millot, der in dieser Spielzeit sofort das Niveau der glorreichen Vorsaison erreicht hatte. Acht Tore und fünf Vorlagen in den 26 Pflichtspielen des Vorjahres standen für den zweifachen Familienvater an Silvester zu Buche. Im neuen Jahre ist der Mittelfeldspieler trotz der aktuellen Erfolgswelle des VfB mit vier Siegen aus fünf Pflichtspielen zwar noch ohne Scorerpunkt. Dennoch ist er als kreativer, offensiver Geist für das Team von herausragender Bedeutung.
Längst ist es daher kein Geheimnis mehr, dass der trickreiche Spieler, den der damalige Sportdirektor Sven Mislintat im Jahr 2021 als 19-Jährigen von der AS Monaco an den Neckar lotste, seine fußballerische Zukunft fernab der Bundesliga und womöglich in der heimischen Ligue 1 sieht. Nicht gleich morgen – aber vielleicht schon im Sommer.
Während der Ära des Frankreich-affinen Mislintat hat der VfB viele aufstrebende Spieler aus dem Nachbarland geholt. Doch während Naouirou Ahamada bei Stade Rennes oder Tanguy Coulibaly bei HSC Montpellier bisher nicht den Sprung zur Stammkraft schafften und andere wie Momo Cissé gar vereinslos sind, hat sich Enzo Millot zum aktuell wertvollsten Spieler im Kader der Cannstatter gemausert.
Beim VfB besitzt Millot noch einen Vertrag bis 2028, allerdings mit einer Ausstiegsklausel. Für rund 19 Millionen Euro kann der VfB-Profi, der inzwischen 42 Millionen Euro wert ist, die Stuttgarter verlassen. Dass dies zeitnah passieren könnte, hat auch der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth auf dem Zettel.
„Ich bin keinem der starken Vereine in den großen Ligen gegenüber verschlossen“, das hat der Spieler bereits gegenüber dem französischen Magazin „Free Foot“ hinterlegt. „Was im Sommer kommt, das weiß ich nicht. Man sollte im Fußball niemals nie sagen“, ergänzte Millot am Jahresende im Gespräch mit unserer Redaktion.
Zunächst aber zählt für Millot nur die aktuelle Saison. Gegen den PSG will der junge Franzose groß aufspielen. Schließlich schaut auch die Heimat zu. „Wir müssen präsent und wachsam sein“, sagt Millot: „Die richtige Mentalität ist der Schlüssel zum Erfolg.“