Die Stuttgarter haben nach der Pleite beim FC Bayern nun bei Juventus Turin die richtige Reaktion gezeigt, meint unser Sportredakteur Carlos Ubina. Gerade aufgrund der vielen Widerstände, die das Team im Spiel überwinden musste.
Die Spieler des VfB Stuttgart wollten die Stätte des Triumphs gar nicht mehr verlassen. Das Allianz-Stadion in Turin, 22. Oktober 2024, 23 Uhr. Die Mannschaft feierte völlig euphorisiert den sensationellen Erfolg gegen Juventus in der Champions League – ein Sieg, der ein Statement darstellt. Der Bundesligist war der Alten Dame des italienischen Fußballs überlegen, zeigte nach dem 0:4 beim FC Bayern drei Tage zuvor die richtige Reaktion und lieferte am Ende ein sehr deutliches 1:0.
Das klingt widersprüchlich, aber nur das Ergebnis an sich war knapp. Ansonsten überzeugte der VfB restlos in einer Begegnung, der ab sofort nicht nur ein Zauber innewohnt, sondern die ebenso über eine kleine historische Dimension verfügt. Der zuvor letzte Sieg der Stuttgarter in der Königsklasse stammt vom Dezember 2009, 3:1 hieß es gegen den FC Unirea Urcizeni.
Damals waren das erwartbare drei Punkte gegen die Rumänen, diesmal ist es ein Überraschungscoup, der dem Team von Trainer Sebastian Hoeneß gelungen ist. Trotz des verschossenen Foulelfmeters von Enzo Millot in der Schlussphase, trotz eines aberkannten Treffers von Deniz Undav, trotz vieler vergebener Torchancen – der VfB hat sich nicht beirren lassen und alle Widerstände überwunden.
El Bilal Touré war schließlich der entscheidende Mann mit seinem Tor in der Nachspielzeit. Ein Volltreffer, der dem VfB die alte Sicherheit in der noch jungen Saison geben kann. Denn zuletzt fehlte der Elf immer wieder ein Tick zum vollen Leistungsvermögen. Jetzt hat der Vizemeister demonstriert, welches Potenzial weiter in ihm steckt. Vor allem spielerisch. Damit ist ein Maßstab gesetzt, der im Grunde gar kein Maßstab sein darf – aber daran orientieren können sich die Stuttgarter schon. Doch nach dem weiß-roten Feiertag in Turin wartet nun der Alltag. Holstein Kiel am Samstag – das ist die Pflichtaufgabe, die vor den VfB-Spielern steht.