Technisch stark: Wooyeong Jeong vom VfB Stuttgart Foto: Baumann/Julia Rahn

Mit den Zugängen Wooyeong Jeong und Jamie Leweling erhält der VfB neue Elemente für sein Angriffsspiel. Doch dafür müssen einige Profis Platz machen im Kader der Stuttgarter.

Es muss schnell gehen. Vier, fünf Sekunden sind es, die nach einer Balleroberung genutzt werden sollen, um die Wahrscheinlichkeit auf einen Treffer zu erhöhen. Den Moment der Unordnung beim Gegner gilt es zu erwischen. Darum geht es beim Umschalten nach vorne. Das sind schon lange die Zeichen der Zeit im Bundesliga-Fußball, und Sebastian Hoeneß ist dabei, den VfB Stuttgart nicht nur darauf zu trimmen, spielerische Lösungen in Ballbesitz zu finden, sondern ebenso rasend schnell über die Flügel zuzuschlagen.

 

Angriffe wie Überfälle sind das. Zwei, drei Sprints in die Tiefe, dazu die richtigen Pässe – und schon ist man vor dem Tor. In der Theorie. Praktisch ist der VfB dabei, neue Offensivspieler in die Mannschaft zu integrieren. Nicht, weil es den Stuttgartern an Tempo mangelte. Nein, vor den rasenden VfB-Profis zeigten in der Vergangenheit genug Trainer Respekt. Nur: Den weiß-roten Aktionen fehlte es an Zielstrebigkeit.

Das sagt der Trainer über die Neuen

Mit Wooyeong Jeong und Jamie Leweling soll sich das ändern. Numerisch gleichen sie zwar zunächst die Abgänge von Tiago Tomas und Tanguy Coulibaly aus, aber ihre Stärken unterscheiden sich etwas. Sowohl Jeong als auch Leweling sind variabel einsetzbar – wie Tomas und Coulibaly. Sie sind aber auch laufstark und mannschaftsdienlich. Hoeneß spricht deshalb nicht gerne über die Positionen, die die Verpflichtungen aus Freiburg und Berlin einnehmen können, sondern über ihre Profile. Jeong ist ein agiler Spielertyp. Ihn kennt er aus der gemeinsamen Zeit in der Nachwuchsabteilung des FC Bayern München. Da weiß der Trainer, was er bekommt. Technisch stark kann sich Jeong in engen Räumen bewegen. Über Tempo verfügt der Südkoreaner ebenfalls. „Er war fleißig und hat es ordentlich gemacht“, so der Trainer über Jeongs Debüt beim 4:0-Testspielsieg in Reutlingen. „Nur die letzte Effektivität im Abschluss hat ihm etwas gefehlt.“

Ein Manko, das Jeong begleitet. Dafür war Leweling im Stadion an der Kreuzeiche gleich zur Stelle, als Vorbereiter. „Er braucht nicht lange und hat einen guten ersten Eindruck hinterlassen“, sagt der Coach über die Leihgabe von Union. Bei den Eisernen kam der 22-Jährige ausschließlich als Einwechselspieler zum Zug, beim VfB hofft er auf einen Stammplatz. Mit seiner Athletik und seiner Wucht bringt Leweling Elemente ein, die Hoeneß im Kader bisher vermisste. Ähnlich wie Mohamed Sankoh – ein bulliger Stürmertyp, der den Abschluss sucht. Sowohl Leweling als auch Sankoh sind aufgrund ihrer Schnelligkeit jedoch nicht nur zentral, sondern ebenso auf den Flügeln eine Option. Wie in Reutlingen zu sehen war und was während des Trainingslagers in Österreich verfeinert werden soll.

Am Montag reiste die Mannschaft an. 26 Spieler saßen im Bus, und auf dem Platz in Neukirchen am Großvenediger wird ein ziemliches Gedränge auf den Außenpositionen herrschen.

Die Streichliste zeichnet sich ab

Da es zu den Neuen ja noch Silas Katompa und Chris Führich gibt. Zwei Dribbler – der eine, der mit seinen langen Beinen viel Wiese vor sich braucht, und der andere, der gerne enge Kurven zieht. Dazu kommen weiter Juan Perea und Gil Dias, zwei Solisten. Beide spielten bisher unter Hoeneß keine Rolle, und beiden würde man keine Steine in den Weg legen, wenn sie Wechselabsichten äußern.

Dias ist nun wie Wahid Faghir und Momo Cissé (offiziell noch im Urlaub) aus der Angriffsabteilung gar nicht dabei am Wildkogel. Aufgrund der fehlenden Perspektive, wenngleich Hoeneß betont, dass er während der Vorbereitung keinen Spieler abschreibt. Der von seiner Leihe zurückgekehrte Roberto Massimo erhält so eine Chance. Doch der aktuell mehr als 30 Mann umfassende Kader wird verschlankt. Und das Trainingslager dient jetzt auch dazu, sich ein umfassendes Bild zu machen, um zu entscheiden, wer bleiben und wer gehen soll.

„Wir werden Kompromisse machen, wenn es darum geht zu entscheiden, was zu uns passt auf der einen Seite und wofür es einen Markt gibt auf der anderen Seite. Das führt am Ende auch zu Härteentscheidungen“, sagt Sportdirektor Fabian Wohlgemuth über die Personalsituation.

14 Spieler umfasst die Liste der Offensivkräfte noch – mit einigen nominellen Mittelstürmern und einer ganzen Reihe von Flügelflitzern. Im Zentrum steht dabei nach wie vor Serhou Guirassy, der nach seinen Länderspieleinsätzen nun wieder in den Trainingsbetrieb einsteigt. Um ihn herum soll der VfB einen neuen Angriffswirbel auslösen. Mit Attacken über die Außen und mit ständigen Positionswechseln. Das ist der Plan, um schnell mehr Tore zu erzielen.