Hängende Köpfe: VfB-Cheftrainer Bruno Labbadia (Mi.) empfiehlt nach der 0:2-Pleite gegen Werder Bremen, die Ruhe zu bewahren. Eine der wenigen guten VfB-Chancen: VfB-Profi Chris Führich scheitert an Foto: Pressefoto Baumann

Die Wende zum Besseren ist nicht in Sicht: Der VfB Stuttgart verliert gegen Werder Bremen mit 0:2, fällt auf Relegationsrang 16 zurück und zeigt nach einem guten Start eine richtig schwache zweite Hälfte. Eine Analyse.

Die Fans pfiffen sich erst den Frust von der Seele, dann riefen sie in voller Lautstärke: „Aufwachen! Aufwachen!“ Vor ihnen standen die VfB-Profis im Regen, ließen die Köpfe hängen. Die Lage beim VfB Stuttgart wird nach dem 0:2 gegen Werder Bremen immer prekärer – zumal der Trainerwechsel in der Winterpause bisher ohne große Wirkung geblieben ist.

 

Nur zwei Punkte in vier Spielen gab es unter Bruno Labbadia, das Team fiel auf Relegationsrang 16 zurück. Die Wende zum Besseren? Ist nicht in Sicht! Zwei Treffer von Jens Stage (59.) und Marvin Ducksch (77.) besiegelten die Niederlage des nach der Pause erschreckend harm- und und hilflosen VfB. „Wir sind enttäuscht, uns fehlt es an Präzision“, sagte Bruno Labbadia, „das war eine richtig bittere Niederlage. Es ist jetzt wichtig, die Ruhe zu bewahren.“

Bruno Labbadia unter der VfB: Der Druck wächst

Nicht immer ist es ein Vorteil, über die Ergebnisse der Konkurrenz Bescheid zu wissen: Heimsiege für den FC Augsburg und den VfL Bochum, ein Punkt für den FC Schalke 04 – der Druck auf den VfB war enorm. Und Labbadia wusste vor dem Anpfiff, was zählt. „Wir müssen“, sagte der Coach, „eine Top-Leistung abrufen.“ Seine Spieler hatten offenbar zugehört. Denn der VfB, bei dem Neuzugang Genki Haraguchi in der Startelf stand, legte furios los.

Hohes Tempo, großer Einsatz, spielerische Dominanz – Werder Bremen zeigte sich beeindruckt. Doch Serhou Guirassy (3.), Chris Führich (6.), erneut Guirassy nach einem kapitalen Fehler von Gäste-Keeper Jiri Pavlenka (9.) und noch einmal Führich (10.) scheiterten bei den ersten vier Torschüssen. Die Führung wäre nicht nur möglich und verdient gewesen, sondern auch ziemlich hilfreich. Denn den 47 500 Zuschauern war klar: In dieser vollen Fahrt kann es nicht weitergehen. Allerdings nahm der VfB danach den Fuß viel zu sehr vom Gas.

Auf die Verletzung von Serhou Guirassy folgt der Bruch

Werder Bremen, bis dahin nicht aus der eigenen Hälfte gekommen, schaltete einen Gang nach oben – und gab die Richtung vor. Erschwerend hinzu kam, dass Serhou Guirassy nach 25 Minuten angeschlagen raus musste. Der torgefährliche Stürmer, der auch Bälle sichern und damit Angriffe einleiten kann, fehlte sichtlich. Das fand auch Bruno Labbadia: „Besser kann man nicht in ein Spiel kommen. Doch durch diese Verletzung kam es zu einem Bruch.“ Dafür hatte der VfB in zwei anderen Szenen ziemliches Glück.

Nationalstürmer Niclas Füllkrug (13 Saisontore) hatte Werder in dieser Saison schon sechs Mal 1:0 in Führung gebracht, diesmal traf er per Kopf (35.). Doch Schiedsrichter Frank Willenborg gab den Treffer nicht – weil Füllkrug („Das muss man nicht pfeifen“) Innenverteidiger Hiroki Ito leicht weggeschubst hatte. Kurz darauf folgte ein Aussetzer von Nikolas Nartey. Nach einem Eckball des VfB klärte die Werder-Abwehr hoch und weit, Nartey stand als Absicherung zehn Meter vor der Mittellinie und ließ sich naiv den Ball abluchsen. Niklas Schmidt lief alleine auf Florian Müller zu, wurde erst von Top-Sprinter Chris Führich gestellt und dann von Nartey, der dafür die Gelbe Karte sah, Zentimeter vor der Strafraumgrenze abgeräumt. Den Freistoß setzte Marvin Ducksch knapp neben den Pfosten. Das Aufatmen war zu spüren.

Atakan Karazor zeigt Schwächen im Zweikampf

Kurz vor der Pause war wieder der VfB dran. Doch Führich scheiterte an Pavlenka, dann vergab Pfeiffer eine sehr gute Kopfball-Chance. Labbadia ärgerte sich („Da müssen wir in Führung gehen“), zugleich machten die Szenen Hoffnung für die zweite Hälfte – doch es folgte die komplette Enttäuschung.

Werder Bremen musste nicht viel machen, keine großartige Leistung zeigen, nicht überragend spielen. Sondern nur die Fehler des VfB ausnutzen. Zweimal zeigte Atakan Karazor bei weiten Bällen gegen Niclas Füllkrug große Schwächen im Luftzweikampf, zweimal sah danach Konstantinos Mavropanos unglücklich aus – Jens Stage und Marvin Ducksch nahmen dankend an und versenkten ihre Fernschüsse sehenswert. Das waren Rückschläge, aber keine Erklärungen für die Vorstellung des VfB, der es auch im 31. Heimspiel nacheinander nicht schaffte, ohne Gegentor zu bleiben.

Deutliche Kritik von Waldemar Anton

Anstatt sich nun aufzubäumen, gegen die Niederlage zu wehren und alles nach vorne zu werfen, war beim VfB kein Aufbäumen zu sehen. Den Gastgebern fehlte es an Kreativität und dem Willen, das Spiel in der Schlussphase noch zu drehen. Es gab keine zwingenden Aktionen, keine überraschenden Momente, keine Torchancen. Am Ende standen die VfB-Profis im Regen wie begossene Pudel. „Wir haben die entscheidenden Zweikämpfe verloren“, sagte Verteidiger Waldemar Anton, „und wir hätten noch mal 90 Minuten spielen können, ohne ein Tor zu schießen.“ Es wird Zeit, endlich aufzuwachen.