VfB-Trainer Bruno Labbadia ist die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Keine Entschlossenheit, keine Durchschlagskraft, keine Torgefahr: Der VfB Stuttgart enttäuscht gegen den VfL Wolfsburg und geht als Schlusslicht in die Länderspielpause. Sportdirektor Fabian Wohlgemuth stützt den Coach.

Bruno Labbadia blieb nach dem Schlusspfiff wie angewurzelt an der Seitenlinie stehen. Dann bewegte er sich in Richtung Mittellinie und schließlich begab er sich gemeinsam mit seiner niedergeschlagenen Mannschaft in Richtung Cannstatter Kurve. Ein gellendes Pfeifkonzert, in das sich wütende „Aufwachen, aufwachen“-Rufe“ mischten, empfingen das Team.

 

Der Tiefpunkt ist erreicht. Dokumentiert durch die Tabelle. Nach dem 0:1 (0:0) gegen den VfL Wolfsburg ist der VfB Stuttgart in der Fußball-Bundesliga auf den letzten Platz abgerutscht. Es zeigen sich Risse in der Beziehung zwischen Mannschaft und Anhang. Was kein Wunder ist, wie VfB-Torhüter Fabian Bredlow einräumen musste. „Das war heute viel zu wenig, wir haben alle gemeinsam kein gutes Spiel gemacht“, sagte er, „da verstehe ich die Enttäuschung der Fans.“

Konkurrenz punktet

Die TSG 1899 Hoffenheim (3:1 gegen Hertha BSC) und der VfL Bochum (1:0 gegen RB Leipzig), die Konkurrenz im Keller, gab eindrucksvolle Lebenszeichen von sich. Genauso wie der FC Schalke 04, dem in der Nachspielzeit der 1:1-Ausgleich beim FC Augsburg gelang.

Und der VfB? Der präsentierte sich gegen das Team von Trainer Niko Kovac vor den 44 900 Zuschauern in der Mercedes-Benz-Arena über weite Strecken des Spiels erschreckend harmlos. Für eine Mannschaft, die ums nackte Überleben kämpft, war das zu wenig. Viel zu wenig. Vor allem in der Offensive fehlte jegliche Durchschlagskraft.

Erst in den letzten 20 Minuten wachte die Mannschaft auf, ohne klare Tormöglichkeiten herauszuspielen. So blieb es am Ende beim 1:0 durch das Tor des ehemaligen VfB-Stürmers Omar Marmoush in der 56. Minute, der offenbar vor einem Wechsel zu Ligarivale Eintracht Frankfurt steht.

„Taktisch nicht gut verhalten“

„Wir hatten in der ersten Halbzeit keinen Zugriff. Wir wollten Wolfsburg unter Druck setzen. Das ist uns nicht gelungen. Da haben wir uns taktisch nicht gut verhalten“, sagte Labbadia. „Erst nach den Spielerwechseln nach gut einer Stunde haben wir den Zugriff bekommen, den wir von Anfang an wollten.“ Das Problem: Der VfB spielte nichts Zwingendes heraus, weil die letzte Entschlossenheit fehlte.

Wie es jetzt weitergeht nach der Übernahme der Roten Laterne? „Die Tabellensituation ist natürlich nicht schön, das kommt zur Niederlage noch erschwerend hinzu. Jetzt kommt die Länderspielpause und von uns sind acht, neun Spieler weg, das ist für die Vorbereitung alles andere als optimal.“

Ein Sieg in zehn Spielen

Seit Labbadia das Traineramt beim VfB übernommen hat, gab es in zehn Bundesligaspielen nur einen Sieg gegen den 1. FC Köln. Eine deprimierende Bilanz. Wackelt sein Stuhl? Macht er sich Sorgen um seinen Job? „Um meinen Job mache ich mir wenig Gedanken im Moment“, beantwortete der 57-Jährige diese Frage kurz und knapp.

Überhaupt würde sich im Fall der Fälle die Frage stellen, welchen Trainertyp der VfB in dieser prekären Lage überhaupt holen würde, nachdem Labbadia eigentlich als der typische Feuerwehrmann gilt. Sportdirektor Fabian Wohlgemuth stellte jedenfalls unmissverständlich klar: „Der Trainer steht nicht zur Debatte.“

Sogar Josha Vagnoman nahm den glücklosen Coach in Schutz. Der 22-Jährige war am Freitag von Bundestrainer Hansi Flick in das Aufgebot für die Länderspiele gegen Peru und Belgien berufen worden, hat beim VfB aber derzeit seinen Stammplatz an Waldemar Anton verloren und wurde gegen Wolfsburg erst in der 62. Minute eingewechselt. „Alle geben Gas, jeder zieht mit. Bruno ist ein super Typ, der seine Arbeit ganz gut macht. Dass ich nicht von Anfang an spiele, nehme ich professionell. Damit muss ich leben.“

Test gegen 1. FC Heidenheim

Für den VfB geht es nun mit einem Testspiel an kommenden Freitag (14 Uhr/Schlienzstadion) gegen den Zweitligisten 1. FC Heidenheim weiter. Dann folgen drei Pflichtspiel-Auswärtsspiele hintereinander: In der Bundesliga am 1. April beim FC Union Berlin und am 9. April beim VfL Bochum, im DFB-Pokal am 5. April beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg.

Was Mut macht? Eigentlich nur die Aussage von Wolfsburgs Kapitän Maximilian Arnold: „Nach 25 Spieltagen ist die Tabelle noch nicht in Stein gemeißelt.“