Nach dem 1:5 bei Roter Stern Belgrad regierte beim VfB Stuttgart der Frust. Wird gegen Werder Bremen nun alles besser? Der Trainer Sebastian Hoeneß legt vor dem Auswärtsspiel einen klaren Fokus.
Ja, sicher, es sei kein leichter Tag gewesen, gab Sebastian Hoeneß am Freitagmorgen offen zu – und meinte den Donnerstag nach dem 1:5 des VfB Stuttgart in der Champions League bei Roter Stern Belgrad. Diese deutliche und bittere Pleite „hing noch in den Klamotten“, sagte der Trainer der Stuttgarter und erzählte von der Aufarbeitung, von Gesprächen und der Regeneration. Aber auch davon, was in seinem Fall die beste Art der Frustbewältigung sei: Die Vorbereitung auf das nächste Spiel.
Da kann man ja noch so sehr klagen über die Belastungen der drei Wettbewerbe, in denen der VfB in dieser Saison spielt. Sie haben – neben der Einnahmeseite – aber auch sportlich ihr Gutes. Gerade nach solchen Rückschlägen wie in Belgrad. „Es ist eine schöne Situation, dass wir gleich die Möglichkeit haben, die Dinge zu korrigieren“, sagte Hoeneß. An diesem Samstag (15.30 Uhr/Liveticker) tritt er mit seinem Team beim SV Werder Bremen an – und zu korrigieren gibt es jede Menge nach diesem Systemabsturz von Belgrad.
Der hat Fragen nach der Qualität der von Ausfällen geplagten Mannschaft aufgeworfen, nährte Zweifel, ob die Ziele erreicht werden können – der Coach allerdings wird auch nach diesem 1:5 nicht müde zu betonen, dass seine Mannschaft im Großen und Ganzen gut dastehe. Nicht gemessen an der herausragenden Saison 2023/2024, aber an den aktuellen Ansprüchen dieser Spielzeit.
Deshalb akzeptiert Sebastian Hoeneß zwar die Kritik am Auftritt vom vergangenen Mittwoch, will sie aber nicht grundsätzlich verstanden wissen. „Wir müssen aufpassen“, sagte er am Freitag, „dass wir das nicht zu groß werden lassen.“ Denn: „Wir haben in dieser Saison schon gezeigt, dass wir es besser können.“ Aber eben nicht in dieser Regelmäßigkeit des vergangenen Jahres.
Nach den Abgängen im Sommer und den aktuellen Verletzungssorgen (Deniz Undav, Dan-Axel Zagadou, El Bilal Touré und Jamie Leweling fehlen weiterhin, Justin Diehl ist krank) sei es derzeit „anspruchsvoll, diese Konstanz zu zeigen“, meinte Hoeneß – und wendet nun ein Mittel an, dass oft genutzt wird, wenn eine Mannschaft die letzte Selbstsicherheit fehlt. Der Coach lenkt den Fokus auf eine gute Defensivarbeit.
Nach fünf Gegentoren ist das kein Wunder, Hoeneß allerdings betonte, die Tüftelei an defensiver Stabilität sei „nicht erst seit gestern das zentrale Thema“ der Trainingsarbeit. Und vor allem: Sie ist nicht allein Sache der letzten Reihe, die am Mittwoch aus Pascal Stenzel, Anthony Rouault, Jeff Chabot und Maximilian Mittelstädt bestand. „Es fängt“, sagte der Coach, „weiter vorne an.“ Meist mit einem Ballverlust. Und nach einem solchen „lassen wir zu leicht Chancen zu“. Zudem ist der VfB anfällig für hoch gefährliche Konter.
Für den Cheftrainer der Stuttgarter beginnt die Defensivarbeit daher schon während des eigenen Ballbesitzes. Hier fordert er von seiner Mannschaft nun eine bessere „Struktur“, damit diese wieder hergestellt werden kann, will er sogar einen kleinen Teil der offensiven Ausrichtung opfern. Womöglich müssten seine Spieler in den kommenden Partien „den Offensivgedanken etwas später starten“, sagte Hoeneß und belegte auch per Beispiel, was er damit meinte.
Beim 1:1 in Belgrad durch Silas Katompa verlor zwar Enzo Millot in der Mittelfeldzentrale den Ball. Weil sich der Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt in diesem Moment aber schon auf dem Weg in die gegnerische Hälfte befand, konnte der Nationalspieler dem Kollegen Jeff Chabot nicht mehr helfen, den heranstürmenden Angreifer zu verteidigen. Aus dem Schneider ist der Innenverteidiger damit aber nicht in der Schuldfrage der Gegentore.
Auch von den gelernten Defensivspezialisten fordert Hoeneß mehr. Sie müssten daran arbeiten, „individuell Dinge wegzuverteidigen“. Die Offensivspieler sollen derweil ihr Verhalten im Pressing verfeinern. Alle Maßnahmen zusammengenommen machen das Defensivspiel dann „zu einer Mannschaftsaufgabe“. Was dem Trainer dabei Hoffnung macht, ist die Fähigkeit zur Selbstkritik seines Teams.
Nach dem 1:5 gegen Roter Stern sei es in der Kabine „mucksmäuschenstill“ gewesen, erzählte Hoeneß noch vom Mittwochabend. In den Gesprächen am Donnerstag habe dann auch keiner nach Alibis gesucht, auch er selbst räumte ein, dass etwa die Idee, mit Pascal Stenzel hinten rechts zu starten, nicht zum gewünschten Ergebnis geführt habe. Zwar habe es Gründe für dessen Startelfeinsatz gegeben, danach habe er aber „wenig Argumente“ für die Maßnahme gehabt.
In Bremen wird dann wohl Leonidas Stergiou oder Josha Vagnoman diese Position bekleiden, aber bevor der Coach die individuellen Rollen verteilt, geht es ihm um Grundsätzlicheres: „Die Basics zeigen, mehr investieren, durchsetzungsfähig sein.“ Damit nicht auch am Sonntag der Frust die VfB-Emotionen bestimmt.