Die Nationalspieler erreichen bislang nicht ihre Topform. Auch die Alternativen Jacob Bruun Larsen und Fabian Rieder haben nur punktuell überzeugt. Doch es wird Zeit für frischen Schwung über die Außenbahnen.
Chris Führich ist ja ein durchaus stolzer und ehrgeiziger Spieler. Viele Hindernisse musste der Flügelflitzer auf seinem Karriereweg umkurven und noch mehr Haken und Flanken schlagen, ehe er es zur Stammkraft beim VfB Stuttgart und zum EM-Teilnehmer mit der Nationalmannschaft in der vergangenen Saison gebracht hat. Weil der 27-Jährige auf der linken Seite den Unterschied ausmachte – mit seinen Dribblings und Drehungen, mit seinen Finten und seiner fußballerischen Finesse.
Seit Monaten läuft es jedoch anders für Führich. Holpriger. Es fehlt die Konstanz und Besonderheit des Vorjahres, weshalb der anfängliche charakterliche Hinweis mehr als eine Randbemerkung darstellt. Führich brennt auf seine Einsätze, er kann sich jedoch einfach nicht mehr sicher sein, dass er in den wichtigen VfB-Begegnungen zur Startelf zählt – und das macht ihm natürlich zu schaffen.
Die Leistungsunterschiede in der Statistik
Wie es an diesem Sonntag (15.30 Uhr) im Heimspiel gegen Werder Bremen für Führich aussieht, bleibt abzuwarten. Der Trainer Sebastian Hoeneß mag sich nicht festlegen. Frischen Schwung könnten die Stuttgarter allerdings gebrauchen. Doch zuletzt schien häufig ein anderer blonder Mann mit der Rückennummer 27 die Seite entlang zu rennen als der Original-Führich. Er ist zwar mit dem Ball am Fuß wie das Vorjahresmodell angetreten, aber dann hat er plötzlich abgedreht und das Spielgerät quer oder zurück gepasst.
Die Statistik belegt die Leistungsunterschiede. Im Jahr der schönen Vizemeisterschaft kam Führich in 34 Ligapartien auf acht Treffer und sieben Torvorlagen. Der Einfluss auf das Stuttgarter Spiel war groß, hauptsächlich in Kombination mit Maximilian Mittelstädt hinter ihm als Außenverteidiger. Jetzt sind es in bislang 27 Einsätzen ein Treffer und drei Torvorlagen – deutlich weniger als er zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Spielzeit auswies (sieben/sieben).
Klar, die Vergleiche mit der Sensationssaison 2023/2024 wirken immer etwas ungerecht, aber sie setzen dennoch einen Maßstab, was möglich ist. „Bei Chris Führich darf man nicht vergessen, dass er oft den wichtigen Assist vor der Torvorlage liefert – wie zuletzt beim Sieg in Bochum. Diesbezüglich steht er in der Statistik weit vorne“, sagt Hoeneß.
Doch bei den auftretenden Schwankungen und Belastungen auf den Flügeln denkt ein Trainer über Alternativen nach, zumal der VfB über ausreichend Außenspieler im Kader verfügt. Nur: die Auswahl dient der Breite, nicht der Spitze. Es mangelt an einem Spieler, der mit seinem Tempo und seinen Tricks die Gegner ins Rotieren bringt – oder sie mit seiner Schnelligkeit und seiner Wucht einfach hinter sich lässt. Zumal sich auf der anderen Seite Ähnliches abspielt.
So schätzt Sebastian Hoeneß die Spieler ein
Jamie Leweling erreicht bislang nicht seine starke Herbst-Form, die ihn in die Nationalelf katapultiert hat. Seine Zahlen sahen ebenfalls schon besser aus. Auf vier Treffer und sechs Torvorlagen kam der Nationalspieler in den 34 Ligaspielen der Vorsaison, vor allem während der Rückrunde drehte er auf. Zurzeit steht der 24-Jährige nach einer mehrwöchigen Verletzungspause im vergangenen November und Dezember bei zwei Toren und drei Assists in 22 Einsätzen. „Er ist auch häufig in Defensivaufgaben eingebunden gewesen“, sagt Hoeneß über den muskelbepackten Sprinter auf der Außenbahn.
Grundsätzlich bewertet der Chefcoach die VfB-Profis ohnehin über einen längeren Zeitraum. „Für Chris Führich und Jamie Leweling gilt, wie für viele andere im Team, dass sie im Vorjahr wohl die beste Saison ihrer jeweiligen Karriere gespielt haben. Verglichen mit dem Jahr da davor, sehe ich die Spieler auf einem guten Niveau“, sagt Hoeneß. Denn die Leichtigkeit bei steigendem Erwartungsdruck zu behalten, ist schwer.
Doch es ist Zeit, den Turbo einzuschalten, da es in den Saisonendspurt geht. Das betrifft nicht nur die prominenten Nationalstürmer Führich und Leweling. Verstärkt hat sich der VfB in der Winterpause mit Jacob Bruun Larsen. Der Anfangselan des Dänen (zehn Einsätze/ein Tor/eine Vorlage) scheint aber verflogen. Mehr als eine Ergänzung stellt der Ex-Hoffenheimer (zwei Treffer und zwei Torvorlagen in zwölf Teileinsätzen) aktuell nicht mehr da. „Er hat sehr gut begonnen und wurde dann auch durch eine Erkältung zurückgeworfen. Seitdem ist er nicht mehr auf dem Level von davor“, sagt Hoeneß. Ähnlich wie Fabian Rieder (19 Einsätze/ein Treffer/vier Torvorlagen) kämpft er um Einsatzzeit, die Leihgabe aus der Schweiz zudem noch um einen Anschlussvertrag. Und den talentierten Justin Diehl (sechs Einsätze/ein Tor) bremsen Verletzungen aus.
Wer verleiht dem VfB-Spiel also noch einmal Flügel? Eventuell Enzo Millot, der auch schon auf den Außenpositionen vorbeigeschaut hat, um von dort seine Glanzmomente zu starten. Den Franzosen zieht es jedoch gerne nach innen. Da sieht er sich und seine Technik besser aufgehoben. Zuletzt musste aber auch er Nick Woltemade weichen, dem neuen Zielspieler im Zentrum. Doch es kann beim VfB nicht immer ab durch die Mitte gehen. Für die Umfahrungen in den gegnerischen Strafraum braucht es den filigranen Führich und den kräftigen Leweling.