Der VfB-Stürmer Justin Diehl möchte nach seinem ersten Bundesligator am liebsten abheben. Foto: Baumann

Die beiden VfB-Profis Chris Führich und Justin Diehl verbindet nicht nur der jeweilige Torerfolg gegen den VfL Bochum. Es herrscht eine besondere Beziehung vor.

So sieht also ein Originaltor des VfB Stuttgart aus. Von vorne bis hinten ausgetüftelt, von hinten bis vorne durchkombiniert. Entworfen vom Chefdesigner an der Taktiktafel, planvoll umgesetzt von einer Reihe von Spielern. Ausgehend vom Torhüter Alexander Nübel und abgeschlossen von Stürmer Justin Diehl. Wer sich also ein Bild machen will, wie Fußball à la VfB aussieht, braucht sich nur den Treffer zum 2:0-Endstand gegen den VfL Bochum anzuschauen. Schnell, präzise, erfolgreich – spanisches Tiki-Taka auf die schwäbische Art.

 

In den Worten des Trainers Sebastian Hoeneß klingt das dann hinterher so: „Der Alex findet den Medo, der im Zusammenspiel mit Fabi den Bochumer Innenverteidiger rausgezogen hat. Justin nimmt einen super Laufweg in die Tiefe und entscheidet nach Fabis super Pass das Spiel für uns.“ Vier Stationen, die noch Ermedin Demirovic und Fabian Rieder in den perfekten Lauf der Kugel einschließen – und weshalb Hoeneß sich per Zeichen erst einmal beim Ausgangspunkt des Angriffs bedankte: Nübel.

Große Dankbarkeit

Für den eingewechselten Diehl ergab der Spielzug schließlich „ein unfassbares Gefühl“. Sein erstes Bundesligator. Nach seinem Wechsel von Köln nach Stuttgart, nach einer starken Vorbereitung, nach einer Schulterverletzung, die ihn wochenlang ausbremste. Jetzt zündete der 19-Jährige wieder den Turbo und rang nach dem Abpfiff um die richtigen Worte. „Ich bin dankbar für die Chance und konnte dem Trainer zeigen, dass ich noch da bin“, sagt der Joker.

Und wie, möchte man sagen, da Diehl bereits vor der Länderspielpause nach seiner Einwechslung gegen Eintracht Frankfurt (2:3) frischen Schwung brachte. „Er ist sehr schnell und flink, hat mit beiden Füßen einen guten Abschluss“, sagt Hoeneß. Ihm gehöre die Zukunft – vorausgesetzt, das Talent arbeitet so gewissenhaft weiter wie bisher. „Er ist ein bodenständiger Typ. Da wird noch eine Menge kommen“, ergänzt ein anderer Tempodribbler, der mit einem Schlenker nach innen ebenfalls traf – Chris Führich.

Aus der Mitte fielen also die VfB-Tore. Doch im Grunde war es ein doppelter Flügelschlag, da Führich (53.) und Diehl (78.) ihre gewinnbringenden Aktionen als Außenspieler starteten. Führich in seiner „unnachahmlichen Art“, wie der Trainer sagt. Obwohl der erste Kontakt des Nationalspielers nach dem Pass von Leonidas Stergiou technisch nicht sauber verlief. Dafür war sein Schlenzer aus 20 Metern umso schöner. Fast als würde man den früheren Bayern-Star Arjen Robben nun seitenverkehrt in Stuttgart statt in München erleben. Ein feiner Trick reichte dem Niederländer zur Weltklasse. Immer wieder aufgeführt, wenn Robben von der rechten Seite mit starkem Antritt nach innen zog, um mit dem linken Fuß abzuziehen. Alle Verteidiger wussten, was kommen würde, aber kaum einer vermochte es zu verhindern.

Führich hat eine ähnliche Bewegung in seinem Repertoire, allerdings von links aus. Doch zu Saisonbeginn stockte der Ablauf immer wieder. Jetzt präsentiert sich der 26-Jährige mehr und mehr in der Form, die ihn in der Vorsaison beim VfB zum Schlüsselspieler machte und mit der Nationalmannschaft zur EM katapultierte. „Er gehört zu unseren Spielern, die Spiele entscheiden können. Das hat er mehrfach bewiesen“, sagt Hoeneß.

Richtungsweisende VfB-Spiele

Ob mit einem Treffer oder einer Torvorbereitung, ob mit einer Flanke oder einer Finte. Solche Spieler braucht der VfB grundsätzlich, in den kommenden Wochen aber besonders. Denn die Angreifer Deniz Undav, El Bilal Touré und Jamie Leweling sind verletzt, Nick Woltemade und auch Diehl in der Champions League nicht spielberechtigt.

Da schwindet die Offensivkraft. Nach gutem Beginn taten sich die Gastgeber deshalb auch gegen die Bochumer schwer – ein Team, das versucht, mit Defensive und Härte den Fußball des Gegners zu verhindern. „Da war Geduld gefragt“, sagt Führich, nachdem Josha Vagnoman eine Möglichkeit vergab (8.) und Jeff Chabot per Kopf die Latte traf (17.). Dennoch hielten die Stuttgarter dem Ergebnisdruck stand und schufen sich mit dem Arbeitssieg gegen den Tabellenletzten eine Ausgangsposition, die in der Liga die Hoffnung auf mehr nährt und die für den Europapokal Selbstvertrauen bringt. „Das sind die Punkte, die wir holen wollen und holen müssen. Die nächsten Spiele werden sehr wichtig, sie werden ausschlaggebend für die Richtung sein – für das, was noch kommt ab Januar“, sagt Führich zum Anspruch des VfB.

Doch erst einmal geht es zu Roter Stern Belgrad (Mittwoch/18.45 Uhr). In der Königsklasse steht der VfB unter Zugzwang, um die nächste Runde zu erreichen. „Da können wir jeden gebrauchen, der Torgefahr erzeugt“, sagt Hoeneß, der in Serbien auf Führich bauen kann. Diehl, der aufgrund der Regularien vor dem Fernseher sitzen wird, fühlt sich dennoch mit Führich verbunden. „Er ist mein Bruder in Christus, da er sehr gläubig ist und ich auch sehr gläubig bin“, sagt Diehl. Gemeinsam wollen sie danach wieder ganz beseelt den Glauben an die VfB-Elf stärken.