Niclas Füllkrug (links) und Serhou Guirassy treffen am Sonntag aufeinander. Wessen Lauf hält an? Foto: imago/Collage StZN

Das Spiel des VfB Stuttgart gegen Werder Bremen ist auch ein Aufeinandertreffen zweier Torjäger vom alten Schlag. Wir blicken auf das Duell Serhou Guirassy gegen Niclas Füllkrug und erstaunliche Parallelen.

Niclas Füllkrug (29) ist ohne Zweifel einer der absoluten Durchstarter in dieser Saison in der Fußball-Bundesliga. Der Stürmer des SV Werder Bremen, Gegner des VfB Stuttgart an diesem Sonntag (15.30 Uhr/Liveticker), ist die Lebensversicherung der Bremer. Er führt die Torjägerliste der Bundesliga an (13 Treffer), hat sich in die Nationalelf geschossen, hat drei der letzten vier Bremer Treffer in diesem Fußballjahr erzielt.

 

„Lücke“, wie der 1,89 Meter große Stürmer mit der markanten Zahnlücke genannt wird, erzielte gar bereits sechs Mal das wichtige 1:0 (ebenfalls Bundesliga-Bestwert) und stieß bereits in Regionen vor, die bisher von Werder-Legende Miroslav Klose alleine besetzt waren. Der letzte Bremer, der nach 18 Bundesliga-Spieltagen mindestens 13 Tore erzielt hatte, war jener Klose vor 17 Jahren (16 Treffer in der Saison 2005/06). Bruno Labbadia, früher als Spieler selbst sehr treffsicher an der Weser unterwegs, weiß um die Qualitäten: Niclas ist ein sympathischer Spieler, der einen tollen Weg gemacht hat“, sagt er, weiß aber auch: „Bei Werder gibt es nicht nur Niclas Füllkrug, sondern auch Marvin Ducksch. Sie harmonieren sehr gut miteinander. und gönnen sich gegenseitig die Tore.“ 

Serhou Guirassy lässt Sasa Kalajdzic vergessen

Doch auch der VfB hat einen echten Neuner in der Sturmmitte, der sich vor Füllkrug nicht verstecken muss. Acht Saisontore in bisher 14 Pflichtspielauftritten für den VfB, fünf davon in den letzten sieben Begegnungen für die Weiß-Roten. Gestatten, Serhou Guirassy (26). Der 1,87 Meter große Nationalspieler von Guinea erweist sich immer mehr zum Volltreffer für den VfB. Erst im Sommer von Stade Rennes an den Neckar gewechselt, hat er den Verlust von Sasa Kalajdzic mehr als aufgefangen. Guirassy hat bereits zu Beginn der Rückrunde so viel Treffer erzielt wie Kalajdzic insgesamt in seiner letzten Saison beim VfB.

Interessant wird der Vergleich der beiden Stoßstürmer auch beim Blick in die Statistiken. Die Parallelen sind augenscheinlich. Beide sind Strafraumtypen. Füllkrug erzielte zwölf seiner 13 Treffer innerhalb des Strafraums, Guirassy alle seiner sechs Ligatreffer, die er traditionell mit der „Michael-Jordan-Gedächtniszunge“ feiert. Füllkrug traf davon viermal per Kopf, Guirassy immerhin einmal. „Er verfügt über sehr gute Anlagen und verkörpert einen kompletten Stürmer“, sagt Labbadia, der Guirassy in der aktuellen Verfassung „zu den Topstürmern“ der Liga zählt. „Er verfügt über Schnelligkeit, hat einen guten Abschluss, ist kopfballstark und kann mitspielen.“

Beide Angreifer sind mit dem rechten Fuß abschlussstark, erzielen das Gros ihrer Tore so (Füllkrug acht Treffer, Guirassy vier). In Sachen Abschlüsse hat der Bremer klar die Nase vorn, zielte bereits 54 Mal auf das Gehäuse (24 Versuche mit rechts, 15 mit links, 15 per Kopf), Guirassy immerhin 30 Mal (20/5/5). Allerdings hat der Bremer bereits 17 Saisonspiele in der Liga absolviert, Guirassy nur zwölf.

Niclas Füllkrug und Serhou Guirassy überperformen

Auch in der xGoals-Kategorie zeigen sich Vorteile für den Werderaner. (Das xGoals-Modell weist die Torerzielungswahrscheinlichkeit für jeden Abschluss aus. Die Torwahrscheinlichkeit wird hierbei nach jedem Torschuss in Echtzeit berechnet, sodass Informationen über den Schwierigkeitsgrad des Schusses und die Wahrscheinlichkeit eines Treffers vorliegen.) Füllkrug hat bisher einen xG-Wert von 9,3 erspielt und daraus 13 Treffer gemacht – er überperformt also. Guirassy liegt mit sechs Toren aus einem xG-Wert von 5,6 zwar ebenfalls drüber, aber nicht so deutlich wie Füllkrug. Dementsprechend liegt die xG-Effzienz von Guirassy nur bei 0,4, die von Füllkrug bei starken 3,4.

Am Sonntag wird sich nun zeigen, wessen Lauf zu Ende geht oder weiter Bestand hat. Sicher scheint nur: Tore werden fallen, Stürmertore sind sehr wahrscheinlich. Schließlich blieben die Bremer nur in drei von 18 Ligaspielen ohne eigenes Tor, die Stuttgarter dagegen haben nun bereits in 31 saisonübergreifenden Heimspielen mindestens ein Gegentor kassiert. Zuletzt aber drei Siege aus den letzten vier Heimspielen geholt, sind seit Mitte Oktober zu Hause ungeschlagen. Der letzte Heimsieg des VfB ohne Gegentor datiert vom 4. April 2021 – ausgerechnet gegen Werder Bremen.