Vor dem Halbfinale ist die Stimmung bei den Stuttgartern eine besondere – auch beim Trainer, der das nächste Kapitel seiner speziellen Historie im DFB-Pokal schreiben will.
Es kribbelt bei Sebastian Hoeneß. Mehr noch als sonst. Seit Tagen schon fühlt sich diese Woche für den Trainer des VfB Stuttgart besonders an, was er auch gar nicht bestreitet oder kleinredet: „Das hast du nicht durchgängig in einer Saison, dass du zwei Tage vor einem Spiel schon Spannung aufbaust.“ Die kommende Aufgabe aber sorgt genau dafür beim 43-Jährigen: Es naht ein spezieller Fußballabend, wenn der VfB an diesem Donnerstag (20.45 Uhr/ARD) gegen den SC Freiburg im DFB-Pokal um den Einzug ins Finale spielt.
Nun steht der Reiz dieses Wettbewerbs mit seiner großen Final-Bühne im Berliner Olympiastadion außer Frage, erst recht so kurz vor dem Ziel. Für Hoeneß aber hat das Ganze schon nochmals eine besondere Note, da seine Pokal-Erfahrungen zahlreich und intensiv sind: In der Runde der letzten vier Teams steht er nun schon zum dritten Mal in seiner Amtszeit in Bad Cannstatt, die auch sonst an entscheidenden Stellen vom DFB-Pokal geprägt war. Sein erstes Spiel als VfB-Trainer? Das Viertelfinale 2023 beim 1. FC Nürnberg (1:0). Sein größter Erfolg? Der Finalsieg gegen Bielefeld (4:2) im Vorjahr.
Sebastian Hoeneß über den SC Freiburg: „Richtig gute Saison“
Die großen Emotionen von damals sind noch immer präsent, jetzt angesichts des bevorstehenden Halbfinals mehr denn je. „Den Pokal hochzurecken, das war der schönste Moment“, erinnert sich Hoeneß an jenen Samstagabend im Mai 2025, „das hat man immer gesehen in den Jahren davor und sich gedacht: Wie geil muss das sein?“ Mehrere Male hatte er zuvor das Finale als Zuschauer im Olympiastadion verfolgt, zwischen 1999 und 2010 lange in Berlin gelebt und bei der zweiten Mannschaft von Hertha BSC gespielt.
Nun könnte es für den ehrgeizigen Trainer das zweite Mal in Folge dienstlich zum Endspiel gehen – was das klare Ziel ist. „Einen Titel zu gewinnen, ist das Nonplusultra“, sagt Hoeneß, „wir haben letztes Jahr gesehen, was das mit einem macht. Das werden wir nie vergessen, deswegen wollen wir das jetzt wieder haben.“ Auch bei seinen Spielern habe er bereits jene „positive Spannung“ vor dem Halbfinale ausgemacht, die er auch selbst verspüre.
So weit die emotionale Seite. Fest steht zugleich: Die sportliche Herausforderung ist eine große – und wird auch einen kühlen Kopf mit klarem Fokus auf die Inhalte erfordern. Mit dem SC kommt ein selbstbewusster und formstarker Gegner, der sechs der vergangenen sieben Pflichtspiele gewonnen hat und sich in dieser Phase einzig dem FC Bayern geschlagen geben musste. Knapp und spät mit 2:3. „Sie werden mit breiter Brust anreisen und spielen eine richtig gute Saison“, sagt Hoeneß über die Mannschaft seines Trainerkollegen Julian Schuster, die eingespielt auftritt und bei offensiven Standards große Gefahr ausstrahlt. Zugleich – auch das gehört zur Wahrheit – hat der SC in der bisherigen Bundesliga-Saison 13 Punkte weniger als der VfB geholt, was am Donnerstagabend durch den Wechsel in einen völlig anderen Wettbewerb aber zur Nebensache werden dürfte. Auf einen Pokalsieg warten die Breisgauer im Gegensatz zum VfB und seinem Trainer derweil bis heute.
Nah dran waren sie aber in der jüngeren Vergangenheit, als der Titeltraum im Jahr 2022 erst im Elfmeterschießen des Endspiels gegen RB Leipzig platzte. Mehrere Akteure von damals sind heute noch dabei – und der Titelhunger der Freiburger ist groß, die auch in der Europa League im Halbfinale stehen und in dieser Saison wirklich Großes erreichen können.
„Es kribbelt brutal“, sagt SC-Stürmer Igor Matanovic vor dem Halbfinale in Stuttgart – und prognostiziert mit Blick auf die Qualitäten des VfB: „Die sind stark. Da reichen nicht 100 Prozent, da müssen wir 120 Prozent geben.“ Zweifel daran hat er nicht die geringsten: „Das kann ich garantieren, dass das auch jeder machen wird.“
Was direkt wieder zurückführt zur Emotionalität und zum Knistern, das in der MHP-Arena zu spüren sein dürfte. Hoeneß setzt dabei auch auf die Atmosphäre von den Rängen – und spricht aus Erfahrung, wenn er an seine bisherigen beiden Halbfinals mit dem VfB zurückdenkt: „Das waren besondere Abende – Flutlicht, viel Energie, viel Spannung im Stadion.“ 2023 unterlag man Eintracht Frankfurt, 2025 besiegten die Stuttgarter dann RB Leipzig. Und 2026? Fest steht völlig unabhängig vom Ausgang: Die Bühne ist bereitet für einen besonderen Fußballabend. Und für das nächste Kapitel in der Pokal-Historie von Sebastian Hoeneß beim VfB.