Erste Hilfe: Wataru Endo vom VfB Stuttgart plagt ein Wadenkrampf – und der Schiedsrichter Tobias Stieler greift ein. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Der VfB Stuttgart hat RB Leipzig mit viel Herz einen Punkt abgetrotzt. Das ist gleich doppelt wichtig zum Ligastart, wie unser Sportredakteur Carlos Ubina meint.

Mehr ging nicht. Läuferisch und spielerisch. Der VfB Stuttgart kam beim 1:1 gegen RB Leipzig an seine Leistungsgrenze – und gleichzeitig forderte die Elf von Trainer Pellegrino Matarazzo den Champions-League-Teilnehmer aus Sachsen bis aufs Letzte. Bestes Beispiel für die Leidensfähigkeit der Gastgeber: Wataru Endo. Selbst den unermüdlichen Japaner plagte in der Schlussphase nach einem Zweikampf ein Wadenkrampf. Und hinter dem zentralen Mittelfeldspieler warfen sich die Abwehrrecken des Fußball-Bundesligisten leidenschaftlich in die Zweikämpfe. Was die VfB-Defensive dabei nicht verteidigt bekam, hielt Florian Müller. Der Torwart sicherte mit einigen Glanzparaden das Unentschieden.

 

Der glückliche, aber durchaus verdiente Teilerfolg bringt den Stuttgartern den ersten Punkt im Kampf um den Klassenverbleib – und er stärkt die Zuversicht, nicht vom Ligastart weg in die hinteren Tabellenregionen zu rutschen. Denn bei dieser jungen Mannschaft ist eines klar: Bleibt sie über dem roten Strich, spielt sie gut. Dann kommen Tempo, Spielfreude und Unbekümmertheit zum Tragen. Wie beim Ausgleichstor von Naouirou Ahamada (31.). Der 20-Jährige veredelte einen Angriff, den er selbst eingeleitet hatte.

Schleichen sich jedoch früh Nachlässigkeiten ein wie beim 0:1 durch Christopher Nkunku (8.) und gerät der VfB unter Druck, läuft die Mannschaft Gefahr, den Mut zu verlieren. Im Spiel, aber auch über den Spieltag hinaus. Gegen die Leipziger kämpften sich die Stuttgarter aber aus dem anfänglichen Tief, stabilisierten sich und standen in einigen Aktionen kurz vor dem Führungstreffer. Zumindest phasenweise bewegten sie sich so auf Augenhöhe, vor allem zwischen der 20. und der 60. Minute.

Es gehört jedoch ebenso zur Wahrheit, dass die individuelle Klasse des Teams von RB-Coach Domenico Tedesco deutlich über der Einzelqualität der VfB-Profis liegt. Das spiegelt sich ebenso preislich wider. Am Ende war die Dominanz der Gäste fast erdrückend. Angriff auf Angriff kam auf Müller zu. Doch geschlossen stemmte sich der VfB gegen das zweite Gegentor. „Die Jungs haben gekämpft wie die Löwen“, sagte Matarazzo. Und sah sich in seiner Grundthese bestätigt, dass nicht nur jedes Spiel, jeder Punkt und jedes Tor im Saisonverlauf zählt, um den Ligaverbleib erneut zu sichern. Sondern ebenso jeder Moment.

Die Bereitschaft, die vom Cheftrainer geforderte Haltung und Schärfe an den Tag zu legen, haben die Stuttgarter zum Auftakt beherzigt. Und das werden sie auch am nächsten Samstag bei Werder Bremen tun müssen. Ein Gegner mit komplett anderen Ansprüchen als RB Leipzig, aber für den VfB ändert sich an der grundsätzlichen Herangehensweise nichts.