Der VfB Stuttgart hat sich gegen den FC Bayern gut verkauft, die Punkte haben aber die Gäste mitgenommen. Wir analysieren, warum.
Thomas Müller war zwar gut gelaunt, aber hatte auch Kritik zu äußern: „Das war keine Glanzleistung.“ Julian Nagelsmann stimmte seinem Mittelfeldspieler so in etwa zu und meinte: „Wir hatten keinen einfachen Start in das Spiel – und am Ende war es einen Tick zu spannend.“ Der Cheftrainer des FC Bayern könnte dann – wie Müller – aber doch lächeln und folgendes Fazit der Partie am Samstagabend ziehen: „Das Ergebnis steht über allem.“
Und das wies die Münchner im Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart als 2:1-Sieger aus (Liveticker zum Nachlesen), weshalb der Rekordmeister nach Punkten wieder mit Borussia Dortmund gleichzog und die Tabellenspitze zurückeroberte. Und derweil der VfB Stuttgart?
Durfte sich freuen, ein vernünftiges Spiel gegen die starken Bayern gemacht zu haben. Hatte schnuppern dürfen an einem Punktgewinn. Und hatte eine Reaktion gezeigt auf die schwache Leistung bei der Niederlage auf Schalke eine Woche zuvor. Aber: Die Weiß-Roten standen am Ende eben wieder ohne einen Zugewinn auf dem Punktekonto da. „Wir sind“, klagte der VfB-Trainer Bruno Labbadia, „extrem enttäuscht.“
Acht Bundesligaspiele unter Bruno Labbadia, ein Sieg
Acht Bundesligaspiele hat der VfB seit Jahresbeginn unter dem zurückgekehrten Coach nun bestritten, lediglich ein Sieg (3:0 gegen den 1. FC Köln) ist gelungen. Und anstatt such den Kampf gegen den Abstieg mit einem kleinen Sicherheitsabstand aus der Ferne zu beobachten, steckt der VfB weiter mittendrin. Vier Teams sind am Ende der Tabelle nun punktgleich, weil auch der FC Schalke 04 wieder mitmischt im Rennen um die rettenden Plätze.
Die einzige Konstante des VfB im Jahre 2023 ist bisher: Irgendjemand macht immer einen oder gleich mehrere Fehler. Im Spiel gegen den FC Bayern war es in der ersten Hälfte Fabian Bredlow. Der Keeper hat die Nummer-1-Rolle erst vor wenigen Wochen vom zu wackeligen Florian Müller übernommen, nun hatte er gegen die Münchner ein paar starke Paraden gezeigt, dann aber begünstigt, dass der VfB nun schon zum achten Mal einen Treffer nach einem Fernschuss hinnehmen musste. Das ist zum einen trauriger Ligabestwert, zum anderen war es „ganz bitter“, wie Labbadia meinte, der seinen Keeper aber in Schutz nahm: „Er hat ein gutes Spiel gemacht, dass Menschen Fehler machen, gehört leider dazu.“ Bredlow indes nahm den Gegentreffer von FCB-Verteidiger Matthijs de Ligt „auf meine Kappe“, am 0:2 indes war er in Hälfte zwei dann machtlos.
Juan Perea sorgt für Hoffnung
Nach einer schönen Kombination traf Eric-Maxim Choupo-Moting für die Bayern – und das Spiel schien in der 62. Minute entschieden zu sein. Dachten die meisten Fans, dachten sich wohl auch die Spieler des FC Bayern, die ihre Angriffe nicht mehr konsequent zu Ende spielten. „Wir hätten das 3:0 machen können“, sagte Julian Nagelsmann. Doch stattdessen blieb dem VfB eine Mini-Chance auf einen Punktgewinn – die er beinahe genutzt hätte.
In der 88. Minute war es eine Co-Produktion der Einwechselspieler, die die Hoffnung nährte. Tiago Tomas flankte, Juan Perea köpfte, Yann Sommer im Tor der Münchner war bezwungen. Und wenige Minuten später gab es eine fast identische Szene von der anderen Seite mit Wataru Endo als Flankengeber und Tanguy Coulibaly als Kopfballspieler. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass der Ball diesmal knapp am Tor vorbei strich. „Insgesamt waren wir die bessere Mannschaft“, sagte Nagelsmann, gab aber auch zu, dass aufgrund der Schlussphase „der Ausgleich nicht unverdient gewesen wäre“. So aber darf der FC Bayern mit einem guten Gefühl Richtung Königsklasse schauen.
Eintracht Frankfurt ist nächster VfB-Gegner
Am Mittwoch (21 Uhr) steht das Achtelfinal-Rückspiel gegen Paris Saint-Germain an. Der VfB unternimmt am kommenden Samstag bei Eintracht Frankfurt den nächsten Versuch, die Lage zu verbessern. „Es war ein ganz anderer Auftritt als in der ersten Hälfte auf Schalke. Wir haben einer starken Mannschaft Paroli geboten“, resümierte am Samstag Bruno Labbadia – sagte aber mit Blick auf die vergangenen Wochen auch: „Das Problem ist: Wir haben zu wenig gepunktet.“ Elf Spiele bleiben, um das zu ändern. Die vermeintlich schwerste Aufgabe liegt nun zwar hinter dem VfB, viel leichter wird es aber nicht. Nach dem Auswärtsspiel in Frankfurt stehen die Partien gegen den VfL Wolfsburg und beim 1. FC Union Berlin an.