Nach der Klatsche gegen die Bayern ist das Momentum für den VfB in der Liga vorerst dahin. Die Partien bis Jahresende werden zur Standortbestimmung, kommentiert David Scheu.
Geht es gegen den FC Bayern, spielt bei der Bewertung der 90 Minuten immer auch die Stärke des Gegners eine Rolle. Der Rekordmeister zählt zu den besten Teams Europas, ist der nationalen Konkurrenz schon jetzt enteilt, lässt in der Bundesliga Woche für Woche die Muskeln spielen. Auch am Samstag beim VfB Stuttgart, wo die Münchner über die komplette Spielzeit hoch pressten und nach der Einwechslung von Harry Kane in der zweiten Hälfte mit dem 5:0-Sieg für glasklare Verhältnisse sorgten. Für eine Grundsatzdebatte bietet sich das Spiel aus VfB-Sicht daher weniger an. Einerseits.
Auf der anderen Seite aber war der bittere Stuttgarter Nachmittag nicht nur der Stärke des Siegers geschuldet: Dass aus der Niederlage eine derbe Klatsche wurde, lag wesentlich auch an eigenen Versäumnissen. In der noch ausgeglichenen ersten Hälfte fehlte bei den Chancen die Kaltschnäuzigkeit, nach dem Seitenwechsel verteidigte die Mannschaft von Sebastian Hoeneß mehr als einmal nicht gut. Beim zweiten Gegentor wichen mehrere Stuttgarter passiv zurück, beim dritten patzte Schlussmann Alexander Nübel.
Die Bayern-Partie war nicht das erste Spiel der vergangenen Wochen, in dem der VfB nicht am eigenen Leistungslimit agierte – zuletzt beim Hamburger SV (1:2) etwa fehlte die offensive Durchschlagskraft gegen einen tiefstehenden Gegner. Die Folge: Das Polster durch den starken Saisonstart in der Bundesliga dahin, aus den jüngsten drei Spielen steht lediglich ein Punkt zu Buche, der Trend droht fürs Erste zu kippen.
Noch liegen die Mannschaften im Rennen um die europäischen Plätze eng zusammen, noch ist der VfB mittendrin in allen drei Wettbewerben. Fest steht aber auch: Die nächsten Wochen bis Jahresende werden richtungsweisende für die Stuttgarter, was den weiteren Saisonverlauf betrifft – zunächst in der Europa League gegen Maccabi Tel Aviv, dann vor allem in der Bundesliga auswärts bei Werder Bremen und gegen die formstarke TSG Hoffenheim. Diese Duelle werden dem Tabellenbild nochmals weitere Aussagekraft verleihen – und mehr Klarheit in die Frage bringen, wo und wie weit hinter der absoluten Liga-Spitze der VfB sich einreiht.