Alexander Nübel stand am Freitagabend im Fokus. Foto: Pressefoto Baumann/Volker Mueller

Der Stuttgarter Torhüter äußert sich zu seinem riskanten Pass vor dem zweiten Gegentor, zu den Minuten nach Spielende – und sagt, warum er mit Boris Becker trotz dessen Kritik an ihm gerne ein Foto machen würde.

Es war eine der Schlüsselszenen der Partie – und ein folgenschwerer Ballverlust aus Sicht des VfB Stuttgart, der das zweite Gegentor beim 1:3 gegen den FC Bayern einleitete. Die Beteiligten in besagter 64. Minute: Torhüter Alexander Nübel und Mittelfeldspieler Angelo Stiller. Erst hatte der Keeper den Taktgeber flach unter Bedrängnis angespielt, ehe Stiller den Ball im eigenen Strafraum an den Torschützen Leon Goretzka verlor.

 

Bei der Analyse? Fing Nübel bei sich selbst an. „Der Ball ist zu riskant in der Situation, das nehme ich mit auf meine Kappe“, sagte der 28-Jährige, der bis 2026 vom FC Bayern an den VfB ausgeliehen ist. Nun gehört an dieser Stelle auch zur Wahrheit, dass diese Art der Spieleröffnung unter Trainer Sebastian Hoeneß zum Stuttgarter Repertoire zählt und Stiller solche Situationen unter Bedrängnis auch schon anders gelöst hat.

Boris Becker meldet sich auf X zu Wort

„Vielleicht muss ich zu Alex zurückspielen, es war auf jeden Fall zu leicht“, sagte Stiller, der den Ball erst aktiv gefordert und sich dann für eine Verlagerung zur Seite entscheiden hatte. Auslöser der Situation aber war und blieb letztlich der gewagte Nübel-Ball, zu dem es Alternativen gegeben hätte. „In der Situation macht es glaube ich mehr Sinn, wenn ich den Ball lang schlage“, so Nübel.

Boris Becker (rechts, neben Schauspieler Heino Ferch) ist bekennender Fan des FC Bayern. Foto: imago//Bernd Feil/M.i.S.

Das war nach Spielende auch die die Mehrheitsmeinung. „Alex geht zu hohes Risiko, Goretzka macht den linken starken Fuß von Ange zu“, sagte der Stuttgarter Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, der den Gegentreffer als „insgesamt unnötig“ einstufte. Und selbst ein prominenter Bayern-Fan meldete sich zu Wort. Das zweite Gegentor sei „ein klarer Fehler“ des Stuttgarter Torhüters gewesen, befand Tennis-Legende Boris Becker während des Spiels auf dem sozialen Netzwerk X.

„Wir kennen uns gar nicht, ich habe noch nie mit ihm gesprochen“, sagte Nübel darauf angesprochen nach der Partie – würde diesen Umstand aber gerne ändern: „Vielleicht können wir uns ja mal kennenlernen, wenn er über mich schreibt.“ Denn Becker sei natürlich eine Legende: „Mit ihm würde ich sogar ein Foto machen.“

Nübel: „Die Fans haben ein gutes Gespür“

Am Freitagabend aber stand zunächst nicht der Austausch mit dem dreifachen Wimbledon-Sieger im Fokus – sondern der mit den eigenen Fans. Nach Abpfiff blieb es nicht beim obligatorischen Dank der Spieler vom Rasen aus, die Mannschaft ging über die Bande bis an den Zaun und tauschte sich länger mit dem Anhang aus. Laute VfB-Sprechchöre schlossen die Szene ab – beobachtet von Trainer Hoeneß aus der Ferne, der dann klatschte und abdrehte.

„Die Fans haben ein gutes Gespür, das ganze Jahr schon“, sagte Nübel zu den aufbauenden Worten mit Blick auf die Ergebniskrise, in der sich der VfB derzeit befindet. „Sie wissen, wann wir es brauchen und wann wir es nicht brauchen. Deswegen ist der Austausch mit den Fans wieder sehr gut gelaufen“, so der Stuttgarter Keeper, der mit einem generellen Lob schloss: „Die Ultra-Szene da ist top, weil die ein sehr feines Gespür dafür haben.“ Der Wunsch beider Seiten liegt auf der Hand: dass es künftig nach Spielende keiner aufbauenden Worte mehr bedarf, sondern Siege bejubelt werden können.