Der VfB Stuttgart darf sein Stadion im kommenden Heimspiel gegen den FC Augsburg wieder voll machen. Der Vorverkauf läuft gut an, doch ein volles Haus ist längst kein Selbstläufer mehr.
Stuttgart - Die virtuelle Warteschlange war lang. Bis zu einer Stunde mussten sich die Fans des VfB Stuttgart am Dienstagvormittag gedulden, ehe sie mit ihrer Bestellung an der Reihe waren. Am Morgen hatte der Fußball-Bundesligist für Mitglieder und frühere Dauerkarteninhaber den Vorverkauf für das kommende Heimspiel gegen den FC Augsburg am 19. März (15.30 Uhr) gestartet. Eines von vielen Endspielen im Kampf gegen den Abstieg, bei dem der Tabellen-17. wieder auf die volle Unterstützung seiner Anhänger zählen darf.
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Am 20. März fallen bekanntlich nahezu alle Coronabeschränkungen. Dank einer Sondergenehmigung des Landes darf der Club aus Cannstatt auch schon einen Tag früher seine Tore wieder voll öffnen. Eine Vollauslastung von 60 000 ist daher gegen Augsburg theoretisch möglich.
Es wäre das erste Mal seit vergangenem Herbst. Damals wurden die Kapazitätsbeschränkungen ebenfalls aufgehoben, wenn auch nur für kurze Zeit. Zu den beiden Heimspielen gegen Union Berlin und Arminia Bielefeld kamen jeweils aber nur etwas mehr als 30 000 Zuschauer. Zuletzt gegen Borussia Mönchengladbach waren alle 25 000 Karten vergriffen. Gegen Augsburg hofft der VfB auf ein möglichst volles Haus. Die 4 sollte nach den Vorstellungen der Verantwortlichen schon davor stehen.
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Nichts sehnlicher als die volle Unterstützung wünscht man sich, weshalb viel unternommen wird, um den Anhängern den Gang nach Cannstatt schmackhaft zu machen. Denn ein Selbstläufer wie früher ist die Sache längst nicht mehr. Bei nicht wenigen Fußballfreunden hat sich in den vergangenen zwei Jahren Entfremdung breitgemacht. Mit vergünstigten Ticketpreisen sollen sie nun zurückgeholt werden. Zwischen 17,50 Euro (Kurve) und 40 Euro (Haupttribüne) bewegen sich die Kartenpreise und damit unter dem Schnitt vergangener Jahre. Gegen die Truppe von Ex-Trainer Markus Weinzierl bietet der Club außerdem sogenannte Pakete an: Ein Trikot und zwei Karten für 80 Euro. Oder für 29 Euro zum Augsburg-Spiel und hinterher noch zu den Handballern vom TVB Stuttgart, die nebenan gegen den HC Erlangen antreten.
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Trotz Coronaverlusten von über 80 Millionen Euro stellt der VfB die Einnahmen-Maximierung fürs Erste hintan. Eine nachhaltige Herangehensweise angesichts von Prognosen wie der des Fanforschers Harald Lange, der sagt: „Das Freizeitverhalten vieler Menschen hat sich verändert. Sie haben gemerkt, dass es auch ohne Fußball ganz gut geht. Wenn sie erst mal nicht mehr in die Stadien kommen, ist es zu spät. Der Fußball braucht wieder mehr Nähe zu den Fans.“
Stimmungsbild vom Trainingsplatz
Zumindest die Eingefleischtesten scheinen dazu bereit. Am Dienstag war die besondere Stimmung beim Heimsieg gegen Mönchengladbach noch immer das bestimmende Thema bei den Beobachtern des öffentlichen Trainings – wie bei Ömer Aykut (69), der den 3:2-Erfolg gegen die Fohlen auf der Gegengerade verfolgt hat. „Man hat die Energie im Stadion regelrecht gespürt“, sagt Aykut, der seit 20 Jahren eine Dauerkarte beim VfB besitzt. „Im Gegensatz zu früheren Zeiten hat die Unterstützung nach dem 0:2 kein bisschen nachgelassen“, sagt Aykut, der auch die Rückkehr der organisierten Fanszene rund um das Commando Cannstatt als wichtigen Faktor sieht. Auch am Fernseher kam die Atmosphäre an. „Das war total emotional und energetisch, einfach richtig toll“, sagt VfB-Fan Karlheinz Vietze (68). Er ist sich sicher, dass das Stadion gegen Augsburg wieder voll wird: „50 000 Zuschauer werden es auf jeden Fall, vielleicht noch mehr.“ Er selbst möchte dann auch wieder live dabei sein.
Dauerkarte für die letzten drei Heimspiele
Für die letzten drei Heimspiele der Saison gegen Borussia Dortmund, den VfL Wolfsburg und den 1. FC Köln will der VfB dann eine Mini-Dauerkarte auflegen. Auch diese zu fanfreundlichen Preisen. Einzelheiten will der Club später bekannt geben.
Denn mit der Detailplanung ist das noch immer so eine Sache. Corona hat in der Vergangenheit schon so manche Mittelfristplanung durchkreuzt. Noch im Frühherbst, als Omikron nur ein griechischer Buchstabe war, kalkulierte der Verein für die Rückrunde mit 45 000 Fans im Schnitt. Nach 13 Spieltagen beträgt er 19 817.
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Auch für die Heimpartie gegen Augsburg bestehen noch Unsicherheiten, etwa bei der Zutrittsregelung. Aktuell geht der VfB von 2G aus. In Abhängigkeit von dem Entscheid der Landesregierung könnte auch wieder 3G gelten. Das Tragen einer Maske wird nicht länger Pflicht sein, sondern lediglich Empfehlung. Wer sich und andere vor einer Ansteckung gezielt schützen möchte, für den gibt es gegen den FCA folgende Besonderheit: ein eigener Masken-Block.