Der VfB Stuttgart feiert nach sechs Bundesliga-Heimniederlagen nacheinander mal wieder einen Dreier zuhause. Doch die Verletzung von Taktgeber Angelo Stiller trübt die Freude über den 4:0-Erfolg gegen den FC Augsburg.
Alles hatte so gut und hoffnungsvoll begonnen. Der VfB Stuttgart dominierte den FC Augsburg im letzten Heimspiel dieser Bundesliga-Saison in der Anfangsphase. Jamie Leweling traf am Sonntagabend nach toller Bewegung und Ballannahme mit der Schulter mit links die Latte in Minute drei, und wenig später staubte Kapitän Atakan Karazor nach einer Ecke zum frühen 1:0 ab (8. Minute). Dann kam nach dem anfänglichen Schwung der Schock – der das Ergebnis am Ende dieses Abends (4:0, der erste VfB-Heimsieg nach zuvor sechs Niederlagen zuhause nacheinander) in den Hintergrund drängen sollte.
Denn zwei Minuten nach dem frühen Führungstor durch Karazor war der VfB-Taktgeber Angelo Stiller mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden gelegen. Er hielt sich den Fuß – und nach der Behandlung auf dem Platz humpelte der Mittelfeldmann, gestützt und mit Tränen in den Augen, in Richtung der Katakomben. Augsburgs Angreifer Samuel Essende hatte Stiller von hinten mit offener Sohle übel in der Wadengegend getroffen, ohne jede Chance auf den Ball. Stiller knickte infolge des heftigen Tritts um.
Schiedsrichter Timo Gerach korrigierte nach Ansicht der Bilder am Schirm seine erste Entscheidung (Gelbe Karte) und zeigte folgerichtig glatt Rot. Wie lange Stiller, der im Laufe der zweiten Hälfte an Krücken in Richtung der VfB-Bank humpelte, ausfällt, wird erst nach der genauen Diagnose durch die VfB-Ärzte feststehen.
Nach dem ersten Schock mit dem Aus des Mittelfeldchefs folgte für die Weiß-Roten am Sonntagabend gegen Augsburg wenig später der nächste. Denn der für Stiller eingewechselte Yannik Keitel musste nach nur 18 Minuten auf dem Platz ebenso runter. In einer unglücklichen Szene war Keitel mit seinem Mitspieler Finn Jeltsch zusammengeprallt und verletzte sich.
Innenverteidiger Jeltsch hatte obendrein schon vor der Szene an Oberschenkelproblemen gelitten und musste dann zeitgleich mit Keitel ebenso raus. Weshalb VfB-Trainer Sebastian Hoeneß zum Improvisieren gezwungen war.
Für Keitel und Jeltsch kamen Luca Jaquez und Enzo Millot ins Spiel. Drei Wechsel also innerhalb der ersten 33 Minuten – verständlich, dass der Schwung des VfB trotz Überzahl irgendwann verpuffte. Der Stiller-Schock und die nächsten beiden Wechsel schienen dem Hoeneß-Team zunächst den berühmten Stecker zu ziehen.
Chancen vor der Pause
Nick Woltemade scheiterte mit einem Kopfball am stark reagierenden FCA-Keeper Finn Dahmen (35.), eine Minute später parierte Dahmen wieder stark nach einem Millot-Schuss, ansonsten war da nicht mehr viel im Spiel nach vorne – bis Deniz Undav kurz vor der Pause wunderbar auf Nick Woltemade weiterleitete. Der Offensivmann umkurvte Dahmen, der Winkel wurde zu spitz, Cedric Zesiger klärte auf der Linie. Und die Gäste? Die machten ihre Sache in Unterzahl defensiv ordentlich und kamen, wenn auch nur in Ansätzen, auch immer wieder nach vorne - und damit zu Halbchancen. Nach der Pause dann setzte der VfB das erste Zeichen, und was für eins. Über Undav und Millot kam der Ball in Minute 51 zu Woltemade. Der Angreifer behauptete die Kugel im Sechzehner auf engstem Raum, drehte sich und setzte einen satten Rechtsschuss aus 15 Metern unhaltbar ins linke Eck. Ein tolles Tor zum 2:0 – und die Konsequenz einer starken, entschlossenen Anfangsphase der zweiten Hälfte.
Der VfB hatte das Geschehen im Griff und kam zu vielen Chancen. Pascal Stenzel prüfte nach 59 Minuten mit einem satten Schuss den FCA-Keeper Dahmen, der zur Ecke klärte, Undav jagte den Ball nach Woltemade-Vorarbeit freistehend weit über das Tor. Der eingewechselte Ermedin Demirovic traf die Latte, ehe Millot wenige Sekunden später überlegt zum 3:0 einschob (80.). Und dann traf Demirovic doch noch – per Kopf zum 4:0, nach punktgenauer Flanke von Chris Führich (87.).
Der große Höhepunkt
Ohne Mühe sicherten sich die Stuttgarter den Dreier gegen die harmlosen Gäste aus Augsburg in Unterzahl. Am Ende stand das 4:0 und die Erkenntnis, dass der VfB Stuttgart mit nun zwei Ligasiegen nacheinander offenbar noch die Kurve bekommen hat – vor dem großen Höhepunkt, dem DFB-Pokalfinale gegen Arminia Bielefeld am 24. Mai. Eine Woche zuvor müssen die Weiß-Roten am letzten Bundesligaspieltag noch bei RB Leipzig ran.