Ermedin Demirovic ist verzweifelt – nach seinem Fehlschuss gegen Eintracht Frankfurt. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Das Team des VfB Stuttgart vergibt im Spiel gegen Eintracht Frankfurt zum vierten Mal in Folge einen Elfmeter. Die Sache wächst sich zum Problem aus.

Zugegeben: Die Umstände waren nicht die einfachsten. Ermedin Demirovic war längst bereit zur Ausführung des Strafstoßes, der Ball lag dann irgendwann auch auf dem Punkt – doch dann wurde überprüft und überprüft. Nicht die Situation, die zum Pfiff geführt hatte. Das Foul an Angelo Stiller im Frankfurter Strafraum war unstrittig. Doch ging es darum, ob zuvor Demirovic im Abseits gestanden war. In der 22. Minute durfte der Stürmer des VfB Stuttgart dann endlich anlaufen.

 

Doch was dann passierte, manifestierte eine Lage, die sich zum Stuttgarter Problem auswächst.

Rechter Fuß, linke Ecke – der Plan war vernünftig, doch die Ausführung eher schwach. Kevin Trapp, der Keeper von Eintracht Frankfurt, hatte jedenfalls keine große Mühe, den Schuss von Demirovic zu halten. Was bedeutet: Der VfB Stuttgart hat nun viermal in Folge einen Elfmeter verschossen.

Gegen den VfL Wolfsburg war es Enzo Millot gewesen, der scheiterte. Im Spiel danach gegen die TSG Hoffenheim Ermedin Demirovic. Glück seinerzeit für die beiden. Ihnen fiel der abgewehrte Ball jeweils wieder vor die Füße, der Nachschuss war dann drin, die Partien endeten jeweils unentschieden.

Zweimal Ermedin Demirovic, zweimal Enzo Millot

In der Champions League bei Juventus Turin war es dann erneut Enzo Millot, der verschoss. Der Franzose musste sich nicht grämen, weil der VfB am Ende trotzdem mit 1:0 gewann. Aber so langsam, aber sicher stellten sich ein paar grundsätzliche Fragen. Nach dem Sonntagabend werden sie drängender.

Denn Demirovic setzte die Negativserie vom Punkt fort. „Ich habe heute gedacht, woanders hinzuschießen“, erklärte er hinterher, „habe mich aber dann doch für meine gewohnte Ecke entschieden.“ Was ein Fehler war. Viermal in Folge ein Scheitern vom Punkt, „das ist nicht gut“, sagte der VfB-Sportvorstand Fabnian Wohlgemuth. Und das kann sich in den meist engen Spielen in der Bundesliga und in der Champions League eigentlich kein Team erlauben. Also: Hat der VfB keinen tauglichen Schützen?

Eigentlich ist ja Deniz Undav die erste Wahl. Der Nationalspieler war aber bei den ersten Fällen schon ausgewechselt gewesen. Am Sonntag fehlte er wegen einer Oberschenkelzerrung. Demirovic und Millot sind die benannten Ersatzmänner – die nun aber vielleicht auch mal ersetzt werden müssen.

Zumindest, meinte der Trainer Sebastian Hoeneß, „müssen wir das noch mehr trainieren als bisher schon“. Denn im Gegensatz zu den bisherigen drei Fehlschüssen rächte sich jener vom Sonntag bitter. Noch vor der Pause erzielte die Eintracht nach einem Eckball von Ex-VfB-Profi Omar Marmoush durch einen Kopfball von Hugo Ekitiké das 1:0 für die Gäste. Danach erhöhten Marmoush und Nathaniel Brown. Der VfB verkürzte dann durch Josha Vagnoman und Nick Woltemade und erzielte sogar den Ausgleich in der Nachspielzeit. Doch der Treffer von Chris Führich wurde wegen Abseits aberkannt.

Demirovic war da schon ausgewechselt und so etwas wie die tragische Figur der Partie. Neben dem verschossenen Elfmeter traf er noch zweimal die Latte. „Es ist mehr als bitter“, klagte er nach der Partie, „wenn man so viele Chancen hat, muss man der Eintracht fünf Dinger einschenken.“ Vor allem, wenn auch noch ein Elfmeter darunter ist.