Voller Einsatz: Finn Jeltsch im Spiel gegen RB Leipzig Foto: Baumann/Julia Rahn

Der VfB zeigt beim 1:0 gegen RB Leipzig Qualitäten, auf die es auch am Donnerstag in der Europa League ankommen wird.

Fällt in einem Spiel genau ein Tor, ist die Frage nach dem Man of the Match oft schnell beantwortet. Und, kein Zweifel: Natürlich hatte auch beim 1:0 des VfB Stuttgart gegen RB Leipzig Deniz Undav als Siegtorschütze einen entscheidenden Anteil am Erfolg. Zugleich aber war die Sache an diesem Fußballabend gar nicht so eindeutig. Mehrere Stuttgarter bewarben sich mit ihrer Leistung um die inoffizielle Auszeichnung des Schlüsselspielers – Angelo Stiller hatte gleich mehrere ausgemacht. „Die drei hinten“, sagte der Mittelfeldakteur, „haben es weltklasse gemacht.“

 

Ramon Hendriks, Luca Jaquez und Finn Jeltsch also holten sich ein Sonderlob des Taktgebers ab, das nach den 90 intensiven Minuten auch nicht wirklich überraschte. In der zuletzt eher seltenen Formation der Dreierkette legten die Verteidiger einen hochaufmerksamen Auftritt hin, schoben bei gegnerischem Ballbesitz mutig nach vorne – und schafften es so, die Leipziger Hochgeschwindigkeitsspieler schon bei der Ballannahme zu stören und nicht ins Tempo kommen zu lassen. Vor allem Yan Diomande, im Hinspiel beim 3:1-Sieg von RB noch bester Mann auf dem Platz, fand in Hendriks immer wieder seinen Meister.

VfB hat Glück auf seiner Seite

Zur Wahrheit gehört an dieser Stelle, dass in einigen Szenen auch ein Quäntchen Glück dabei war – und RB seine wenigen guten Chancen nicht nutzte. In Person von Mittelfeldspieler Christoph Baumgartner etwa, der in der ersten Hälfte freistehend vergab. Oder durch den aufgerückten Verteidiger Willi Orban, der in der Nachspielzeit an den Innenpfosten köpfte. Aber: In Summe kam der Tabellenfünfte aus Leipzig beim Vierten aus Stuttgart zu deutlich weniger Torraumszenen als üblich: Während der Schnitt von RB in dieser Bundesliga-Saison bei 1,9 Treffern pro Spiel liegt, war gegen den VfB die Zahl der statistisch zu erwartenden Tore deutlich geringer: 0,98 Expected Goals für Leipzig wiesen die Daten am Ende aus.

Und so fußte der wichtige Sieg im direkten Duell um die Champions-League-Plätze wesentlich auf einer sehr seriösen Defensivleistung. Das ist auch deshalb mehr als eine Randnotiz, weil genau diese Qualitäten am Donnerstag (21 Uhr/RTL) im Achtelfinal-Rückspiel der Europa League beim FC Porto vonnöten sein werden. Ein kurzer Blick zurück: Im Hinspiel (1:2) vergangene Woche tat sich der VfB gerade in den Zweikämpfen gegen den ausgebufften Tabellenführer der ersten portugiesischen Liga schwer und half bei den beiden Gegentoren durch vermeidbare Ballverluste in der eigenen Hälfte mit.

Der VfB will in Porto das 1:2 aus dem Hinspiel drehen

Das Spiel gegen RB – auf dem Papier und mit Blick auf den Kaderwert vergleichbar mit der Qualität des FC Porto – markierte deshalb einen wichtigen Schritt in Richtung Abgeklärtheit. Im Spielaufbau setzten die Stuttgarter des Öfteren auf Sicherheit durch hohe Bälle von Torhüter Alexander Nübel, die dann die Feldspieler in den Zweikämpfen immer wieder geschickt behaupteten. „Der VfB hat 16 Fouls gezogen, wir nur fünf“, rechnete RB-Trainer Ole Werner nach Spielende vor. Das sei neben der höheren Effektivität der Stuttgarter ein entscheidender Faktor gewesen, warum das ausgeglichene Spiel am Ende zugunsten des VfB kippte.

Mit Rückenwind nach Porto: VfB-Trainer Sebastian Hoeneß Foto: Baumann/Hansi Britsch

Cleverness in den direkten Duellen, Effizienz vor dem Tor – auf beides wird es am Donnerstag ankommen, wenn im Estadio do Dragao die Entscheidung um den Einzug ins Viertelfinale fällt. Aber: Ziemlich sicher ist dann zusätzlich noch eine größere offensive Wucht notwendig, um den Rückstand aus dem Hinspiel zu drehen. Denn Chancen im Überfluss erspielte sich der VfB zuletzt selten, auch gegen RB profitierte man im Vorfeld des Undav-Siegtreffers von einem kapitalen Fehlpass des Leipziger Torhüters Maarten Vandevoordt im Spielaufbau.

Trainer Sebastian Hoeneß streitet diese Mühen im Offensivspiel auch gar nicht ab – und setzt darauf, dass mit dem jüngsten Erfolgserlebnis im Rücken ein Stück Leichtigkeit zurückkommt. „Es ist gerade eine Phase, in der wir spielerisch nicht immer glänzen – was aber normal ist“, sagt der Stuttgarter Chefcoach. Hier sei es wichtig, dennoch die Punkte einzufahren: „Dann kommt vielleicht auch wieder das Selbstverständnis im vorderen Drittel.“

Nun also wartet die überaus schwierige Auswärtsaufgabe beim FC Porto, um genau das unter Beweis zu stellen und die Stabilität aus dem RB-Spiel zu bestätigten. Die Mannschaft von Trainer Francesco Farioli jedenfalls strotzt derzeit vor Selbstvertrauen und feierte im heimischen Drachenstadion am Sonntagabend einen souveränen 3:0-Erfolg gegen den bisherigen Siebten FC Moreirense. Klar ist aber zugleich: Auch der VfB wird am Mittwoch mit Rückenwind an die Atlantikküste aufbrechen.