Am Mittwoch spielen der VfB Stuttgart und Borussia Dortmund um den Einzug ins Pokal-Viertelfinale. Dabei gibt es einige direkte Duelle, die auch mit Blick auf die deutsche Fußball-Nationalmannschaft interessant sind.
Der Fußball ist ein Mannschaftssport, das ist klar. Ebenso wie die Tatsache, dass im Profibusiness auch jeder Akteur nach dem eigenen Fortkommen strebt. Wenn beides in Einklang kommt – kann Großes entstehen. Zu beobachten ist das derzeit ganz gut beim VfB Stuttgart.
Das Kollektiv überzeugt unter der Leitung des Trainers Sebastian Hoeneß, und zahlreiche Spieler bringen sich mit starken individuellen Leistungen ein. Was ihnen auch zum Vorteil gereicht – und noch gereichen kann. Zum Beispiel mit Blick auf die Fußball-Europameisterschaft im kommenden Jahr.
Im Frühjahr schon hat – damals eher überraschend – Josha Vagnoman eine Einladung zur Nationalelf erhalten, in dieser Saison feierte Chris Führich sein Debüt im Nationalteam. Und weil der VfB mit 30 Punkten aus 13 Partien bislang eine extrem starke Spielzeit hingelegt hat, gibt es durchaus weitere Kandidaten. Zumal Julian Nagelsmann die Tür für all jene, die bislang noch nicht im Kreise der deutschen Nationalmannschaft dabei gewesen sind, nicht zugeschlagen hat. Ganz im Gegenteil.
„Wir müssen ein paar andere Dinge zeigen“, sagte der Bundestrainer am Samstag im Rahmen der Auslosung der EM-Gruppen mit Blick auf das kommende Jahr. Und der Coach ergänzte: „Und dafür brauchen wir auch den einen oder anderen Spieler und die ein oder andere Herangehensweise.“
Lob von Guido Buchwald und Hansi Müller
Klar, das lässt viel Spielraum für Interpretationen. Aber, wie gesagt: Wer bislang vom noch relativ neuen Bundestrainer wenig Beachtung erfahren hat, darf darauf hoffen, dass Julian Nagelsmann nun all seine bisherigen Maßnahmen noch einmal überdenkt. Was das für die Spieler des VfB Stuttgart bedeuten kann? Zwei frühere Nationalspieler des Clubs haben da recht konkrete Vorstellungen. Guido Buchwald (Weltmeister 1990) und Hansi Müller (Europameister 1980) jedenfalls sehen bei einigen VfB-Spielern Potenzial, noch auf den EM-Zug aufzuspringen.
Klar ist: Sollten weitere VfB-Spieler im deutschen Nationalteam zum Zug kommen, müssen andere weichen. Weshalb auch die Partie am Mittwochabend aus diesem Blickwinkel eine spannende sein kann. Der VfB empfängt im Achtelfinale des DFB-Pokals Borussia Dortmund (20.45 Uhr/Liveticker) – und auch beim aktuell Fünften der Bundesliga-Tabelle machen sich einige Spieler Hoffnungen auf eine EM-Teilnahme. Auf einigen Positionen könnte es damit zu einem VfB-BVB-Duell um einen Kaderplatz kommen.
Die Abwehr Nico Schlotterbeck, Mats Hummels und Niklas Süle heißen die Innenverteidiger des BVB, die EM-Kandidaten sind. Aus diesem Trio hatte zu Beginn von Nagelsmanns Amtszeit Nico Schlotterbeck den schwersten Stand, war bei den beiden Länderspielblöcken nicht eingeladen gewesen. Süle war noch nie unumstritten, Hummels überzeugte zuletzt immerhin im Verein, ist aber der Älteste des Trios. Waldemar Anton könnte hier also durchaus Pluspunkte sammeln, wenn er seine starken Leistungen in dieser Saison bestätigen kann. „Hinten sehen wir nicht gut aus“, sagt Hansi Müller mit Blick auf das DFB-Team – und macht Werbung für Waldemar Anton: „Er hätte es verdient, er verfügt über viel Ausstrahlung und Zweikampfstärke.“ Was die Dortmunder dem Stuttgarter voraushaben: Sie agieren regelmäßig auf internationalem Parkett.
Das defensive Mittelfeld Hier ist das Gedränge im deutschen Team besonders groß – ohne dass etwa in der Defensivzentrale eine überzeugende Konstellation gefunden worden wäre. BVB-Kapitän Emre Can war unter Nagelsmann bisher nicht dabei, hatte auch verletzungsbedingt keine einfache Saison. Im direkten Duell mit den Dortmundern kann am Mittwoch das Stuttgarter Duo Atakan Karazor/Angelo Stiller weiter auf sich aufmerksam machen. „Im defensiven Bereich haben wir Probleme, vor allem auf der Sechser-Position. Da brauchen wir einen richtig guten defensiven Sechser“, sagt Guido Buchwald und schwärmt wie Hansi Müller von Angelo Stiller.
Die Offensive Dortmunds Julian Brandt war zuletzt fixer Bestandteil von Nagelsmanns Kader, schwankt aber in seinen Leistungen. Ebenso wie Karim Adeyemi. Der Flügelstürmer wurde vom DFB-Coach bisher nicht berücksichtigt – im Gegensatz zu Chris Führich. Der Stuttgarter feierte auf der USA-Reise sein Länderspieldebüt, fehlte zuletzt aber krank und sucht derzeit ein wenig die Ausnahmeform vom Saisonbeginn. Sein Offensivkollege Deniz Undav ist voll in Fahrt gekommen, steht bei acht Saisontoren und ist damit aktuell gemeinsam mit Leroy Sané der treffsicherste deutsche Stürmer. „Er hat einen Torriecher und bewegt sich im Zentrum sehr gut“, lobt Buchwald.
Deniz Undav kann es auch in einer Doppelspitze
Undavs Dortmunder Pendant ist Niclas Füllkrug (vier Saisontore), der im Nationalteam wohl gesetzt ist, da es von seiner Charakteristik kaum einen anderen deutschen Stürmer gibt. Deniz Undav wird dennoch weiter nach Möglichkeiten suchen, den Bundestrainer von seinen Qualitäten zu überzeugen. Dass er auch als Teil einer Doppelspitze funktionieren kann, hat er am vergangenen Samstag beim 2:0 gegen Werder Bremen an der Seite von Serhou Guirassy gezeigt.An diesem Mittwoch werden die beiden wohl wieder Seite an Seite stürmen. Dann geht es für den VfB Stuttgart um den Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals, jeder Einzelne kann sich dabei für weitere Aufgaben empfehlen. Womöglich kommt ja mal wieder beides zusammen.