Dank der Tore von Ermedin Demirovic gewinnt die Hoeneß-Elf das achte Heimspiel in dieser Saison. Doch nicht nur in diesem Punkt überzeugt der Pokalsieger.
Es gab nicht viel zu verteidigen. Sagt Lukas Kwasniok und bestätigt Sebastian Hoeneß. Das zweite Tor des VfB Stuttgart war schlichtweg zu gut herausgespielt. Wie der Ball per Hacke von Bilal El Khannouss auf außen zu Ramon Hendriks kam. Wie der Linksverteidiger die Kugel scharf nach innen flankte. Wie Ermdedin Demirovic im Strafraum energisch auf den vorderen Pfosten durchlief. Wie der Mittelstürmer das Zuspiel direkt aus der Luft verwertete.
Ein Angriff wie auf dem taktischen Reißbrett der Fußballlehrer entworfen. Das entzückte VfB-Trainer Hoeneß und nötigte FC-Coach Kwasniok Respekt ab. Und: es entschied die enge Bundesligabegegnung mit dem 1. FC Köln praktisch. Demirovic erzielte kurz nach dem 1:1 durch Ragnar Ache (79.) sein zweites Tor und avancierte als Doppeltorschütze (15./84.) zum Mann des Abends mit dem Sonderprädikat: Es genügt ein Kontakt, um erfolgreich zu sein. „Am Ende der Passkette bin ich der Abnehmer. Die Bälle waren nicht so einfach zu nehmen, aber man darf erwarten, dass ich in solchen Situationen treffe“, sagt Demirovic. Deniz Undav stellte noch den 3:1-Endstand her (90.+2).
Es ist ein glücklicher Sieg gewesen, da die Gastgeber zwar stark begannen, aber nach einer halben Stunde nachließen. „Wir haben es versäumt, weiter einfach und klar zu spielen“, sagt Hoeneß, „wir haben es nach der frühen Führung zu kompliziert versucht.“ Ein Trick zu viel, ein Schritt zu wenig. So verschoben sich die Verhältnisse auf dem Platz, was sich nach der Pause verdeutlichte.
Die Kölner kamen auf, und die Stuttgarter verfielen in puncto Offensive in Passivität. Sie beschränkten sich auf die Defensive. Zudem häuften sich die Fehler. „Kleinigkeiten“, sagt Undav, „aber mit Folgen.“ Als schwerwiegend stellte sich dabei der Patzer des ansonsten gewohnt guten Jeff Chabot heraus. Aus dem Fehlpass des Abwehrspielers resultierte der Ausgleich der Rheinländer.
„Man konnte schon das Gefühl bekommen, dass die Partie kippen könnte“, sagt Fabian Wohlgemuth. Denn auch der Sportvorstand erlebte ein Heimteam, das sich zurücknahm, in der Endphase aber wieder straffte: „Es bleibt ja dabei, dass wir zuletzt viele Spiele absolviert haben. Da geht schon auch Frische verloren – körperlich wie mental.“
Erhalten bleibt jedoch der Glaube an die eigene Stärke – bis zum Abpfiff. Diese Moral, die in der Mannschaft steckt, war nach dem kurzzeitigen Rückschlag gegen die Gäste spürbar. Nach der Niederlage beim abstiegsbedrohten FC St. Pauli sollten nicht schon wieder wichtige Punkte abgegeben werden. Vor dem schönen Spielzug zur erneuten Führung brauchte es dafür zunächst eine Willensleistung, um in die Erfolgsspur zurückzufinden. „Besonders vor heimischer Kulisse glaubt die Mannschaft daran, immer ein Tor erzielen zu können“, sagt Hoeneß.
Aus dieser Überzeugung hat sich eine Eigendynamik entwickelt. Nach dem Motto: Was einmal klappt, funktioniert auch öfter. Die Last-Minute-Mentalität und die Heimstärke ergeben dann zwei Elemente, die zu einer Spitzenelf gehören – und der VfB ist dabei, sich im Kreis der Bundesligabesten zu etablieren. 14 Treffer sind den Stuttgartern bereits in der Schlussviertelstunde gelungen. Und oft waren es Tore, die Punkte bringen. Erinnert sei nur an das Landesduell gegen den SC Freiburg zwei Wochen zuvor. 1:0, 90. Minute, Rechtsschuss Demirovic.
Mittlerweile sind es acht Heimsiege, die der VfB in der laufenden Runde vor der Cannstatter Kurve gefeiert hat. Das macht ihn zur Hausmacht. Denn bei elf Auftritten im eigenen Stadion ging bislang nur die Begegnung mit dem Tabellenführer FC Bayern München (0:5) verloren. Bedeutet in der Heimtabelle Platz drei mit 26 Punkten hinter Borussia Dortmund (29) und den Bayern (28). Im Gesamttableau liegen die Stuttgarter auf dieser Basis weiter aussichtsreich im Rennen um die Champions-League-Ränge. Die aktuell 42 Punkte sind dabei nur vier weniger als zum vergleichbaren Zeitpunkt in der fabelhaften Vizemeistersaison 2023/24.
https://www.youtube.com/watch?v=tHIK-TBqRDADiese Zahlen verdeutlichen, wie gut der VfB unterwegs ist. Auch wenn er die Siege nicht aus dem Fußgelenk schüttelt. Die Stuttgarter müssen sich an ihrer vollen Leistungskapazität bewegen, um Bundesligaspiele zu gewinnen. Hoeneß betont das immer wieder. Zu den Erfolgsfaktoren gehört deshalb der Umgang mit dem breiten Kader. „Der Trainer hat wieder die richtigen Impulse von außen gesetzt“, sagt Wohlgemuth über Hoeneß’ Einwechslungen.
Hendriks und El Khannouss waren direkt am zweiten Tor beteiligt und haben dem VfB somit ein gutes Gefühl vermittelt. „Wir freuen uns sehr auf Glasgow“, sagt Demirovic, „der Celtic-Park ist eines der Stadien, in dem man als Kind spielen wollte.“ Am Donnerstag geht dieser Wunsch in Erfüllung.