Die Mannschaft von Sebastian Hoeneß spielt nicht immer wie eine Spitzenelf. Doch sie hält diesmal dem doppelten Druck stand, meint unser Sportredakteur Carlos Ubina.
Der Druck ist gestiegen. Erst vor dem Spiel, weil die Konkurrenten des VfB Stuttgart um einen Champions-League-Platz ihre Partien in der Fußball-Bundesliga gewannen. Die Dortmunder, Hoffenheimer und Leverkusener siegten jeweils, ehe der Pokalsieger am Samstagabend loslegte. Danach im Spiel, weil die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß gegen den 1. FC Köln eine Führung zu verspielen drohte. Am Ende stand jedoch ein 3:1-Heimsieg.
Der VfB zeigte dabei Charakter, da er nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Ragnar Ache (79.) noch einmal kräftig zurückschlug. Durch Ermedin Demirovic, der schon zuvor getroffen hatte (15./84.), und Deniz Undav (90.+2). Eine späte Entscheidung, die erneut belegte, dass die Stuttgarter dank ihrer individuellen Qualität und des breiten Kaders in der laufenden Saison zur Spitzengruppe zählen. Selbst wenn sie nicht immer spitze spielen und wie gegen die Kölner zeitweise ihre Souveränität und Sicherheit verlieren.
Doch vor allem im eigenen Stadion gelingt es, die Begegnungen noch für sich zu entscheiden. 26 von 42 Punkten wurden bereits in der MHP-Arena geholt. Acht von elf Partien gewann der VfB dabei und nur das Aufeinandertreffen mit dem Tabellenführer FC Bayern München ging verloren. Eine starke Bilanz, die den Club und seine Anhänger auf mehr als die Europa League hoffen lässt.
Um den Traum von der erneuten Teilnahme an der Königsklasse wahr werden zu lassen, braucht es jedoch Spieltag für Spieltag in der Liga eine Hundert-Prozent-Leistung. Denn sobald die Stuttgarter nur ein wenig darunter liegen, sind die Begegnungen mit vermeintlich schwächeren Teams nicht nur eng, sondern enden mit Niederlagen. Siehe FC St. Pauli in der Vorwoche. Ein warnendes Beispiel, das der Hoeneß-Elf wieder Beine gemacht hat.