Luca Pfeiffer (links) und Serhou Guirassy strahlen vor allem mit dem Kopf viel Torgefahr aus. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Die beiden Stoßstürmer Serhou Guirassy und Luca Pfeiffer haben nach ihrem gemeinsamen Startelf-Debüt Lust auf mehr. Trainer Michael Wimmer aber will sich taktisch nicht festlegen.

Eigentlich spricht im Fußball ja einiges dafür, auf viele unterschiedliche Spielertypen zu setzen. Kleine und wendige Dribbler, große und wuchtige Zweikämpfer, passsichere und druckresistente Ballverteiler. Schließlich sind all diese Fähigkeiten im Verlauf der 90 Minuten an irgendeiner Stelle in irgendeiner Spielsituation in der Regel immer mal gefragt.

 

Der VfB Stuttgart aber setzte zuletzt nicht immer auf diese Flexibilität, vor allem im Sturm nicht. Da liefen gegen den FC Augsburg mit Serhou Guirassy und Luca Pfeiffer zwei Angreifer mit einem sehr ähnlichen Profil als Doppelspitze auf: Beide fallen unter die Kategorie Zielspieler, Pfeiffer mit seinen 1,96 Meter noch ein bisschen mehr als der neun Zentimeter kleinere Guirassy. Und beide wurden auch immer wieder mit langen Bällen gesucht, um sie zu behaupten und weiterzuverarbeiten.

Guirassy und Pfeiffer profitieren von Borna Sosas präzisen Flanken

Nun funktionierte gegen den FCA zweifelsohne nicht alles. Pfeiffers Passquote (58 Prozent) zum Beispiel war unter dem Strich mehr als ausbaufähig, oft brachte er den Ball nach einem gewonnenen Zweikampf dann doch nicht zum Mitspieler. Letztlich aber taten die beiden VfB-Angreifer doch das, was von Stürmern eben auch erwartet wird: Sie strahlten Torgefahr aus. Alleine 13 Torabschlüsse gingen auf das Konto des Duos, viele davon mit dem Kopf. „Diese Größe und Wucht zu verteidigen ist nicht einfach“, sagte auch der Augsburger Coach Enrico Maaßen. Und Pfeiffer selbst bekundete offen, sich an der Seite eines zweiten Stoßstürmers ziemlich wohlgefühlt zu haben: „Es hat Spaß gemacht. Mit Serhou vorne hatte ich genauso einen Brocken wie mich.“

Nun sind die besten Kopfballspieler der Welt natürlich aufgeschmissen, wenn sie nicht mit präzisen Vorlagen gefüttert werden. Hier liegt ein zentraler Schlüssel zum Funktionieren des Stuttgarter Sturmduos: Borna Sosa nähert sich nach monatelangen Adduktorenbeschwerden seiner Top-Form. Elf Flanken schlug er gegen Augsburg – ein immenses Pensum, das sich aber nicht auf die reine Quantität reduzieren lässt: Fast immer fand er auch den Mitspieler, neun Torschüsse resultierten am Samstag aus Sosa-Flanken. Oft waren es eben Guirassy oder Pfeiffer, die zum Abschluss kamen.

VfB-Trainer Michael Wimmer will sich nicht auf das Sturmduo festlegen

Ist damit die Zeit der Experimente im Stuttgarter Sturm nach dem Abgang von Sasa Kalajdzic beendet? Auf den ersten Blick spricht vieles dafür, auch künftig auf das gut harmonierende Trio aus dem Augsburg-Spiel zu setzen. Und damit auf eine Spielweise, das eher auf Hereingaben von außen als auf überfallartige Konter angelegt wäre.

VfB-Trainer Michael Wimmer aber will sich nicht festlegen – und zählt prompt alle anderen Profis aus seinem Kader auf, die im Sturm spielen könnten. Silas Katompa, Tiago Tomas, Juan Perea, Thomas Kastanaras. „Wir haben im Sturm schon Qualität und können flexibel sein“, sagt Wimmer. Diese Flexibilität könnte vor allem gegen spielstarke Teams gefragt sein, die auch mal Räume zum Kontern anbieten und nicht wie die Augsburger auf mannorientiertes Verteidigen über weite Teile des Feldes setzen. Dann wäre Tempo statt Robustheit gefragt.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass in der bisherigen Saison im Stuttgarter Sturmzentrum eigentlich nur groß gewachsene Stoßstürmer so richtig funktionierten – Silas und Tomas suchten in ihren Einsätzen in der Spitze dagegen meist vergeblich die Bindung zum Spiel. Es überrascht daher nicht, dass beim VfB die wuchtige Doppelspitze aus dem Augsburg-Spiel eine ernsthafte Option bleibt. „Natürlich“, sagt Wimmer, sei das ein Modell, das künftig funktionieren könne. Gleich an diesem Freitag (20.30 Uhr) im Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach? In der Besprechung von Gladbach-Coach Daniel Farke werden die Namen Guirassy und Pfeiffer wohl ziemlich sicher fallen.