Sie sind ein wichtiger Teil der Kultur des Fußballs: Fans. Sie sind es, die einen Club und seine Größe ausmachen. Grund genug, uns einmal den Anhängern des VfB Stuttgart genauer zu widmen. Dieses Mal: Groundhopper Freeezy, der Spielefresser.
Fußball ist Kulturgut, Fußball ist ein Lebensgefühl, Fußball ist ohne seinen wichtigsten Bestandteil nichts: Fußballfans und Fankultur machen den Sport, der in vielen Ländern dieser Welt den Ton angibt, erst zu dem, was er ist: die wichtigste Nebensache der Welt. Für Felix Hoffmann, Spitzname „Freeezy“ ist es sogar noch ein wenig mehr. Der Sport ist für ihn immenser Bestandteil seines Lebens, ja fast dessen Inhalt. Der 25-Jährige aus Stuttgart frisst Fußballspiele – im sprichwörtlichen Sinne. Der VfB-Fan ist Groundhopper. So nennt man Fußballfans, die Spielstätten sammeln, also möglichst viele verschiedene Stadien schon mindestens einmal besucht haben.
Groundhopper sammeln Fußballspiele wie andere Ansichtskarten
Groundhopper gibt es in mehreren Stilrichtungen. Die einen sammeln Highlight-Spiele, also besonders wichtige oder brenzlige Partien wie beispielsweise Derbys. Andere suchen nach dem Kick der besonders schwer erreichbaren Stadien oder sammeln vornehmlich Amateurspiele und -stätten. Wieder andere legen besonderen Wert auf eine vielfache Anzahl an „Länderpunkten“, wollen also Spiele in möglichst vielen Ländern besuchen. Insgesamt 210 Länder oder Landesverbände erkennt der Weltverband Fifa an – da kann man eine ganze Menge Spiele sehen. Für alle Groundhopper gilt derweil der Grundsatz: Der Weg ist das Spiel. Es geht ihnen um das Gesamterlebnis, nicht nur um das reine Fußballspiel.
Hoffmann zählt sich zu keiner speziellen Gruppe seiner Gattung. „Ich schaue schon: Wo gibt es interessante Spiele? Wie kann ich mehrere Spiele in einer Reise kombinieren? Wo gibt es Derbys? Wo könnte besondere Spannung zu erleben sein?“, so der Stuttgarter. Dabei ist es ihm egal, ob es ein Amateurspiel, eine VfB-Partie oder eine Begegnung zwischen Nationalmannschaften ist. Hauptsache Fußball. So hat alles auch für ihn angefangen. Anfangs fuhr er mit seinem Dorfverein mit, dann mit dem VfB auswärts, dann kam der Blick über den Tellerrand. Insbesondere Italien übte zu Beginn einen besonderen Reiz auf ihn aus. „Die leben Fußball dort einfach anders viel intensiver“, so Hoffmann. Da kommt über die Jahre einiges zusammen. Stand Mitte Dezember 2024 hat „Freeezy“, wie ihn alle kennen und nennen, 2368 Spiele in 1905 Stadien in 62 Ländern gesehen. Das ist ein stabiler Kurs, bedenkt man, dass Hoffmann seinem Hobby gerade einmal erst ein paar Jahre frönt. Mindestens drei Spiele pro Wochenende dürfen es seither schon sein.
Felix Hoffmann kündigte seinen Job für eine Fußball-Weltreise
Damit dies überhaupt für ihn machbar ist, hat Hoffmann zum Jahresende 2023 seinen Job als Bankkaufmann gekündigt. Seither ist er auf Reisen in Sachen Fußball. Er begann im Januar 2024 in Südamerika, über Mittelamerika arbeitete er sich bis nach Florida hoch, das Finale der Copa America im Juli, der EM-Variante aus Übersee, stellte ein absolutes Highlight für ihn dar. Argentinien mit Messi krönte sich gegen Kolumbien in Miami zum Titelträger. Danach brach Hoffmann seine Weltreise ab, kam nach Europa zurück. Der Grund? Trägt Brustring. „Dass sich der VfB für die Champions League qualifiziert hat, durchkreuzte meine Pläne. Aber sind wir doch ehrlich: Königsklasse mit dem VfB, das kann ich mir doch nicht entgehen lassen“, sagt Hoffmann und lacht. Bei allen bisherigen Auswärtspartien in Madrid, Turin und Belgrad war er natürlich vor Ort.
Während dieser Artikel entsteht, ist Hoffmann im sogenannten Mutterland des Fußballs. Die App „Futbology“, eine von diversen mobilen Anwendungen, die Groundhopper zur Dokumentation ihrer Reisen und Spiele nutzen, weist die Partie West Ham United gegen Wolverhampton Wanderers als die letzte aus, die er besucht hat. Bereits zwei Tage später wartet die VfB-Partie gegen Young Boys Bern auf ihn. Wie lange er das alles noch machen will, seinem Hobby in derartiger Intensität frönen, weiß Hoffman nicht. „Vielleicht kommt irgendwann der Zeitpunkt“, so Hoffmann, der das auch vom VfB Stuttgart abhängig macht. Wenn sich die Schwaben für die K.o.-Phase der Königsklasse qualifizieren, hat das für ihn Priorität. Wenn nicht, ist auch ein Asientrip denkbar. Schließlich fehlt ihm dieser Kontinent noch komplett in seiner verrückten Sammelvita.