Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke stand am Freitagabend im Fokus der Fankritik. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Rund um das Heimspiel gegen Union Berlin wird Unmut über den Investor und seinen Finanzvorstand Lutz Meschke laut, worauf nun auch der Vorstand der VfB AG reagiert. Die Hintergründe.

Dass beim VfB Stuttgart Teile der Fans dem Einstieg von Porsche als Investor kritisch gegenüberstehen, ist schon länger kein Geheimnis mehr. Beim Heimspiel gegen Union Berlin (3:2) am Freitagabend kam das Thema erneut auf – in Form von mehreren Protestplakaten, die Mitte der ersten Hälfte in der Cannstatter Kurve in die Höhe gingen und sich gegen den Finanzvorstand des Sportwagenbauers Lutz Meschke richteten. Dessen Einfluss, so die Forderung, solle beschränkt und nicht ausgebaut werden.

 

Der Kontext: Meschke ist seit dieser Woche nicht mehr nur Mitglied im Aufsichtsrat der VfB AG, sondern nach Informationen unserer Redaktion auch Teil des Präsidialausschusses. Diese schnelle Eingreiftruppe des Kontrollgremiums kommt unter anderem bei kurzfristigen Entscheidungen von großer Tragweite zusammen. Bei wichtigen Transfers mit großem Volumen oder bei Trainerentlassungen zum Beispiel.

Lutz Meschke ist seit Neuestem Teil des Präsidialausschusses im Aufsichtsrat. Foto: imago//Arnulf Hettrich

Neben Meschke gehören dem Ausschuss noch Interimspräsident Dietmar Allgaier und Präsidiumsmitglied Andreas Grupp sowie der Investorenvertreter Peter Schymon von Mercedes-Benz an. Beide Autobauer halten rund zehn Prozent der Anteile an der VfB AG, weshalb Porsche auf Augenhöhe gepocht hatte.

Nun hat sich auch der Vorstand der VfB AG zu der Angelegenheit geäußert. Porsche dürfe aus Sicht des Vorstands als Anteilseigner die gleichen Rechte wie Mercedes-Benz beanspruchen – was inzwischen auch umgesetzt sei durch den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitz für Meschke sowie in den Rollen der Geschäftsordnung.

VfB-Vorstandschef Alexander Wehrle lobt Porsche

Zudem sei es „vollständig und unzweifelhaft“ der Fall, dass der VfB e. V. als Hauptanteilseigner der AG immer die Mehrheit, Deutungshoheit und Beschlussfähigkeit besitze. Zum Hintergrund: Das grüne Licht vom Ligaverband DFL mit Blick auf die 50+1-Regelung kam, da der Präsident über eine Doppelstimme verfügt und die beiden Vertreter des e. V. (Allgaier und Grupp) damit nicht von den beiden Investorenvertretern (Meschke und Schymon) überstimmt werden können.

VfB-Vorstandsboss Wehrle betont in dem Statement zugleich die Bedeutung des Autobauers: „Es ist für mich klar: Der VfB wäre ohne den Einstieg von Porsche heute nicht da, wo er ist.“ Man könne sich glücklich schätzen, einen so starken Partner an der Seite zu haben: „Porsche bekennt sich zum VfB, zur Region, zur Jugendförderung und zu 50+1.“ Kontroverse Diskussionen, so Wehrle, gehörten aus seiner Sicht zu einem Traditionsverein wie dem VfB dazu. Porsche selbst hat sich zu den Protestplakaten bislang nicht geäußert. Sicher ist: Das Thema wird den VfB auch in Zukunft weiter beschäftigen.