Die Abgeschiedenheit der Berge auf Mallorca suchten Trainer Jürgen Kramny und seine VfB- Kicker. Foto: Eibner

Fußball: Der VfB darf sich in Bremen keine Niederlage erlauben.

Die einen kommen von der Insel, die anderen aus der Provinz, und beide wollen sie den Gang in die Hölle vermeiden.

Im ersten Montagsspiel der Fußball-Bundesliga seit 16 Jahren trifft Werder Bremen heute Abend auf den VfB Stuttgart (20.15 Uhr/Sky), der 17. der Tabelle (31 Punkte) empfängt den 15. (33), es geht ums nackte Überlegen – und deshalb ist das Ziel klar: "Wir müssen gewinnen", sagt Bremens Sportchef Thomas Eichin. Stuttgarts Trainer Jürgen Kramny erwidert: "Wir brauchen Punkte."

"Wir können es aus eigener Kraft schaffen

Weil die Stuttgarter aber schon zwei Zähler mehr haben als die Bremer, sehen sie sich zunächst mal im Vorteil: "Wir können es aus eigener Kraft schaffen, und das ist positiv", sagte Kramny am Sonntag. Allerdings sah und sieht er sich genötigt, seine Spieler nach zuletzt blutleeren Auftritten und nur einem Sieg und sechs Punkten aus den vergangenen sechs Spielen in die Pflicht zu nehmen: "Jetzt gilt es, da zu sein, richtig da zu sein, sich zu wehren, mit jeder Faser des Körpers." Zur Vorbereitung auf das Spiel suchten beide noch mal Ruhe und Abgeschiedenheit. Die Stuttgarter jetteten in der vergangenen Woche dafür mal eben von Mittwoch bis Freitag nach Mallorca, nach Llucmajor im Inneren der Insel. "Da konnte man nicht mehr tun als schlafen, essen, trainieren und Pflanzen anschauen", sagte Kramny. Die Reise soll mal so eben 15 000 Euro gekostet haben. Aber, versichert Kramny: "Die Trainingseinheiten waren wertvoll, die Gespräche waren wertvoll." Kramny hatte außerdem eine weitere und durchaus kuriose Begründung für den Trip im Angebot: Statt der erhofften 4000 werden es wohl nur ein paar versprengte Stuttgarter Anhänger sein, die ihre Mannschaft im Weserstadion unterstützen, die Ultras boykottieren das Spiel gleich ganz. "In Bremen werden nicht viele Fans dabei sein, deswegen haben wir uns schon mal abgeschottet", denn: "Wir müssen uns auf uns konzentrieren uns auf uns verlassen", sagte Kramny. Fehlen wird dem VfB heute Abend weiterhin Kevin Großkreutz, der nach seinem Muskelbündelriss allerdings wieder im Training ist.

Auch Werder gönnte sich einen Tapetenwechsel, machte es aber billiger. Die Bremer fuhren am Samstag für zwei Nächte ins niedersächsische Verden. Die Mannschaft hatte dafür plädiert, "wir wollen enger zusammenrücken, darauf kommt es jetzt an", sagte Trainer Viktor Skripnik. Alle wüssten, ergänzte Kapitän Clemens Fritz, "dass uns jetzt nur der Zusammenhalt und der Wille weiterhelfen". Für beide Mannschaften wäre es der zweite Abstieg aus der Bundesliga. Stuttgart musste 1975 für zwei Jahre runter, Bremen 1980 für nur ein Jahr.

Auch sonst sind sie Brüder im Geiste, in den vergangenen Jahren entwickelten beide Vereine schon eine gewisse Routine im Kampf gegen den Abstieg. Dabei spielte Stuttgart 2012/2013 noch Europa League, Bremen 2010/2011 noch Champions League. "Die Nerven werden die entscheidende Rolle spielen", glaubt Eichin, Skripnik allerdings ist sich sicher, "dass wir keine Angst haben, Respekt vor dem Gegner ja, Angst nein". Ein bisschen Angst um Werder ist aber allemal angebracht: 31 Punkte nach 31 Saisonspielen, das ist die schlechteste Bilanz der Vereinsgeschichte. – Voraussichtliche Aufstellungen: Bremen: Wiedwald – Gebre Selassie, Vestergaard, Djilobodji, Santiago Garcia – Fritz, Grillitsch – Yatabaré, Junuzovic, Bartels – Pizarro. Stuttgart: Tyton – Schwaab, Niedermeier, Barba, Insua – Rupp, Gentner – Harnik, Didavi, Kostic – Timo Werner.