Nach intensiven Trainingstagen seit dem 12. Dezember steht nun der Re-Start der Bundesliga bevor. Ist der VfB Stuttgart gewappnet? Wo muss das Team noch zulegen? Wer hat seine neue Chance genutzt?
Der Gegner habe es gut gemacht. Der Gegner habe nach der Pause eine komplett neue Elf gebracht. Und insgesamt sei er froh, sagte Bruno Labbadia, „über diesen guten Test“. Doch war dem Trainer des VfB Stuttgart auch anzusehen: Wirklich zufrieden und glücklich war er nicht nach dem 0:2 gegen Sparta Prag.
Die zweite Niederlage im dritten Testspiel unter dem neuen Coach setzte den Schlusspunkt unter eine anstrengende und intensive Zeit, seit Labbadia mit seinem Trainerteam die VfB-Mannschaft am 12. Dezember übernommen hat. Insgesamt ist man froh über das bisher Erreichte, auch damit, dass die Mannschaft gut mitgezogen hat. Nun geht der Blick auf den nächsten Samstag.
Gegen den 1. FSV Mainz 05 steht der Re-Start der Bundesligasaison an – und vor dem Wiederbeginn begleiten den VfB Stuttgart noch viele Themen. Wir nennen die wichtigsten.
Die Spieler und die neue Chance
Pascal Stenzel hat alle Trainingseinheiten unter Bruno Labbadia mitgemacht. Entsprechend hoch steht er bei dem neuen Trainer im Kurs. Weil Labbadia den Fleiß und die Zuverlässigkeit des 26-Jährigen schätzt. Unter Pellegrino Matarazzo war das nicht anders, doch da der ehemalige Coach in der Abwehr auf eine Dreierkette setzte, blieb Stenzel häufig nur ein Platz auf der Bank. In der Viererkette ist er dagegen ein festes Glied, weil Labbadia zunächst darauf schaut, welche Spieler die ersten Partien mit englischen Wochen überhaupt körperlich durchstehen können.
Stenzel zählt zu den aktuellen Stabilisatoren – und Nikolas Nartey ist auf dem besten Wege dazu, eine wichtigere Rolle zu spielen als bisher. Der Däne überzeugte während der Tage in Marbella als Linksverteidiger. Das gibt dem Trainer eine weitere Option. Im Mittelfeld wurde Nartey ebenfalls eingesetzt. Auf dieser Position agierte er schwächer. Seine Vielseitigkeit und Zweikampfstärke spricht im Moment für den 22-Jährigen, der schon häufiger durch Verletzungen gebremst wurde. Zudem hat der spielstarke Enzo Millot auf sich aufmerksam gemacht. Die Frage wird nun sein, wie offensiv Labbadia aufstellen will.
Das Problem der Kommunikation
Der Unterschied war sofort zu hören. Die Spieler von Sparta Prag kommunizierten lautstark untereinander, um sich gegenseitig zu unterstützen. Beim VfB gab vor allem ein Mann die Kommandos: Atakan Karazor. Der defensive Mittelfeldspieler ist bei den Stuttgartern derjenige, der seine Mitspieler dirigiert und auch antreiben soll. „Komm Ata, pusch noch einmal alle“, forderte der Rechtsverteidiger Pascal Stenzel den 26-Jährigen während der Begegnung mit dem tschechischen Team auf. Das spricht Bände. Denn ansonsten gehört noch der Abwehrspieler Waldemar Anton zu den Profis, die den Mund aufmachen.
„Wir müssen mehr miteinander reden“, sagte der Trainer Bruno Labbadia – wohl wissend, dass er aus der leisen Mannschaft keine laute mehr machen wird. Über diese Charaktere verfügt er im Moment nicht. Doch vor allem in Phasen, in denen es nicht läuft, braucht der VfB Führungskräfte, die zu hören sind. Das Trainingslager sollte unter anderem dafür genutzt werden, außerhalb des Platzes mehr Gespräche anzuregen – damit es auf dem Rasen besser klappt.
Das lahmende Offensivspiel
Was soll man nun von dieser Offensive halten? Im Test gegen den FC Luzern spielte der VfB beim 3:0 alle Treffer gut heraus, beim 0:2 gegen die Prager kamen die Stuttgarter Stürmer kaum zum Zug. Vor allem Serhou Guirassy wurde zu wenig eingesetzt. „Wir müssen das Spiel miteinander weiter verbessern“, sagte Bruno Labbadia. Der Trainer ließ deshalb in Marbella offensive Abläufe üben und fordert mehr Zielstrebigkeit vor dem Tor. Doch Labbadia weiß auch: „Das ist das Schwierigste.“
Silas Katompa und Tiago Tomas vervollständigen über die Außenpositionen den VfB-Angriff. „Hohe individuelle Qualität“ sieht zum Beispiel der Mainzer Coach Bo Svensson in diesen Spielern. Doch sowohl Silas als auch Tomas benötigen Räume für ihre Aktionen und Dribblings. Bei der Generalprobe erhielten sie diese nicht. „Uns hat die Frische und Kreativität gefehlt“, erklärte Labbadia, der den Spielern nun zwei Tage Erholung gönnt, um vor dem Re-Start an der sogenannten Spritzigkeit der Spieler zu arbeiten.
Die Intensität der kommenden Wochen
„Wir haben viel Input gegeben“, sagte Labbadia zum Ende des Trainingslagers in Marbella – und kündigte eine regenerative Phase an: „Entwicklung entsteht nur durch eine gewisse Ruhepause jetzt. Sonst wird das nicht funktionieren.“ Das Wochenende haben die Profis frei, am Montag geht es weiter – mit einem trainingswissenschaftlichen Drahtseilakt. Labbadia will Defizite weiter aufarbeiten, alle Spieler auf einen guten athletischen Stand bringen. Mit Blick auf den Auftakt gegen Mainz 05, das zeigte das 0:2 gegen Sparta Prag, benötigt er aber mindestens 15, 16 frische Spieler. Und danach stehen gleich zwei englische Wochen mit weiteren vier Spielen an. Da wird es viel Differenzierung im Trainingsbetrieb geben müssen.
Wichtig wird sein, dass die Spieler auch weiterhin das intensive Programm Labbadias annehmen. In Marbella war der Coach damit zufrieden, die Atmosphäre trotz der Anstrengungen gut. Ein Nachlassen kann sich der VfB nicht leisten.
Die klaren Ansagen und ihre Folgen
Labbadia ist ein Mann klarer Kommunikation – im Guten wie im Schlechten. „Rumgeeiere“ mag er nicht, also macht er lieber früher als später klare Ansagen. Daran müssen sich die Spieler gewöhnen – und die richtigen Schlüsse ziehen: nicht zurückziehen und sich beleidigt verkriechen. Sondern lieber noch mehr Gas geben. In Marbella traf die Kritik des Coachs Tanguy Coulibaly und Lilian Egloff.
Der Franzose zeigte einige unprofessionelle Aktionen und wurde vom Trainer einmal vorzeitig zum Duschen geschickt. Von Egloff erwartet Labbadia, dass das Talent „eine Schippe“ an Engagement und Fleiß zulegt. Im Testspiel gegen Sparta Prag war er außen vor. Danach betonte Labbadia aber auch: „Wir brauchen alle in den kommenden Wochen und Monaten.“ Es wird neue Chancen geben – die Coulibaly und Egloff nutzen sollten.
Die fehlenden Verstärkungen
Die Ansprüche sind hoch, die Kasse eher weniger gut gefüllt. Das passt nicht so recht zusammen. Dennoch will sich der VfB für die kommenden Monate verstärken. „Wir werden keine Kompromisse machen“, sagte jüngst der Sportdirektor Fabian Wohlgemuth im Gespräch mit unserer Zeitung. Soll heißen: Wenn ein potenzieller Neuzugang nicht Erfahrung einbringt, Stabilität verspricht, sofort weiterhilft und andere besser macht, wird der Club dafür kein Geld ausgeben. Vor allem im Visier ist ein zentraler, defensiver Mittelfeldspieler.
Das Problem: Noch hat der neue Sportdirektor einen solchen Profi, der auch noch bezahlbar ist, nicht gefunden. Ob das bis zum Ende der Transferperiode gelingt, ist fraglich. Bedeutet: Vorerst muss es der Kader, der in den bisherigen 15 Saisonspielen Platz 16 erreicht und erst drei Siege gefeiert hat, richten. Verletzungen und kleinere Blessuren haben diese Gruppe zuletzt immer wieder dezimiert.
Die Angeschlagenen
Bruno Labbadia rechnet zum Auftakt der Trainingswoche am Montag noch nicht mit Borna Sosa. Der Kroate hat sich während des Trainingslagers ja in München aufgehalten, um fit gemacht zu werden. Hartnäckige Adduktorenprobleme plagen ihn. Nun ist es so, dass der WM-Teilnehmer konditionell sicher nicht bei null anfangen muss, wenn er zurückkehrt, aber die fußballspezifischen Belastungen und Bewegungen fehlen Sosa noch. Der Trainer ist deshalb vorsichtig mit Prognosen, wann der 24-Jährige wieder zur Verfügung stehen wird.
Ähnlich verhält es sich bei Dan-Axel Zagadou. Ein doppelter Bänderriss im rechten Sprunggelenk hat den Aufschwung des Abwehrspielers in Marbella jäh gestoppt. Vier Wochen Pause sind wohl angesagt. In der Innenverteidigung musste Labbadia deshalb umplanen. Trainingsrückstand weisen zudem Chris Führich, Konstantinos Mavropanos und Josha Vagnoman aus. Sie verpassten in Stuttgart einen Großteil der Vorbereitung und sind nun dabei aufzuholen. Führich belebte gegen Sparta die Offensive, Mavropanos musste 90 Minuten ran, Vagnoman spielte 45 Minuten lang als Linksverteidiger – auf seiner angestammten rechten Seite hat ihn der Trainer noch nicht aufstellen können.