Bayerns Sportvorstand Max Eberl lässt sich bei Nick Woltemade weiter Spielraum. Was Transfer-Experte Michael Reschke, der für VfB und FCB arbeitete, verstehen kann.
Es bleibt bis auf weiteres dabei: Die Personalie Nick Woltemade, der trotz eines Vertrages bis 2028 beim VfB Stuttgart weiterhin allzu gerne schnellstmöglich für den FC Bayern München auflaufen würde, ist nicht final geklärt. Jetzt hat sich der FCB-Sportvorstand Max Eberl zu Wort gemeldet.
„Wir haben, glaube ich, genug dazu gesagt. Wir haben uns um den Spieler bemüht, Stuttgart hat nicht signalisiert, reden zu wollen. Damit ist die Sache für uns vom Tisch“, sagte Eberl nach dem klaren 4:0-Erfolg der Münchner in einem Testspiel gegen Tottenham Hotspur: „Mehr möchte ich dazu momentan nicht sagen.“
Auch ein Ablöse-Angebot von zuletzt rund 55 Millionen Euro der Bayern für den 23-jährigen Nationalstürmer hatte auf den VfB keinen Eindruck gemacht. Allerdings hegt das Woltemade-Lager um den Berater Danny Bachmann weiterhin die Hoffnung, dass es mit dem Wechsel in diesem Sommer doch noch klappt. Meldungen, man habe dem FCB gar ein Ultimatum bis zu diesem Wochenende gestellt, dementierte Bachmann wenig später.
Und auch Eberl lässt sich im Stile eines gewieften Transfer-Taktikers noch ein Hintertürchen offen: „Einen Stopp gibt es bis zum 1. September nicht. Da ist immer irgendwie Bewegung“, sagte der 51-Jährige mit Blick auf die Transferaktivitäten der Bayern in diesem Sommer – die insgeheim weiter auch Woltemade beinhalten dürften: „Wir sind aber erstmal in der Vorhand. Wir sind ruhig, wir haben unseren Kader stehen und schauen uns an, was passiert.“
Ein Faktor dabei könnte die Frage sein, wie die Münchner in die Saison starten – verbunden mit der Frage, ob im Sturm trotz der Verpflichtung des bisher stark aufspielenden Luis Diaz (kam für 70 Millionen Euro vom FC Liverpool) noch nachgebessert werden muss.
Zuvor wird es am kommenden Samstag, 16. August (20.30 Uhr), in der Stuttgarter MHP-Arena nach aktuellem Stand zu einem pikanten Duell kommen. Denn da trifft der VfB als Pokalsieger mit Nick Woltemade, dem zuletzt 17 Treffer in 33 Spielen für die Stuttgarter gelangen, im DFL-Supercup auf den Meister aus München.
Ein Spiel, das auch Michael Reschke mit Interesse verfolgen wird. Zwischen den Jahren 2017 und 2019 ist der Rheinländer der Sportvorstand beim VfB gewesen – zuvor arbeitete der heute 67-Jährige drei Jahre lang als Technischer Direktor für die Münchner.
Zum Fall Woltemade hat Reschke, der nicht mehr aktiv ins Fußballgeschäft involviert ist, eine klare Meinung. „Grundsätzlich kann ich die Sicht- und Verhaltensweisen beider Clubs verstehen“, sagte Reschke dem Online-Portal „Watson“: „Sich um Woltemade intensiv zu bemühen, ist praktisch Pflicht für den FCB. Logisch aber auch, dass der VfB ihn behalten will – es sei denn, es kommt ein außergewöhnliches Angebot.“
Dass es der VfB nicht zu Verhandlungen mit den Bayern kommen lässt, erklärt sich für Reschke mit der „absoluten Überzeugung“, welche das Stuttgarter Lager mit Vorstandschef Alexander Wehrle, Sportchef Fabian Wohlgemuth und Trainer Sebastian Hoeneß an der Spitze mit Blick auf die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Woltemade besitze. Obendrein sagt Reschke: „Machen wir ein kleines Gedanken-Experiment: Wenn ein anderer Club derart offensiv in der Öffentlichkeit um einen Bayern-Star, den man nicht abgeben will, buhlen würde, würden die Bayern öffentlich noch aggressiver dagegenhalten. Da bin ich mir sicher.“