Auch bei den beiden Nationalspielern Maximilian Mittelstädt (li.) und Chris Führich läuft gegen Mainz wenig nach Plan. Foto: Baumann

Mit nur einem Punkt nach zwei Spielen legt der VfB Stuttgart durch das 3:3 gegen den FSV Mainz 05 einen Stotterstart hin. Dabei hapert es an vielen Ecken und Enden. Doch viel Zeit zur Feinabstimmung hat der Trainer Sebastian Hoeneß nicht.

Weil Profifußball ja auch Unterhaltung ist, darf sich der VfB Stuttgart zunächst ein dickes Plus auf der Habenseite notieren. Schließlich ist seinem Publikum in der mit 59 000 Zuschauern voll besetzten MHP-Arena bei dem turbulenten 3:3 (2:1) gegen den FSV Mainz zu keinem Zeitpunkt langweilig geworden.

 

So gab es auf dem Spielfeld im ersten Heimspiel der Saison durch die drei VfB-Treffer von Enzo Millot (8.), Jamie Leweling (15.) und Fabian Rieder (88.) sowie den Dreierpack der Gäste von Nadiem Amiri (43./Foulelfmeter), Jonathan Burkardt (62.) und Maxim Leitsch (90.+4) ein stetes Hin und Her mit viel Dramatik zu bestaunen. Dabei sah der VfB in der 88. Minute durch den Freistoß des Schweizer Neuzugangs Rieder schon wie der glückliche Sieger aus – um dann tief in der Nachspielzeit doch noch den entscheidenden Nackenschlag hinnehmen zu müssen. Es war also nichts für schwache Nerven.

Weil der Profifußball in erster Linie aber ein Ergebnissport ist, verließ der weiß-rote Anhang nach dem Abpfiff mit ein paar Sorgenfalten mehr auf der Stirn die Arena. Lediglich einen Zähler hat der VfB nun nach den ersten beiden Bundesligapartien auf dem Konto. „Das ist für uns zu wenig und nicht der Output, den wir uns erhofft haben. Aber die Richtung stimmt“, sagte der Stuttgarter Trainer Sebastian Hoeneß, weil dieses wilde 3:3 vor der Länderspielpause im Vergleich zum Liga-Saisonstart mit dem 1:3 in Freiburg tatsächlich eine Steigerung war.

Dennoch hat der Vizemeister seinen Start irgendwie vermurkst. Für das große Wehklagen ist es aber bei weitem zu früh. Auch, weil der völlig indisponierte Schiedsrichter Timo Gerach seinen Anteil am Verlust der zwei Stuttgarter Punkte hatte.

Doch wer wie die Stuttgarter in zwei Spielen sechs Gegentore kassiert und es nicht schafft, eine zweimalige Führung nach Hause zu schaukeln, der muss sich Fragen gefallen lassen. „Die Stabilität der Mannschaft wird sich erst noch entwickeln“, sagte der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. Tatsächlich wackelt es beim Vizemeister an einigen Ecken und Enden.

Die Abwehr Erneut hat der VfB drei Gegentore bekommen. Und wäre der Torhüter Alexander Nübel nicht gewesen, der etwa gegen Burkardt und Amiri in der ersten Hälfte glänzend parierte, es wäre schlimmer gekommen. Dabei ist das Durcheinander in der Hintermannschaft gar nicht mal zuvorderst den beiden Innenverteidigern anzulasten. Jeff Chabot spielte stabil und gut, genauso wie sein Nebenmann, der junge Anrie Chase, der sich aber vor dem zweiten Mainzer Treffer einen fatalen Fehlpass leistete. Zudem wird ein Abwehrlenker vom Format des nach Dortmund abgewanderten Ex-Kapitäns Waldemar Anton bislang vermisst. Vor allem auf den Außenpositionen wie auch im defensiven Mittelfeld wurde obendrein schwach verteidigt. Der Neuzugang Ameen Al-Dakhil, die Rekonvaleszenten Dan-Axel Zagadou, Leonidas Stergiou, Anthony Rouault sowie ein Josha Vagnoman in Normalform sind daher willkommene Alternativen.

Die Leistungsabfäll e Das Szenario erinnerte an die Freiburg-Partie. Erneut gab der VfB nach starkem Beginn und diesmal einer 2:0-Führung das Heft des Handels aus der Hand. „Wir waren nicht immer sattelfest“, sagte Fabian Wohlgemuth. Das lag zum einen daran, dass die linke Seite mit den Nationalspielern Maximilian Mittelstädt und Chris Führich, die beide ein wenig müde wirkten, nicht wie gewohnt funktionierte.

Auch der Kapitän Atakan Karazor und sein Nebenmann auf der Sechs, der erstmals für die DFB-Elf nominierte Angelo Stiller, kamen nicht richtig auf Touren. „Wir waren die bessere Mannschaft“, sagte Offensivspieler Jamie Leweling, „aber wir waren nicht erwachsen genug.“

Die fehlenden Abläufe Mit Blick auf die Länderspielpause schlagen bei seinem Trainer Sebastian Hoeneß zwei Herzen in einer Brust. „Einerseits habe ich den Impuls, dass ich gleich weitermachen möchte“, sagte der Coach: „Andererseits haben wir personelle Engpässe.“ Tatsächlich sind neben den Verletzten auch die Neuzugänge wie der eingewechselte Stürmer El Bilal Touré oder Innenverteidiger Ameen Al-Dakhil, der noch nicht komplett fit ist, weiterhin nicht integriert. Auch mit den EM-Fahrern gab es bislang nicht ausreichend Trainingseinheiten, um an der Feinabstimmung zu feilen. So ist vieles im VfB-Spiel noch unreif.

Der Terminkalender Die Stuttgarter stellen jetzt ein Champions-League-Team – also klopft die Zukunft gnadenlos an die Tür. So muss der Club in der Länderspielpause allein an die deutsche Nationalelf fünf Spieler abstellen. Auch danach geht es ohne Pause weiter – mit den schweren Bundesligapartien in Gladbach und gegen Dortmund. Zwischen diesen Spielen wird dann das Filet serviert: Am 17. September geht es im ersten Spiel der Königsklasse zu keinem Geringeren als dem Champions-League-Titelverteidiger Real Madrid.