Der Bundesligavierte benötigt bei Eintracht Frankfurt Stabilität, um die Champions League zu erreichen. Drei Stuttgarter tun sich dabei besonders hervor – was sich auswirkt.
Er ist der Fels in der Abwehrbrandung. Julian Jeffrey Gaston Chabot, 1,95 Meter groß, 95 Kilogramm schwer und für die Gegner unendlich kantig in seiner Spielweise. Hart und unnachgiebig. An ihm gibt es kaum ein Vorbeikommen. Vielmehr zerschellen die Angreifer regelmäßig an Jeff Chabots durchtrainiertem Körper, was die Zweikampfwerte verdeutlichen.
Der 28-Jährige gewinnt knapp 66 Prozent seiner direkten Duelle. Damit gehört er zu den Topten-Profis in der Bundesliga. Und lieferte den Hauptgrund, warum Patrik Schick von Bayer Leverkusen zuletzt die Flucht vor dem Innenverteidiger des VfB Stuttgart ergriff. Der Mittelstürmer versuchte rechts oder links von Chabot ins Spiel zu kommen. Nur: da wurde es für den Tschechen nicht besser, weil er Ramon Hendriks oder Maximilian Mittelstädt begegnete, zwei weiteren Mentalitätsspielern, die sich über Abwehraktionen definieren.
Nun werden an diesem Samstag (15.30 Uhr) der flinke Arnaud Kalimuendo oder der schnelle Jonathan Burkardt von Eintracht Frankfurt auf die letzte Stuttgarter Verteidigungsreihe zustürmen. Vielleicht sogar beide gemeinsam. „Die Frankfurter verfügen in der Offensive über viele personelle Möglichkeiten. Das ist eine ihrer Stärken“, sagt Sebastian Hoeneß. Der VfB-Trainer hat aber selbst genug Auswahl, um eine Dreier- oder Viererkette zu knüpfen. Zumal Finn Jeltsch wieder einsatzbereit ist.
Hoeneß kann zudem auf ausreichend Qualität zurückgreifen, um dem hessischen Sturm mit seinen bislang 59 erzielten Toren zu begegnen. Chabot zählt dabei zu den Stabilisatoren im Team. Ruhig in seiner persönlichen Art, aber kämpferisch auf dem Feld. Mit ihm im Zentrum gewann die VfB-Abwehr nach Hendriks anfänglichem Fehler gegen den Rivalen aus dem Rheinland schnell an Sicherheit.
Das war notwendig. Denn trotz der hohen Stuttgarter Spielkunst bildet eine starke Defensive die Basis, um nach dem 3:1 gegen Bayer auch diesmal im Liga-Finale zu bestehen. „Wir stehen im Prinzip vor einer ähnlichen Aufgabe wie vor der Partie gegen Leverkusen. Es geht, wie so oft, um alles. Die Mannschaft hat nachgewiesen, dass sie in solchen besonderen Druck-Situationen zu liefern im Stande ist“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. Die Qualifikation für die Champions League steht auf dem Spiel – und nur ein Sieg lässt die ersehnte Teilnahme für den Tabellenvierten ganz nahe rücken. Weil die punktgleiche TSG Hoffenheim zumindest theoretisch in Mönchengladbach ja noch die um fünf Treffer schlechtere Tordifferenz aufholen könnte.
Praktisch ist dieses Szenario unwahrscheinlich, weshalb der VfB die Begegnung bei der wieder launischen Diva vom Main erneut wie ein Endspiel angeht. „Für mich ist die mediale Unruhe in Frankfurt nicht relevant“, sagt Hoeneß, „was ich bei der Analyse sehe, sind klare Abläufe im Spiel nach vorne. Und die Eintracht hat zuletzt weniger Gegentore hinnehmen müssen.“
Diesem Trend unter dem Trainer Albert Riera wollen die Stuttgarter energisch entgegen treten. „Der Auftritt gegen Leverkusen hat unser Selbstbewusstsein natürlich gestärkt – und trotzdem ist niemand bei uns in der Gefahr zu glauben, dass uns die Aufgabe in Frankfurt weniger abverlangen würde. Uns erwartet weit mehr, als nur den Ball über die Ziellinie zu drücken. Dessen sind sich alle bewusst. Wir werden uns noch einmal komplett straffen müssen, es geht über den Willen, denn Frankfurt wird uns nichts schenken“, sagt Wohlgemuth.
Die Eintracht strebt mit dem umstrittenen Riera in die Conference League, um die Saison zu retten. Der VfB kann seine Spielzeit dagegen mit dem Einzug in die Königsklasse krönen – und das ein Spiel vor dem DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern eine Woche später in Berlin. Alle Gedanken fokussieren sich jedoch auf Frankfurt. „Dem Trainerteam ist es gelungen, eine positive Dynamik in Gang zu setzen und den wichtigen Spannungsbogen aufzubauen. Ich spüre absolute Entschlossenheit und Vorfreude in der Mannschaft“, sagt Wohlgemuth.
Sowohl der Sportchef als auch der Chefcoach vertrauen dabei auf Abwehrspieler, die sich im Laufe der Saison noch einmal verbessert haben. Chabot zum Beispiel beim Spielaufbau – was den Linksfuß für andere Clubs interessant macht. Auf 15 Millionen Euro beläuft sich sein Marktwert, und wie so oft heißt es an der Mercedesstraße: Kommt ein ernst zu nehmendes Angebot und liebäugelt der Spieler mit einem Wechsel, wird über einen Transfer nachgedacht. Grundsätzlich soll der Innenverteidiger (Vertrag bis 2028) gehalten werden. Weil man weiß, was man an ihm hat – und gleichwertiger Ersatz für Chabot nur schwer zu finanzieren wäre.
Gleiches gilt für Hendriks, der sich zur Stammkraft entwickelt hat und aufgrund seiner 24 Jahre, seiner Schnelligkeit und seiner Zweikampfstärke bereits auf 20 Millionen Euro auf dem Transfermarkt taxiert wird. Auch der Niederländer soll bleiben und im Idealfall in den nächsten Monaten seinen bis 2028 laufenden Kontrakt vorzeitig verlängern. Das würde Hendriks künftig ein höheres Gehalt einbringen und dem VfB womöglich eine höhere Ablösesumme. Und bei Mittelstädt verhält es sich so, dass sich der 29-Jährige mit Arbeitspapier bis 2028 bisher immer klar zum VfB bekannt hat. Mit einer WM-Nominierung für die deutsche Nationalmannschaft könnte aber auch für das dritte Mentalitätsmonster im Trikot mit dem Brustring die Nachfrage steigen.
Doch schafft es der VfB in Champions League, hat der Club sportlich die besten Argumente, um dem Trio weiterhin eine reizvolle Perspektive zu bieten – die Champions-League-Hymne. Um sie nächste Saison zu hören, werden sich Chabot, Hendriks und Mittelstädt in Frankfurt mit Sicherheit voll in die Zweikämpfe hauen.