Als VfB-Legende wieder im Brustring-Trikot: Ioannis Amanatidis Foto: VfB

Im vergangenen Jahr hat der VfB begonnen, seine Legenden-Elf zu professionalisieren. Sie soll bei den Fans für Nahbarkeit und Identifikation sorgen – weil die Profis das nicht mehr schaffen?

Es ist bald 22 Jahre her, dass Ioannis Amanatidis sein Bundesliga-Debüt für den VfB Stuttgart gab. Am 17. August 2002 war das, der Stürmer war damals 20 Jahre alt und kam gegen Hertha BSC für Aleksandr Hleb in die Partie. In 58 Profispielen lief Amanatidis für den VfB auf, seit der C-Jugend war er im Verein. Kürzlich debütierte der ehemalige griechische Nationalstürmer erneut für seinen Jugendverein. In Backnang stand Amanatidis mit den VfB-Legenden auf dem Rasen. Eine Mannschaft aus bekannten und weniger bekannten Ex-VfBlern, die seit einiger Zeit vom Verein einen neuen Anstrich bekommt.

 

„Es ist natürlich etwas anderes als früher, aber es hat Spaß gemacht, die alten Weggefährten zu treffen“, sagt Amanatidis – die Berufung in die Legenden-Elf sei durchaus eine Ehre. „Ich bin mit dem Verein verbunden, habe in der Jugend gespielt, bin hier Profi geworden.“ Seine erfolgreichste Zeit im Aktivenbereich erlebte der Stürmer freilich nicht beim VfB, sondern in Frankfurt, auch für die Traditionsmannschaft der Eintracht war er deshalb schon im Einsatz. „Es ist schön, für die beiden Vereine zu spielen, bei denen ich meine beste Zeit im Profifußball hatte.“

Ioannis Amanatidis spielte von 1995 bis 2004 für den VfB. Foto: Baumann

Traditionsmannschaften aus Ex-Fußballern gibt es mittlerweile in fast jedem Verein, doch der VfB versucht sich seit einiger Zeit bewusst davon abzuheben. Die Bezeichnung „Traditionsmannschaft“ haben sie in Stuttgart abgelegt, stattdessen treten die alten Hasen unter dem Claim „Legenden im Ländle“ auf. Der Verein hat ein klares Konzept definiert, wie er seine Legenden sehen will – auch außerhalb des Fußballfelds.

Da gibt es die vier Markenbotschafter Cacau, Timo Hildebrand, Hansi Müller und Guido Buchwald. Aber auch um die Legenden-Elf herum haben sich die Strukturen verändert. Das zeigt sich schon am Trikot: Noch vor einem Jahr lief die Traditionsmannschaft im selben Trikot auf wie die Profis, mittlerweile tragen die Legenden Jerseys ohne Trikotsponsor, aber mit eigener Ärmelwerbung. Es gibt eigene Autogrammkarten und eine eigene Bildwelt – so sind die Spieltagsplakate nicht im VfB-typischen weiß-rot gehalten, sondern in weiß-gold. Die Legenden sollen eine eigene, von den Profis unabhängige DNA bekommen.

An Spieltagen gilt ein Dresscode und die Legenden-Elf hat eine eigene Teammanagerin, die sich um alles kümmert – inklusive Kaffee und Kuchen vor dem Spiel. „Alles ist top organisiert, aber ganz ehrlich: Eigentlich brauchen wir nur Kabine, Trikots und es kann losgehen“, sagt Amanatidis.

Der Verein macht im Übrigen keinen Hehl daraus, wozu der ganze Aufwand gut sein soll. Im modernen Fußballgeschäft entstehen kaum noch „echte“ Legenden. Das zeigt nicht zuletzt das aktuelle Transferfenster, in dem selbst eine Identifikationsfigur wie Waldemar Anton den Verein ohne weiteres verlassen hat. Auch für wirkliche Nahbarkeit ist bei den Profis kaum mehr Platz. Deshalb werde die Bindungskraft zu ehemaligen Spielern immer wichtiger, heißt es von Vereinsseite. Gerade ältere Fans könnten sich viel mehr mit den Spielern identifizieren, mit denen sie groß geworden sind.

Es birgt deshalb durchaus eine gewisse Ironie, dass der VfB die Strukturen der Legenden-Elf professionalisiert, um den Entwicklungen eines Profi-Business entgegenzuwirken, in dem jeder noch so kleine Schritt komplett durchgetaktet ist. Selbst die Zusammensetzung der Mannschaft für die Spiele folgt beim VfB festen Regeln. Neben „Hochkarätern“ wie Amanatidis, Andreas Hinkel oder Daniel Didavi stehen auch immer Spieler im Kader, die zwar im Verein gespielt haben, allerdings nur selten in der ersten Reihe.

Im Alter von neun Jahren kam Angelo Vaccaro zum VfB, er blieb bis 2002. Foto: Baumann

Zum Beispiel Angelo Vaccaro. Er kommt zwar nur auf eine Handvoll Profispiele für die Stuttgarter, stand aber beispielsweise gemeinsam mit Amanatidis auf dem Platz, als die VfB-Amateure im DFB-Pokal Eintracht Frankfurt mit 6:1 abschossen. Für die Traditionsmannschaft ist Vaccaro seit 2015 am Ball. „Legenden sind die anderen“, sagt er. „Aber es ist für mich eine Ehre, dabei zu sein. Auch ich habe etwas für den Verein geleistet.“ Beim 7:5-Sieg gegen die Golden-Fußballer der TSG Backnang traf er zwei Mal.

Etwa zehn Spiele absolvieren die VfB-Legenden pro Jahr, hinzu kommen Hallenturniere im Winter. Ioannis Amanatidis wohnt mittlerweile in Griechenland, will aber so oft dabei sein, wie es eben geht. Angelo Vaccaro freut sich auf die Spiele, vor allem auf die Halle, wie er sagt. „Da muss man nicht so viel laufen.“

VfB-Legendenelf

Nächste Spiele
19. Juli beim SC Korb, 21. Juli bei der TSG Hofherrnweiler-Unterrombach, 14. September beim SC Wiesenbach