Über Fußballtrikots lässt sich viel erzählen. Wir werfen an dieser Stelle einen Blick auf das aktuelle Outfit des VfB Stuttgart. Wie entsteht das Design? Wann kommt das Auswärtstrikot? Und wieviel verdient der Verein mit dem Verkauf?
Für die einen ist es nur ein Stückchen Stoff, für die anderen das sichtbarste und identitätsstiftende Verbindungselement zwischen Mannschaft und Fans: Das Trikot. Bei einem Traditionsclub wie dem VfB Stuttgart fungiert es als mit Abstand repräsentativster Fan-Artikel. Ein entsprechendes Bohei wird jedes Jahr darum gemacht, wenn die neue Ware auf den Markt kommt. Im Falle des VfB mal wieder mit Erfolg: Zwei Wochen nach Präsentation der neuen Heimversion sind bereits über 10 000 Stück verkauft.
Dabei markiert die klassische Variante in Weiß mit rotem Brustring erst den Auftakt der großen Trikot-Show. Ende des Monats sollen das Auswärts- sowie das Ausweichjersey vorgestellt werden. Hinzu kommt in diesem Jahr eine eigene Champions-League-Kreation. „Wir haben uns was Besonderes einfallen lassen“, kündigt Marketingvorstand Rouven Kaspar an. Freilich ohne Einzelheiten zu verraten. Nur soviel: Blau wird es definitiv nicht.
Ende des Monats kommen Auswärts- und Ausweichtrikot
Seit fünf Jahren (und noch bis 2029) wird der Fußball-Bundesligist für geschätzte fünf Millionen Euro pro Jahr vom Sportartikelhersteller Jako ausgerüstet. Eine in diesem Geschäft ziemlich einzigartige Partnerschaft. Das nach den beiden Flüssen Jagst und Kocher benannte Unternehmen ist zugleich Anteilseigner der VfB AG.
„Schon auf Grund des regionalen Bezugs ist der VfB für uns kein Club wie jeder andere“, sagt Jako-Vorstand Tobias Röschl, der zugleich beim VfB Stuttgart im Aufsichtsrat sitzt. „Jako ermöglicht uns als Ausrüster eine Individualität, die wir woanders nicht bekommen würden“, ergänzt Kasper. Statt Stangenware von Nike oder Adidas fließen in die Stoffe aus Hohenlohe viel Hirnschmalz und Herzblut.
Der Prozess beginnt bereits mit ein bis anderthalb Jahren Vorlauf. Dann starten die Kreativköpfe aus beiden Häusern das Brainstorming. Während für den Hersteller der optisch-gestalterische Part ins Blickfeld rückt, überlegt sich die Marketingabteilung des VfB, welche Geschichte sich mit dem neuen Trikot erzählen lässt. Neudeutsch Storytelling. Das Ziel: Etwas möglichst Einzigartiges zu produzieren. So entstanden in der Vergangenheit schon Muster mit eingearbeiteten Sehenswürdigkeiten der Stadt oder Tonspuren von Fangesängen. Das aktuelle Trikot mit dem roten Kragen und den roten Armbündchen nimmt unter anderem Bezug zur Champions-League-Vergangenheit Anfang der Nuller-Jahre. Vor über einem Jahr konnte den passenden Bezug zur Jetztzeit keiner ahnen, wie Röschl versichert. „Wir hatten keine hellseherischen Fähigkeiten.“
Aktuelle Trikottrends: Retro, schlicht und mit Augenmerk auf die Hose
Allgemeine Trikot-Trends fließen in den Gestaltungsprozess ebenso mit ein. Aktuell sind das laut Röschl Retro-Elemente, schlichte Designs mit Liebe zum Detail und ein neuer Fokus auf der Hosen-Gestaltung. Auch die neue VfB-Hose trägt Brustring. Besonders stolz ist man beim VfB auf den aufgenähten Brustring auf dem Trikot. „Da wurde über jede Naht leidenschaftlich diskutiert“, erinnert sich Kasper. Apropos Brustring: Gemäß den Vorgaben der Deutschen Fußball Liga (DFL) wäre das traditionelle Erkennungszeichen des VfB-Trikots heute gar nicht mehr zulässig. Rückennummern müssen eigentlich frei sichtbar sein. Doch der Traditionsclub genießt Bestandsschutz.
Ob sich die enorme Nachfrage nach dem neuen VfB-Trikot nun auf das unter Fans als gelungen gewertete Design oder den allgemeinen VfB-Hype zurückführen lässt, ist müßig zu erörtern. Fakt ist, dass sich die Fans von stetig steigenden Preisen nicht abschrecken lassen. 84,99 Euro kostet das aktuelle Stück – blanko. Mit Beflockung werden über 100 Euro fällig. Im Vergleich zu Branchengrößen wie Bayern München (99,95 in der Reinversion) oder Real Madrid (150 Euro) mag das noch vergleichsweise günstig sein. Aber immer noch viel Geld für ein Stückchen Stoff, das von Jako in der Türkei produziert wird. Künftig soll die Produktion nach Vietnam verlagert werden.
Marke von 100 000 verkauften Trikots soll übertroffen werden
„Wir verdienen uns keine goldene Nase“, sagt Kasper. Das meiste Geld an einem verkauften Trikot verdient der Handel, dann der Hersteller. Erst an dritter Stelle kommt der Verein. Bei ihm bleiben etwa 30 Prozent hängen. Bedeutet bei 100 000 verkauften Trikots wie vergangene Saison rund drei Millionen Euro Gewinn für den VfB. Wobei die Stückzahl von 100 000 in diesem Jahr noch übertroffen werden dürfte. „Wir haben sehr mutig und umfassend geordert“, sagt Röschl. Eines soll sich im Vergleich zur Vorsaison auf keinen Fall wiederholen: Dass sämtliche Trikots irgendwann vergriffen sind.