Wohl kaum eine andere Fan-Feindschaft hat so eine lange Tradition wie die zwischen dem KSC und dem VfB. Foto: dpa

Fußball: Strikte Fan-Trennung beim Derby zwischen KSC und VfB Stuttgart. Mehr als 1000 Beamte im Einsatz.

Ein kalter Wind pfeift über den Karlsruher Schlossplatz. Und obwohl es seit ein paar Stunden nicht mehr geregnet hat, bedecken große Pfützen die Alleen, die vom Stadtzentrum durch den Park zum Wildparkstadion führen. Die Karlsruher Polizei sieht ihn vor dem Derby als Problemzone. Das Derby. Der KSC gegen den VfB.

 

"Es wird eine strikte Fantrennung geben", sagt Polizeioberrat Martin Plate. Auch auf dem Schlossplatz sollen sich unter den Strom der KSC-Fans keine Anhänger des VfB Stuttgart mischen. Die 3000 Fans des VfB, darunter auch die 900 Insassen des Sonderzuges, der im Stadtteil Durlach ankommt, sollen mit Shuttlebussen unbehelligt zur Gästekurve gelangen. Allein die Landespolizei, die vor allem für die Sicherung des Stadions zuständig ist, wird mit rund 1000 Beamten vor Ort sein. Hinzu kommen mehrere Hundertschaften der Bundespolizei, die die Anfahrtwege sichern. "Wir gehen von einem Gewaltpotenzial von rund 300 Personen auf beiden Seiten aus", sagt Plate.

Selbst der Ministerpräsident des Landes meldet sich zu Wort. VfB-Fan Winfried Kretschmann (Grüne) ruft die Fußballvereine auf, für einen friedliches Landesderby am kommenden Wochenende zu sorgen. Er erwarte begeisterte und friedliche Fans am kommenden Sonntag. Zu dem Spiel der Zweitligisten geht das VfB-Mitglied nicht.

"Diese Rivalität ist seit Jahrzehnten gewachsen", sagt Jens Todt, der nach dem Abitur nach Baden kam. Nach fünf Jahren in Freiburg (und der Zwischenstation Werder Bremen) wechselte er 1999 nach Stuttgart. "Man brauchte schon damals nicht lange, um zu begreifen, dass das Spiel gegen Karlsruhe für die VfB-Fans das Ereignis schlechthin war."

In Karlsruhe, wo Todt seit drei Jahren als Sportdirektor wirkt, sei es genauso. "Das kriegst du morgens beim Bäcker mit und tagsüber am Trainingsplatz." Todt seufzt. "Das einzige, was uns interessiert, ist, uns sportlich zu messen." Böses Blut gab es in den letzten Jahrzehnten immer, wenn Badener und Schwaben aufeinandertrafen. Ob die Rivalität schlimmer geworden ist, ist umstritten.

Der Leiter des Karlsruher Fanprojekts, Volker Körenzig, würde das eher bestreiten. Wer Worte wie "Tod" und "Hass" wörtlich nehme und aus "Tod dem VfB" einen Mordaufruf herauslese, verkenne, dass Ultras eine Subkultur seien. "Die Wortwahl war geschmacklos und plump", sagt der Sozialpädagoge, "man sollte das aber nicht wörtlich nehmen."

Und dann sagt Körenzig einen Satz, den man dieser Tage in Karlsruhe auch auf der Geschäftsstelle, bei der Polizei oder im Rathaus immer wieder hört: "KSC gegen Stuttgart wird nie ein normales Spiel sein."