Nach zwei Jahren Zwangspause wieder fit: Nikolas Nartey Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Der Däne überrascht in dieser Saison in mehrfacher Hinsicht – und könnte langfristig zu einem wichtigen Faktor beim VfB werden. Die Gespräche starten in Kürze.

Es ist noch nicht lange her, da war Nikolas Nartey weit weg von Pässen, Flanken und Schüssen. Sehr weit sogar. Von Sommer 2023 bis Sommer 2025 bestand der Alltag des Mittelfeldspielers des VfB Stuttgart aus Dingen, die ein Fußballprofi am liebsten so schnell wie möglich hinter sich lässt. Reha, Einzeltraining, Kraftraum. Eine Schädigung des Knorpels im Kniegelenk hatte Nartey die zweijährige Pause aufgezwungen und viel Beharrlichkeit erfordert. Inzwischen lässt sich festhalten: Die Schufterei hat sich ausgezahlt.

 

Bereits elf Pflichtspiel-Einsätze stehen in dieser Saison zu Buche – und diese hat der 25-Jährige nicht einfach nur abgespult, sondern durchaus Eindruck hinterlassen. Zum einen mit einer dynamischen Durchsetzungsfähigkeit im Zweikampf, zum anderen durch eine hohe Flexibilität. Neben seiner angestammten Position im zentralen defensiven Mittelfeld übernahm der Däne noch einige andere Rollen, als Offensivspieler hinter den Spitzen in der Partie beim VfL Wolfsburg (3:0) oder als Linksverteidiger im Spiel bei RB Leipzig (1:3) beispielsweise. Als Torwart, scherzte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß unlängst, habe er Nartey noch nicht getestet: „Aber ansonsten kann man ihn überall auf dem Platz einsetzen. Er hat eine Gabe, sich in den unterschiedlichen Positionen einzufügen.“

Hoeneß lobt Nartey: „Bringt enorme Qualitäten mit“

Ganz generell hatte Hoeneß in der Vergangenheit immer wieder betont, wie gerne er mit einem fitten Nartey zusammenarbeiten würde. Es kam lange nicht dazu – bis jetzt. „Niko bringt enorme Qualitäten mit und ist immer in der Lage, diese zu zeigen, sobald er gesund und stabil ist“, sagt der Stuttgarter Trainer, der Nartey im Oktober auch für die Europa League nachnominierte als Ersatzmann für den verletzten Ermedin Demirovic.

Dass man sich beim VfB mit dem Mittelfeldspieler in seiner derzeitigen Verfassung eine längerfristige Zusammenarbeit gut vorstellen kann, liegt auf der Hand. An dieser Stelle stellt sich schon bald die Zukunftsfrage: Narteys Vertrag am Neckar läuft zum Saisonende aus – und die Stuttgarter sind an einer Verlängerung interessiert, wobei eine wichtige Prämisse in den Verhandlungen im Raum steht: Es soll ein leistungsbezogenes Arbeitspapier sein, bei dem die Bezüge wesentlich an die Anzahl der Einsätze gebunden sind und weniger stark auf einem fixen Basisgehalt basieren.

Trainer Sebastian Hoeneß setzte Nikolas Nartey in dieser Saison schon auf mehreren Positionen ein. Foto: Baumann/Julia Rahn

Über einen solchen Vertrag verfügt Nartey bereits jetzt, er wurde im zurückliegenden Sommer mit einer Laufzeit über ein Jahr abgeschlossen. Für die Stuttgarter hat dieses Vorgehen auch mit Risikomanagement zu tun. Denn: Schon vor seiner zweijährigen Pause warfen Nartey immer wieder kleinere Verletzungen zurück, sodass er in den vergangenen vier Spielzeiten nie richtig Fuß fasste und in Summe nur 23 Pflichtspiele für den VfB absolvierte – darunter aber höchst wichtige wie die beiden Relegationsspiele gegen den Hamburger SV 2023 und das DFB-Pokalfinale gegen Arminia Bielefeld in diesem Jahr.

Einigt man sich nun auf eine gemeinsame Zukunft, könnten weitere Partien dazu kommen für den Mittelfeldakteur, der 2019 vom 1. FC Köln an den Neckar gewechselt war und schon jetzt zu den dienstältesten Profis im Lizenzspieler-Kader des VfB zählt. Die Gespräche mit Nartey sollen zeitnah starten. Womöglich noch in diesem Jahr, spätestens im Januar.

In der Gegenwart liegt der Fokus des 25-Jährigen aber noch ganz woanders, außerhalb des VfB: Seine starken Leistungen brachten dem 16-maligen U-21-Nationalspieler die erste Nominierung für die A-Nationalmannschaft Dänemarks ein, für die es in diesen Tagen um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden Sommer geht. Nach dem 2:2 gegen Belarus braucht das Team im finalen Gruppenspiel an diesem Dienstag (20.45 Uhr) in Schottland noch ein Remis, um den ersten Platz zu behalten und sich direkt für die WM-Endrunde zu qualifizieren.

Gegen Belarus am Samstag kam Nartey noch nicht zu seinem Debüt – womöglich aber ja am Dienstag im Hampden Park in Glasgow. Es wäre die nächste positive Schlagzeile rund um den Mittelfeldspieler, die vor einigen Monaten noch kaum vorstellbar war.