Noch steht Gazi auf dem Brustring. Doch wie lange bleibt das Unternehmen der Hauptsponsor des VfB Stuttgart? Foto: Pressefoto Baumann

Zusammenarbeit mit Gazi steht auf der Kippe – Der VfB Stuttgart muss womöglich Einbußen hinnehmen.

Stuttgart - Eduardo Garcia ist entspannt. Keinen Druck verspüre er, sagt der Chef des VfB-Hauptsponsors Gazi. „Wir werden im Januar miteinander reden, vielleicht aber auch erst im Februar oder März.“ Auch VfB-Präsident Gerd Mäuser sagt, dass er keinen Druck verspüre. „Wir werden uns in aller Ruhe zusammensetzen.“ Man habe sich kein Ultimatum gesetzt.

Wenn man VfB-Aufsichtsratsmitglied Garcia und Mäuser ­glauben kann, schieben die zwei Parteien in den nächsten Wochen also eine ruhige Kugel bei den Verhandlungen um eine Verlängerung des Gazi-Engagements. Beide Seiten hatten ja bereits die am 31. Dezember 2011 ablaufende Frist zur Vertragsverlängerung verstreichen lassen. „Wir sind übereingekommen, die Frist zu ignorieren“, sagt VfB-Marketingchef Jochen Röttgermann. Rein faktisch gesehen, endet die Zusammenarbeit des VfB mit dem Milchproduktehersteller mit Sitz in Wangen also im Sommer. Und es spricht vieles dafür, dass es dann tatsächlich so kommen wird.

Röttgermann sagt, dass Gazi der erste Ansprechpartner für den VfB bleibe, das schon. Der finanzielle Aufwand von sechs Millionen Euro pro Saison ist der Garmo AG aber wohl zu hoch. Der VfB ist als Partner gerade nicht so attraktiv wie erhofft. Der Kampf gegen den Abstieg in der vergangenen Saison, kein Saisonziel in dieser Spielzeit – von internationalem Flair und großen Europapokal-Abenden, mit denen sich eine Marke auch international positionieren könnte, sind die Roten derzeit weit entfernt.

Der VfB schaut sich bereits nach Alternativen zu Gazi um. „Wir wären ja geradezu fahrlässig, wenn wir das nicht machen würden“, sagt Röttgermann. Der Marketingchef geht davon aus, dass sich der VfB in der nächsten Saison finanziell nicht verschlechtern werde im Vergleich zu den sechs Millionen Euro, die Gazi zurzeit als Hauptsponsor überweist. Röttgermann muss das ja sagen – er wäre ein miserabler Verhandler, wenn er sich vorab mit weniger Geld zufriedengeben würde.

Turkish Airlines im Gespräch

Potenzielle Sponsoren rennen den Roten einem Insider zufolge aber nicht gerade die Tür ein. Mehr noch: Es sei davon auszugehen, dass der VfB ab der nächsten Saison finanzielle Abstriche machen muss. Eduardo Garcia sagt, dass er dafür Verständnis habe, wenn der VfB auch mit anderen potenziellen Sponsoren rede: „Das ist doch legitim.“ Garcias Taktik ist klar: Er wartet ab, ob der VfB tatsächlich einen Sponsor findet, der mehr zahlt als er. Wenn nicht, werden die Roten von ganz allein bei ihm auf der Matte stehen. Und womöglich sogar akzeptieren, dass Gazi weniger als sechs Millionen Euro investiert. .

Denkbar sei laut Marketingchef Röttgermann auch folgende Variante: Gazi steigt als Hauptsponsor aus, bleibt dem VfB aber eine Ebene tiefer als Premiumsponsor erhalten. Mit der EnBW, dem Vorgänger von Gazi als Hauptsponsor, hatten sich die Roten bereits auf so eine Zusammenarbeit verständigt. Darauf angesprochen, sagt Garcia, dass für ihn eigentlich nur ein Engagement als Hauptsponsor infrage komme. Man könne sich aber über alles unterhalten. Er sei da ganz entspannt.

Wie auch immer – was potenzielle Geldgeber wollen, ist eine klare Positionierung der Marke VfB. Wo wollen die Roten hin, für was stehen sie? Zurzeit gebe es da gehörige Defizite, sagt ein Marketingexperte. Der VfB biete wenig Identifikationspotenzial. Man wisse nicht, wofür der VfB stehe. Das macht es nicht leicht, Sponsorengelder einzutreiben.

Im Gespräch als neue Hauptsponsoren sind neben Turkish Airlines noch weitere Fluggesellschaften – vorrangig jene, die von Stuttgart aus abfliegen. Ein anderes Großunternehmen hat dagegen abgewinkt. Der VfB hatte schon öfter betont, dass er es begrüßen würde, wenn die Daimler AG ihr Engagement ausweitet. Vom Unternehmen mit dem Hauptsitz in Untertürkheim heißt es dazu in einer Stellungnahme: „Der Vertrag über die Namensrechte der Mercedes-Benz-Arena hat eine 30-jährige Laufzeit. Darüber hinaus wurde der Vertrag (. . .) als Exklusivpartner des VfB im August 2011 vorzeitig bis 2017 verlängert. Dementsprechend ist eine langfristige Partnerschaft zwischen Mercedes-Benz und dem VfB Stuttgart garantiert.“ Bei Mercedes ist man also ganz entspannt.Ob der VfB das auch sein kann, wird sich zeigen.