Der VfB hatte am Mittwoch erneut Grund zum Jubeln – der Sieg gegen RB Leipzig hat die Ausgangslage noch einmal verbessert. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Der VfB Stuttgart ist mit zwei Siegen ins neue Jahr gestartet. Die beweisen: Der Moment scheint günstig, sich in der Spitzengruppe der Bundesliga zu etablieren – und auch andere Ziele zu erreichen.

Als am späten Mittwochabend, so gegen 22.30 Uhr, die Hinrunde der Bundesliga-Spielzeit 2024/2025 beendet war, wäre es ein guter Zeitpunkt gewesen, mal in Ruhe zu reflektieren, was geschehen ist in den vergangenen Monaten. Aber: In Ruhe – das kennt der Spielplan des VfB Stuttgart nicht. Denn schon 65 Stunden nach dem Abpfiff der ersten Saisonhälfte beginnt am Samstag (15.30 Uhr) für die Weiß-Roten die zweite. Der SC Freiburg ist dann zu Gast in der Stuttgarter MHP-Arena.

 

Kein Wunder also, dass sich der Trainer des VfB nicht besonders lange aufhalten wollte mit der Analyse von Spieltag eins bis 17. Nur so viel: „Unzufrieden war ich nie.“ Sagte Sebastian Hoeneß, der die Ausbeute der Vorrunde zum Jahresbeginn 2025 aber noch einmal deutlich erhöht hatte.

1:0 beim FC Augsburg am Sonntag, 2:1 gegen RB Leipzig am Mittwochabend – ergibt zusammen mit den Vorleistungen aus 2024 satte 29 Punkte. Und damit lediglich fünf weniger als zum selben Zeitpunkt der Saison 2023/2024, die eine Rekordspielzeit für den VfB war. „Ich bin sehr zufrieden“, ergänzte Hoeneß also. Und es war nach dem Sieg gegen die Roten Bullen aus Sachsen nicht nur der Blick auf Punkte- und Tabellenstand, die die Laune des Stuttgarter Cheftrainers hob.

In der vergangenen Saison war der VfB zwar schon in der Hinrunde gut gewesen, die Mehrzahl der 73 Punkte, die am Ende die Vizemeisterschaft brachten, holte das Hoeneß-Team seinerzeit aber in der Rückrunde. Und der Jahresauftakt 2025, vor allem die zweite Hälfte der Partie gegen RB Leipzig, deutet an, dass auch das aktuelle VfB-Ensemble seine beste Saisonphase noch vor sich haben könnte.

Die hochkarätigen Abgänge des vergangenen Sommers sind zwar nach wie vor nicht vergessen, vermisst werden sie aber immer weniger. Der VfB hat in den bisherigen 27 Pflichtspielen den von vielen befürchteten Einbruch verhindert und ist dabei, die Abgewanderten immer besser zu kompensieren. Was auch damit zu tun hat, dass sich der eine oder andere Neuzugang des Sommers zuletzt richtig gut entwickelte. Allen voran: Nick Woltemade.

Zahlreiche Alternativen für den Trainer

Der baumlange Offensivmann spielte zu Saisonbeginn noch eine Nebenrolle, dann erwuchs der Ex-Bremer zum ersten Einwechselspieler, seit Ende 2024 ist er nun Stammkraft – und bot am Mittwoch eine bärenstarke zweite Hälfte. Den Siegtreffer gegen die Leipziger erzielte er obendrein. In Ramon Hendriks und Ameen Al-Dakhil scheinen zudem zwei im Sommer neu gekommene Abwehrspieler allmählich in der Form und Verfassung, echte Alternativen in der oft noch etwas wackeligen Abwehr zu sein. Alle zusammen entlasten sie – so wie weitere Neuzugänge wie Ermedin Demirovic und Jeff Chabot.

Weiterer Pluspunkt im Jahr 2025: Zu Beginn einer anstrengenden Serie von mehreren englischen Wochen hat Sebastian Hoeneß einen Kader zur Verfügung, der auch in der Breite ein starkes Niveau verkörpert. Auch hier dient der Mittwochabend als Beispiel. Enzo Millot, Ermedin Demirovic, Jamie Leweling, Leonidas Stergiou, Anthony Rouault, Yannik Keitel und Fabian Rieder – sie alle sind potenzielle Stammkräfte, saßen aber zunächst auf der Bank, weshalb der VfB-Coach hinterher zufrieden feststellte: „Wir können jetzt auch wieder nachlegen.“ Durch die langfristigen Ausfälle von Deniz Undav, Leweling und El Bilal Touré war das lange nicht möglich. Nun steht sogar noch Jacob Bruun Larsen zur Verfügung.

Die Verpflichtung des Dänen vor einigen Tagen von der TSG Hoffenheim erschien auf den ersten Blick nicht allen Beobachtern schlüssig. Doch schon in seinem zweiten Spiel stand der schnelle Außenbahnspieler in der Startelf – und glänzte mit seinem Treffer zum wichtigen 1:1 gegen RB.

Sebastian Hoeneß spürte, wie am Mittwochabend von Minute zu Minute „die Energie und das Vertrauen in die eigene Stärke“ wuchsen. Und der Trainer setzt darauf, dass beides den VfB noch weiter trägt – in die Champions-League-Ränge der Liga (der VfB liegt nur noch einen Punkt hinter Rang vier), ins Pokal-Halbfinale (das Viertelfinale steigt am 4. Februar gegen den FC Augsburg) und in die K.o.-Zwischenrunde der Champions League. „Das nehmen wir hoffentlich mit“, sagt Hoeneß, „wir haben jetzt Schwung aufgenommen.“

In der Königsklasse geht es am kommenden Dienstag (21 Uhr) bei Slovan Bratislava weiter, zuvor allerdings kommt der SC Freiburg zum Bawü-Duell nach Stuttgart, danach reist der VfB nach Mainz. Der Fünfte der Bundesligatabelle spielt also gegen den Achten und den Sechsten – mit guten Chancen, sich vollends im oberen Tabellendrittel zu etablieren.