Im Vergleich zum Transfersommer 2024 schneidet der VfB deutlich besser ab. Denn das Gerüst des Kaders steht bereits.
Es gab ein paar Videokonferenzen zu bestreiten, Telefonate mit aktuellen Spielern zu führen und Überzeugungsarbeit bei einigen Kandidaten für die Zukunft zu leisten. „Schließlich will ich ja auch, dass wir einen starken Kader haben“, sagt Sebastian Hoeneß. Doch unterm Strich haben die sechs Wochen Pause mit viel Fokus auf die Familie gut getan. Jetzt hat der fußballerische Alltag den Stuttgarter Cheftrainer allerdings wieder.
Dabei erlebt der 43-Jährige seinen dritten Saisonstart mit dem VfB unter ganz speziellen Vorzeichen. Der Pokalsieger tritt immer mehr aus dem langen Schatten der beiden Abstiege von 2016 und 2019 heraus ans Licht. So scheint es jedenfalls mit Blick auf die Personalplanung. „Wir müssen diesmal nicht auf erzwungene Abgänge reagieren. Das wird dieses Jahr nicht passieren – und das ist auch gut so“, weiß Hoeneß: „Wir sind in der Lage, die Spieler zu halten, die wir auch halten wollen – und den Kader dann sinnvoll zu ergänzen.“ Der VfB ist also auf dem Transfermarkt kein Getriebener mehr, was auch ein Ausdruck neu gewonnener Stärke ist.
„Anders als in den vergangenen Jahren steht diesmal das Grundgerüst. Das Fundament ist gelegt. Wir bauen dabei auf das Gros des Kaders, der in der Vorsaison den Pokalsieg geholt hat“, ergänzt VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, der mit Lorenz Assignon, Noah Darvich und Lazar Jovanovic bereits drei Neue geholt hat. Drei bis vier Spieler werden bestimmt noch folgen, zudem werden sich auf der Abgabeseite, wo sich der Blick unter anderem auf Josha Vagnoman und Enzo Millot richtet, noch Transfers ergeben. Doch insgesamt herrscht deutlich mehr Ruhe und Konstanz als in der Vorsaison.
Drei schmerzhafte Abgänge beim VfB
Damals hatten die Abgänge von Torjäger Serhou Guirassy sowie der Defensivstütze Hiroki Ito bereits für mächtig Wirbel gesorgt, als auch noch Kapitän Waldemar Anton in Richtung Dortmund von Bord ging. In Summe deutlich mehr als 40 Wechsel, jeweils mehr als 20 Zu- und Abgänge, hatte der VfB damals zu moderieren. Dies alles gipfelte im Tauziehen um Deniz Undav, der letztlich erst kurz vor dem Pflichtspielstart für die Rekordablöse von 26,7 Millionen Euro von Brighton & Hove Albion verpflichtet wurde.
Da geht es nun wesentlich entspannter zu. „Im vergangenen Sommer hatten wir unglaublich viele Transfers. Diesmal wollen wir unsere gute Basis weiter nutzen, um einige Bereiche zu verstärken“, sagt Hoeneß, der weiß, dass mit Blick auf das bis 1. September geöffnete Sommer-Transferfenster das letzte Wort in Sachen Spielerwechsel noch nicht gesprochen ist. „Wir wollen uns vor allem mit Blick auf die Doppelbelastungen breiter aufstellen“, ergänzt Sportvorstand Fabian Wohlgemuth angesichts der anstehenden Englischen Wochen.
Dass es diesmal besser läuft als noch im Sommer des vergangenen Jahres, liegt auch am Terminkalender. Der sieht diesmal kein großes internationales Turnier für die A-Nationalmannschaften vor. Die Nationalspieler des VfB waren also – mit Ausnahme von U-21-Torjäger Nick Woltemade – nach Saisonschluss nicht wochenlang beschäftigt und kehren daher auch nicht erst spät im Juli nach Bad Cannstatt zurück.
27 Spieler, darunter sechs junge Talente aus dem eigenen Stall, standen Hoeneß bereits am Mittwoch zum Trainingsauftakt zur Verfügung. An diesem Samstag werden dann die vier A-Nationalspieler Alexander Nübel, Maximilian Mittelstädt, Deniz Undav und Ermedin Demirovic zum Team stoßen. Angelo Stiller ist bereits wieder fit an Bord, er hatte verletzt auf die Spiele der Nations League verzichten müssen.
Ebenfalls positiv und anders als im Vorsommer: Der VfB sitzt bei seiner Personalplanung fast immer im Fahrersitz, hat die Zeiten der Ausstiegsklauseln bis auf kleine Ausnahmen überwunden. Das gilt auch für die Causa Woltemade, der in seinem Urlaub an diesem Donnerstag bei den alten Kumpels von Werder Bremen vorbeigeschaut hat. „Ich plane mit ihm und gehe davon aus, dass er zu Beginn des Trainingslagers zu uns stößt. Nick ist für uns ein zentraler Baustein in der Offensive, als Spieler und als Typ“, sagt Hoeneß trotz des innigen Werbens des FC Bayern selbstbewusst.
Wohlgemuth hat noch Asse im Ärmel
Entwickelt sich der VfB also zum Spitzenteam, zu einer Mannschaft, die trotz internationaler Aufgaben künftig konstant im oberen Tabellendrittel der Bundesliga mitspielen kann? „Es ist sehr viel Potenzial im Kader. Ich glaube daher, dass wir noch stabiler agieren werden als in der vergangenen Saison“, sagt Fabian Wohlgemuth schon jetzt – und hat mit einigen hochgehandelten Namen als potenzielle Neuzugänge, etwa dem griechischen Spielmacher Giannis Konstantelias (22) von Paok Saloniki oder dem Sechser Caspar Jander (22) vom 1. FC Nürnberg noch ein paar Asse im Ärmel.