Torwarttrainer Steffen Krebs mit den Keepern Dennis Seimen, Fabian Bredlow und Florian Müller (v.l.n.r.). Auf zwei der drei setzt der VfB auch in der kommenden Saison. Foto: Baumann

Der Abschied von Florian Müller beim VfB steht bevor. Dagegen planen die Stuttgarter weiter mit Fabian Bredlow und ziehen ein Toptalent fest in den Profikader hoch. Sportdirektor Fabian Wohlgemuth erklärt, warum.

Ganz am Ende hatte Florian Müller doch noch sein Erfolgserlebnis. Nach Monaten in der zweiten Reihe feierte der Torhüter mit dem VfB Stuttgart die emotionale Rettung in der Relegation beim HSV – auf der großen Bühne im ausverkauften Volkspark, mittendrin zwischen den Pfosten in Vertretung des verletzten Fabian Bredlow, obendrein ohne größere Patzer. Die Erleichterung war groß, das Glücksgefühl ein fast schon vergessenes. Aber: Weitere dieser Momente im VfB-Trikot werden wohl nicht mehr hinzukommen.

 

Nach zwei durchwachsenen Jahren in Bad Cannstatt steht Müller vor dem Abschied. Einen potenziellen Abnehmer gibt es bereits, der SC Freiburg würde den 25-Jährigen gerne als Nummer zwei verpflichten. Hinter Noah Atubolu, der zuletzt in der U 21 in der dritten Liga überzeugt hatte und nach dem Abgang von Mark Flekken neuer Stammkeeper im Breisgau werden soll. Damit würde Müller an seine alte Wirkungsstätte zurückkehren: In der Saison 2020/21 war er vom FSV Mainz 05 nach Freiburg ausgeliehen, wo er den verletzten Flekken vertrat.

Einigung mit dem SC Freiburg über Rahmenbedingungen eines Müller-Wechsels

Endgültig durch ist die Sache zwar noch nicht, aber auf der Zielgeraden. „Wir haben mit dem SC Freiburg Einigung über die Rahmenbedingungen erzielt“, sagt der Stuttgarter Sportdirektor Fabian Wohlgemuth auf Nachfrage unserer Zeitung. Derzeit sei man noch dabei, mit Müller die Details zu besprechen. Der gebürtige Saarländer war 2021 für fünf Millionen Euro als Nachfolger von Gregor Kobel aus Mainz zum VfB gewechselt, hatte aber trotz vieler Vorschusslorbeeren nie auf ganzer Linie überzeugen können. Die vor zwei Jahren gezahlte Ablöse werden die Stuttgarter nun von den Freiburgern zwar nicht mehr bekommen – dafür aber eine Menge Gehalt einsparen: Mit geschätzten zwei Millionen Euro pro Jahr zählt Müller (Vertrag bis 2025) derzeit noch zu den Topverdienern beim VfB.

Dass die Stuttgarter aber eine klassische Nummer zwei als Müller-Nachfolger verpflichten, gilt als ausgeschlossen. Denn auch der derzeitige Stammtorhüter Fabian Bredlow ist längst nicht mehr unumstritten. Er startete zwar stark im Februar, als er sich den Platz zwischen den Pfosten erkämpfte – leistete sich dann aber ähnliche Unsicherheiten wie Müller. Vor allem in puncto Strafraumbeherrschung und Distanzschüsse.

Fernschuss-Anfälligkeit in der vergangenen Saison

Neun Gegentore von außerhalb des Strafraums kassierte der VfB in der vergangenen Bundesliga-Saison, nur beim FC Schalke 04 schlug es noch einmal häufiger aus der Ferne ein. Die wenigsten dieser Stuttgarter Weitschuss-Gegentreffer fielen dabei unter die Kategorie unhaltbar. Mehrere waren sogar sehr haltbar. Erst patzte Müller – im Oktober 2022 beim VfL Wolfsburg gegen Maximilian Arnold und im Januar 2023 bei RB Leipzig gegen Dominik Szoboszlai. Dann ließ auch Bredlow einen Schuss durchrutschen – im März dieses Jahres gegen den FC Bayern beim Treffer von Matthijs de Ligt.

Bei den Stuttgarter Verantwortlichen ist deshalb die Erkenntnis gereift, dass im Tor Handlungsbedarf besteht. Auf einer sehr speziellen Position, wo Fehler fast immer direkt zu Gegentoren führen und sich Unsicherheiten von hinten nach vorne auf den Rest der Mannschaft übertragen.

Fabian Bredlow soll auch in der kommenden Saison beim VfB bleiben

Aber: Im Gegensatz zu Müller soll Bredlow im Verein bleiben – und, falls er gegenüber dem neuen Torhüter das Nachsehen hat, als Nummer zwei das Trainingsniveau hochhalten und auf seine Chance warten. Intern wird der 28 Jahre alte Berliner für seine Loyalität geschätzt, die er in den dreieinhalb Jahren als Nummer zwei seit seinem Wechsel zum VfB im Sommer 2019 gezeigt hat. Der Sportchef lobt ihn ausdrücklich. „Fabian hat gerade im finalen Abschnitt der Saison seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt“, sagt Wohlgemuth „wir planen auch in der kommenden Saison mit ihm.“ Bredlows Vertrag in Stuttgart läuft noch ein Jahr.

Bleibt noch ein dritter und letzter offener Kaderplatz zwischen den Pfosten neben Bredlow und dem noch unbekannten Neuen. Hier steht eine Veränderung an: Toptalent Dennis Seimen wird aufrücken und den Platz von Florian Schock einnehmen. Der 17-jährige gebürtige Heilbronner genießt intern einen hervorragenden Ruf und hatte Schock schon in der Endphase der vergangenen Saison den Rang abgelaufen.

„Dennis Seimen gehört die Zukunft“, sagt auch Wohlgemuth. „Er ist Teil unseres Torhüterteams und wird mittelfristig eine wichtige Rolle einnehmen.“ Wann genau? Das sei noch nicht final zu prognostizieren. „Das Tempo bestimmt er“, betont der VfB-Sportdirektor, „wir werden seine Entwicklung besonders aktiv fördern.“ Spielpraxis könnte Seimen in der kommenden Saison entweder bei der U 19 in der A-Junioren-Bundesliga oder bei der U 21 in der Regionalliga sammeln. Und dann früher oder später auch den Weg ins Tor der Profis finden.