Der VfB Stuttgart hat in dieser Saison schon extrem viel erreicht. Doch das Team zeigt Woche für Woche: Es will mehr. Die Champions League ist längst kein Traum mehr, sondern Ziel der Spieler.
Der Kapitän hat schon einmal Anschauungsunterricht genommen. Am Dienstag und Mittwoch der vergangenen Woche, so berichtete es Waldemar Anton, der Spielführer des VfB Stuttgart, habe er Spiele der Champions League geschaut. „Arsenal gegen Bayern und Manchester City gegen Real Madrid“, konkretisierte er. Was er da gesehen hatte? Einerseits ein unglaubliches Level: „Es geht hin und her, jeder Fehler wird bestraft.“ Und andererseits etwas, das er auch mal gerne erleben will.
Die Champions League, sagte Waldemar Anton am Samstagabend in der MHP-Arena in Stuttgart, sei „ein sehr, sehr großes Ziel von mir“. Auch ein Traum – den er sich womöglich demnächst selbst erfüllt.
3:0 hatte der Abwehrspieler mit seiner VfB-Mannschaft gerade Eintracht Frankfurt besiegt gehabt (durch Tore von Serhou Guirassy, Deniz Undav und Jamie Leweling) – und natürlich drehte sich danach Vieles um eine europäische Zukunft dieser Mannschaft. Aber das war ja auch kein Wunder, schließlich gibt es daran ja schon jetzt keine Zweifel mehr. Mit dem so souveränen wie beeindruckenden Sieg gegen die Adler vom Main ist dem VfB die Teilnahme an der Europa League bereits sicher, bei weiterhin sieben Punkten Vorsprung auf Rang fünf die Königsklasse in Reichweite. Fünf Spiele sind es noch in dieser Saison – und man ist geneigt zu sagen: Das Team muss nur noch zugreifen.
Doch Vorsicht! Signalisiert zumindest Sebastian Hoeneß. Der Cheftrainer der Stuttgarter war nach der Partie gegen die Frankfurter zwar mächtig „stolz“ auf sein Team und genoss die feierliche Atmosphäre, die zuvor geherrscht hatte: „Die Stimmung war enorm, das muss jeden Spieler beflügeln – uns hat es beflügelt.“ Er müht sich aber auch, den Fokus aufrechtzuerhalten. Indem er betont: „Auch 63 Punkte werden in diesem Jahr nicht für die Champions League reichen.“ Und indem er auf die kommenden Aufgaben hinweist.
Am Sonntag tritt der VfB bei Werder Bremen an
Am Sonntag (15.30 Uhr) tritt der VfB bei Werder Bremen an, danach in Leverkusen, dann kommen die Bayern nach Stuttgart, ehe es noch gegen den FC Augsburg und Borussia Mönchengladbach geht. „Wir haben“, sagt Hoeneß, „ein schweres Restprogramm.“ Und doch alle Chancen.
Dass die Mannschaft gewillt ist, diese zu nutzen, steht außer Frage. Der Auftritt vom Anpfiff weg gegen die Eintracht spricht da Bände. „Wir haben“, sagte der Sportdirektor Fabian Wohlgemuth, „den Frankfurtern keine Luft zum Atmen gelassen.“ Was aus Sicht der Verantwortlichen gar nicht so selbstverständlich gewesen ist.
Vor dem Abendspiel der Stuttgarter hatten alle Königsklassenkonkurrenten (FC Bayern, RB Leipzig, Borussia Dortmund) ihre Spiele gewonnen. „Die Spieler hatten das im Kopf“, sagte Wohlgemuth, „dann so ins Spiel zu gehen, ist außergewöhnlich.“ Und Hoeneß lobte: „Die Mannschaft ist großartig damit umgegangen.“ Nun will sie „in erster Linie da bleiben, wo wir gerade sind“ (Anton). Neue Ziele, wie die mögliche, aber eher unbedeutende Vizemeisterschaft brauche das Team dabei aber nicht, meinte Wohlgemuth: „Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie in jedes Spiel geht, um es zu gewinnen.“
Klar ist: Alle wollen mehr, obwohl schon der Einzug in die Europa League ein riesiger Erfolg ist. Mit Blick auf den Startpunkt dieser Mission – Hoeneß übernahm die Mannschaft im April 2023 auf Platz 18 und führte sie in die Relegation –, aber auch mit dem Wissen um die Geschehnisse der vergangenen elf Jahre. Im Sommer 2013 spielte der VfB zuletzt international, es folgten Abstiegskämpfe, Abstürze, Existenzängste.
Das Team lässt nicht nach
Nun, da die Rückkehr in die Europa League perfekt ist, sah Fabian Wohlgemuth „den Glanz in den Augen“ ganz Vieler. „Die Fans und das Umfeld haben danach gelechzt, nach über zehn Jahren wieder in einem europäischen Wettbewerb zu stehen“, sagte der Sportdirektor. Der ist zwar erst seit rund eineinhalb Jahren Stuttgarter, kann aber die Bedeutung des nun Erreichten schon ganz gut einschätzen.
„Es ist außergewöhnlich“, sagte er – wenn man wisse, „wie diese Stadt, wie diese Fans den VfB leben“. Er selbst, der erst einmal schwierige Zeiten managen musste, habe schnell verstanden, „wie sehr Stadt und Verein zusammengehören“. Man kann sich vorstellen, wie künftige internationale Fußballabende zelebriert werden könnten. In welcher Liga spielt einerseits vielleicht nicht die ganz große Rolle, gerade die Eintracht hat in den vergangenen Jahren auch den Reiz der Europa League deutlich gemacht. Viel lukrativer ist aber natürlich die Königsklasse. Und daher auch erstrebenswerter – gerade bei der aktuellen Ausgangslage mit weiter sieben Punkten Vorsprung.
„Wir wollen das Beste aus der Saison herausholen“, sagte am Samstag Fabian Wohlgemuth. „Wir wollen uns für die Champions League qualifizieren. Es ist der Traum eines jeden Spielers, in einem Wettbewerb zu stehen, in dem die besten Mannschaften Europas spielen“, ergänzte Waldemar Anton. Dessen Lust darauf am kommenden Dienstag und Mittwoch noch einmal steigen könnte. Dann kommt wieder Königsklasse im TV.