Beim Pokalsieger geht es bereits um die Personalplanung für die nächste Saison. Vieles dreht sich dabei um zwei Franzosen. Wir liefern die Hintergründe.
Pascal Stenzel stand schon zur Einwechslung bereit. Sebastian Hoeneß wollte ihm noch ein paar Einsatzminuten im Pokalfinale gönnen. Als Zeichen der Wertschätzung für verlässliche Leistungen und eine vorbildhafte Berufseinstellung. Doch dann verkürzte Arminia Bielefeld gegen den VfB Stuttgart plötzlich von 0:4 auf 2:4 und Torhüter Alexander Nübel musste ernsthaft eingreifen. Drohte die Partie etwa zu kippen? Dem Trainer schossen jedenfalls „komische Gedanken“ durch den Kopf – und er beließ Josha Vagnoman auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions. Trotz des Eigentors und einiger Durchbrüche des Drittligisten auf der Seite des Rechtsverteidigers.
Das sind Szenen, die eines belegen: Der frisch gekürte Pokalsieger hat rechts hinten eine Problemstelle. Denn hinter Vagnoman liegt eine durchwachsene Saison. Mehrfach entwickelte sich der Modellathlet zur unglücklichen Figur. Und an Stenzel weiß man zwar, was man hat – aber genauso, was man nicht bekommt. Schnelligkeit. Dagegen verfügt Leonidas Stergiou über reichlich Tempo, doch der Schweizer fällt immer wieder aus. Die Lösung des Problems könnte nun aus Frankreich kommen. Lorenz Assignon, 24 Jahre alt und bis 2028 bei Stade Rennes unter Vertrag. Noch. Nach Informationen unserer Redaktion befindet sich der VfB in abschließenden Verhandlungen über einen Transfer des Franzosen.
Wie aus dem Nachbarland berichtet wird, soll es um eine Ablösesumme in Höhe von 15 Millionen Euro gehen. Der VfB versucht, die Summe zu drücken und über Bonuszahlungen zu einer Einigung zu kommen. Damit wäre der erste Sommertransfer der Stuttgarter perfekt, der zeigen würde, dass Trainer Hoeneß und der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth die Mannschaft verstärken wollen, um sie weiter wachsen zu lassen.
Assignon stammt aus der Jugend von Stade Rennes, wohin der Ex-Stuttgarter Anthony Rouault im Winter ging. Der Außenverteidiger ist fußballerisch gut ausgebildet und gehörte in der abgelaufenen Saison zum Stammpersonal. In 32 Ligaspielen trug der Abwehrspieler drei Treffer und vier Torvorlagen zum Klassenverbleib in der Ligue 1 bei. Es könnte sich also um eine typische VfB-Verpflichtung handeln: Jetzt schon gut genug, um die kommenden Herausforderungen zu bewerkstelligen und mit dem Potenzial ausgestattet, sich verbessern zu können.
Ein Franzose befindet sich demnach im Anflug, ein anderer steht wohl vor dem Abflug. Enzo Millot dürfte auf der großen Bühne in Berlin sein Abschiedsspiel im Trikot mit dem Brustring gegeben haben – mit zwei Toren und einer Vorstellung seiner technischen Fähigkeiten und Finesse. Jedenfalls gehen beim VfB viele davon aus, dass der 22-Jährige von der Ausstiegsklausel in seinem bis 2028 laufenden Vertrag Gebrauch macht. Dafür bleiben noch einige Wochen.
Dass Millot mit einem Wechsel kokettiert, ist nicht neu. Die Stuttgarter schauen sich bereits nach Alternativen für den Mittelfeldspieler um, der in Stuttgart vom Talent zum Unterschiedsspieler gereift ist. Eine Entwicklung, die sich auf dem Transfermarkt niedergeschlagen hat. Mit einem Marktwert von mehr als 40 Millionen Euro wurde der Linksfuß auf dem Höchststand notiert.
Tatsächlich ist Millot dank einer festgeschriebenen Ablösesumme (18 bis 20 Millionen Euro) aber für die Hälfte zu haben. Das macht eine Verpflichtung des U-23-Nationalspielers für eine Reihe von Vereinen interessant. Bleibt nur die Frage, ob jene europäischen Spitzenclubs darunter sind, mit denen der Franzose liebäugelt.