Die Gespräche über eine vorzeitige Verlängerung des Vertrages von Angelo Stiller beim VfB laufen – doch es gibt noch einige Hindernisse zu überwinden. Wir liefern die Hintergründe.
Wenn es beim VfB so etwas wie einen verlängerten Arm des Cheftrainers Sebastian Hoeneß auf dem Spielfeld gibt, dann trägt er den Namen Angelo Stiller. Fragten sich im Sommer 2023 beim Wechsel des defensiven Mittelfeldmannes von der TSG Hoffenheim zum VfB noch Teile der Fanschaft: „Angelo, wer?“, so ist längst klar, dass sich der 23-Jährige dank eines grandiosen Entwicklungsschubs zu einem der wichtigsten Spieler beim Vizemeister gemausert hat.
Stiller ist zwar nicht Kapitän wie sein Nebenmann auf der Doppel-Sechs, Atakan Karazor, er ist nicht Torjäger und Stimmungskanone wie Deniz Undav. Doch Stiller, aufgewachsen in Milbertshofen im Münchner Norden und dem Trainer Hoeneß schon seit dem Jugendalter bekannt, ist für ein erfolgreiches VfB-Spiel von zentraler Bedeutung. Er ist auf dem Rasen der Takt- und Ideengeber, Aufbauspieler, Ballschlepper und einer, der im Rückwärtsgang auch die Grätsche kennt.
Keine Frage also, dass der VfB den deutschen Jungnationalspieler (drei A-Länderspiele) langfristig halten möchte. Schließlich will der Verein in seiner strategischen Entwicklung den nächsten Schritt gehen: Und der beinhaltet, dass auch absolute Leistungsträger – anders als zuletzt bei Serhou Guirassy und Waldemar Anton – künftig möglichst gehalten werden.
Eigentlich wäre ja gar keine Eile geboten. Schließlich besitzt Angelo Stiller, der in sämtlichen 25 Pflichtspielen der bisherigen Saison auf dem Platz stand, beim VfB noch einen langfristigen Vertrag bis 2027 – und zwar ohne eine Ausstiegsklausel. Allerdings geht es bei Spielern seines Kalibers auch um die Wertschätzung seitens des Vereins, seine Rolle als Führungsspieler – sowie die weiteren Zukunftsperspektiven vor dem Hintergrund, dass einer wie Stiller eben auch andernorts gefragt ist. So soll bei seiner Agentur Sports360, die vom Kölner Berater Volker Struth geleitet wird, gerüchteweise schon mal der FC Barcelona vorgefühlt haben.
„Angelo ist ein absoluter Eckpfeiler“
Klar ist, dass sich der VfB um seinen Sportvorstand Fabian Wohlgemuth („Angelo ist ein absoluter Eckpfeiler“) mit den Beratern Stillers bereits über die Verlängerung des Vertrages über das Jahr 2027 hinaus unterhalten hat. Am Ende des Quartals sollen die Verhandlungen spätestens abgeschlossen sein. „Wir sind in guten Gesprächen. Beide Seiten schätzen sich und wissen, was sie aneinander haben“, sagte der Stuttgarter Vorstandschef Alexander Wehrle in der neuesten Live-Ausgabe des Podcannstatts unserer Redaktion: „Das wir jetzt schon über eine Verlängerung sprechen, ist ein echt gutes Zeichen.“
Dabei sitzt der VfB-Delegation mit Struth ein einflussreicher Gesprächspartner gegenüber, der weiß, wie der Hase läuft. Schließlich hat seine Agentur Sports360 einst Toni Kroos zu einer Weltmarke geformt – und vertritt aktuell unter anderem den Bundestrainer Julian Nagelsmann. Fest steht daher, dass man nur mit einem gegenseitigen Geben und Nehmen weiterkommt.
Daher scheint es längst ausgemachte Sache, dass Angelo Stiller im Falle einer Vertragsverlängerung beim VfB in Gehaltsfragen zum Spitzenverdiener aufsteigt. Bisher erhält der 23-Jährige rund zwei Millionen Euro pro Saison – künftig dürften es bei einer Verlängerung wie bei Deniz Undav rund 4,5 Millionen Euro sein.
Ein weiterer Kernpunkt der Verhandlungen ist eine Ausstiegsklausel. Eine solche besitzt Stiller aktuell nicht in seinem Vertrag – und der VfB hat nach Informationen unserer Redaktion bereits klargemacht, dass eine kurzfristige Verankerung einer Ausstiegsklausel, also vor Ablauf des alten Vertrages in 2027, nicht oder nur zu harten Bedingungen infrage kommt. Schließlich hatte der Club zuletzt bei zwei weiteren deutschen Nationalspielern in umgekehrte Richtung Erfolg: Maximilian Mittelstädt besitzt in seinem neuen Vertrag keine Ausstiegsklausel; und bei Jamie Leweling wurde sie im Rahmen der Verlängerung rausgenommen.
Möglich erscheint bei Stiller eine gestaffelte Lösung: So könnte eine neu hinzuzunehmende Ausstiegsklausel für die ersten Jahre einen so genannten Hammerpreis beinhalten, nach dem interessierte Clubs bei einem Transfer ganz tief in die Tasche greifen müssten; ehe dann mit Beginn des Verlängerungszeitraums, also von 2027 an, ein marktgerechter Preis zu zahlen wäre. Aktuell liegt der Marktwert von Angelo Stiller bei 32 Millionen Euro.
Schließlich könnte bei dem Ex-Hoffenheimer einmal der Fall eintreten, den der VfB etwa in den Karrieren von Sami Khedira oder Mario Gomez erlebte: Nämlich, dass der Verein in seiner Entwicklung nicht mehr mit der des Spielers mithalten kann. Der Trainer Sebastian Hoeneß, der Stiller einst beim FC Bayern im U-17-Alter in seine U 19 hochzog, ist von den Fähigkeiten seines Sechsers jedenfalls voll überzeugt: „Es gibt für ihn keine Grenzen. Er kann mit dem Ball umgehen – und versteht das Spiel“, sagt der 43-Jährige: „Wenn er noch bessere Mitspieler bekommt, wird er selber noch besser.“
Zeigt der Trend der Entwicklung bei Angelo Stiller in den nächsten Jahren tatsächlich weiter kontinuierlich nach oben, könnte die Ausstiegsklausel für ihn in ein paar Jahren den Weg zu einem europäischen Topclub freimachen. Und der VfB würde finanziell profitieren.