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Staudt vermarktet den Club perfekt, intern fehlt ihm Durchsetzungsvermögen.

Stuttgart - In den kommenden Tagen will Manager Fredi Bobic gemeinsam mit Trainer Christian Gross die Lage beim VfB Stuttgart analysieren. Wichtigste Frage: Wie kriegen wir die Karre schnell wieder flott? Das wird nicht das reine Vergnügen.

Dass die Stiuation so schwierig sind, hat vor allem damit zu tun, dass dem VfB noch immer das fehlt, was erfolgreiche Vereine auch durch schwierige Zeiten trägt. Ein klares sportliches Konzept, an das sich der Club, die Mannschaft und der Trainer zu halten haben. Ein sportfachliches Frühwarnsystem, eine vom Tagesgeschäft unabhängige letzte Instanz, könnte dazu beitragen, Konzepte durchzusetzen, Fehler zu vermeiden oder wenigstens früh zu erkennen. Seit Rolf Rüssmanns Weggang wurde diese Lücke nicht mehr geschlossen.

Deshalb bleibt der VfB das, was er schon immer war: Eine "Euphoriemannschaft", wie schon Jupp Heynckes erkannte, als er noch Trainer des FC Bayern war. Je nachdem wie sich die Umstände gerade fügen, geht es mal rauf und mal runter. Es ist ein gefährliches Spiel. Wohin es führen kann, belegte vergangene Saison Hertha BSC. 

Niemand hat Gross gewarnt

Der Dumme ist am Ende immer der Trainer. Er steht an letzter Stelle der Kette von Verantwortlichen, in der die Fehler entstehen. Auch Christian Gross hat welche gemacht. Nichts davon war gravierend, in der Summe aber leistungshemmend. Niemand hat ihn davor gewarnt. Jetzt droht dem Coach der Rauswurf. Zwar sagt er: "Ich erreiche die Mannschaft noch zu hundert Prozent." Und er versichert: "Wir kommen da unten wieder raus." Aber wer sollte dem Schweizer noch glauben, wenn der VfB auch noch das Duell auf Schalke verliert? Dann ist Schluss für den Trainer, dem der Präsident am Ende der vergangenen Saison im Rausch der schnellen Erfolge den roten Teppich ausrollen wollte: "Wir würden gern langfristig mit ihm zusammenarbeiten."

So klang das auch bei Felix Magath, Matthias Sammer, Giovanni Trapattoni, Armin Veh und Markus Babbel. Und nie war jemand im Verein, der die wirklich wichtigen Dinge auf Augenhöhe mit den Fußball-Lehrern besprechen konnte.

Wer hat Gross davor gewarnt, Christian Gentner als Führungsspieler dadurch zu entwerten, dass er ihn während der Saisonvorbereitung als Innenverteidiger auflaufen ließ? Die Auftritte waren bescheiden, das Selbstvertrauen schon angeknackst, bevor die Saison begann. Daniel Vier, Innenverteidiger im VfB-Drittligateam, wäre womöglich eine Alternative gewesen. Hat niemand erkannt, dass die Rollenverteilung Gentner/Kuzmanovic im Mittelfeld von Anfang an nicht passte? Dass ohne Christian Träsch im Zentrum das stabilisierende Element fehlt? Hat den Trainer im Umgang mit Serdar Tasci niemand auf dessen Vorgeschichte hingewiesen? Und was ist von der VfB-Philosophie übrig geblieben, möglichst viele Spieler aus der eigenen Jugend einzubauen? Daniel Didavi bekam erst dann eine Chance, als die Verletztenliste es erforderte. Von Patrick Funk ganz zu schweigen.

Nach der Niederlage gegen Eintracht Frankfurt beklagte Gross: "Uns fehlen die Autoritäten." Führungsspieler zu fordern und fördern zählt aber zu seinen wichtigsten Aufgaben. Stattdessen hat er selbst durch diverse Umbauten zur flachen Hierarchie im Team beigetragen.

Dass Fehler passieren, liegt in der Natur der Sache. Beim VfB passieren aber zu viele, weil die Trainer mit einer Linie arbeiten, die der Verein zwar propagiert, in der Tagesarbeit aber nicht durchsetzt. Was immer Christian Gross und Fredi Bobic beschließen: Es sollte ein Wunder bewirken.